Konferenzbericht zum Kongress Cuba 2.0 vom 12.03.09 in Mexiko-Stadt
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Die Konferenz Cuba 2.0, die von der Konrad-Adenauer Stiftung am 12. Maerz 2009 in Mexiko-Stadt ausgerichtet wurde, hatte zum Ziel einen Blick auf die Internetpräsenz auf Kuba zu werfen, sowohl aus der insularen Perspektive, als auch aus der Perspektive der Diaspora, und die Beteiligung der Akteure an der Wissens- und Informationsgesellschaft zu untersuchen.
Waehrend der Konferenz wurde die herausragende Bedeutung der Informations- und Medientechnologie eroertert: Einerseits im Hinblick auf die fuer die Zivilgesellschaft auf Kuba oft beschränkten Moeglichkeiten. Andererseits im Hinblick auf die modernen Faehigkeiten der digitalen Partizipation kubanischer Bürger im Ausland.
Hierbei wurden der bestehende Verantwortungsrahmen und die Chancen fuer digitales Handeln den Teilnehmern sehr klar vor Augen gefuehrt. Informations- und Medientechnologien wurden eindeutig als ein Mittel mit sehr starken politischen Auswirkungen ausgemacht. Technologie als Mittel zu einem Zweck war somit auch ein Schwerpunkt dieser Debatte: Die Schaffung einer stärkeren Zivilgesellschaft und die Verbesserung der Partizipationsmöglichkeiten jedes einzelnen Individuums durch den Einsatz von Technologie. Dabei waren die Haltung der kubanischen Fuehrung zur politischen Oeffnung, aber auch die Haltung dieser zum technologischen und medialen Fortschritt zum Zwecke der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen auf Kuba -- wohlbemerkt mit den unvermeidbaren politischen Auswirkungen auf die Gesellschaft -- zwei schwer greifbare Variablen des Diskurses und beide waren fuer den Dialog eine besondere Herausforderung.
Mit der 5. Kuba-Konferenz in Folge in nur 15 Monaten hat die KAS erneut eine Möglichkeit geschaffen, Exilkubaner aus verschiedenen Ländern, darunter den USA, Mexiko, Spanien, Peru, Schweden, Suedafrika, Frankreich und Kanada,in vier Gesprächsrunden zusammenkommen zu lassen. Letzteres, um die nach wie vor bestehenden politschen Probleme der Insel zu diskutieren. So zeige sich deutlich, dass das Problem nicht der Zugang zu Technologie an sich sei, so Daniel Pimienta, ein Ex-Sprecher von IBM Frankreich, sondern vielmehr die politischen Entscheidungen auf Kuba. Pimienta skizzierte die Grundzuege eines Geopolitischen Gesamtbildes im Karibikraum und plaedierte engagiert fuer eine staerkere Integration in der Region und fuer eine Ueberwindung historischer, kultureller, politischer und sprachlicher Barrieren. Im Mittelpunkt dieser Debatte stand somit, dass es im Karibikraum „keine Kultur der Zusammenarbeit“ existiere; „man teilt die Informationen nicht miteinander”, so Pimienta. Die Eigenheiten des karibischen Raumes stuenden im Konflikt mit dem neuen Paradigma einer partizipationsfreudigen Informationsgesellschaft. Er selbst wuensche sich ein "versoehntes Kuba" (Cuba reconciliada), welche als Vehikel fuer die karibische Integration dient. So wurde zusammenfassend im ersten Panel „Technologie, Wissen und Gesellschaft“ gezeigt, dass die Insel sehr wohl viel zur Entwicklung der Informationsgesellschaft und insbesondere des karibischen Raumes beitragen kann.
Ein wesentlicher Bestandteil des zweiten Panels „Informationstechnologien und ihre sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen“ bildete vor allem die von Claudia Benassini vorgestellte Analyse. Sie beklagte eine Nicht-Präsenz von Cultura 2.0 als Thema der kubanischen Tagespolitik und der Belange politischen Charakters, der “Kubanischen Agenda”, in der mexikanischen Presse.
Ein wichtiger Beitrag des dritten Panels zum Thema „Blogs und digitaler Journalismus“ war die zuvor in Havanna aufgezeichnete Videonachricht der bedeutsamsten kubanischen Bloggerin, Yoani Sánchez. In ihrem Beitrag wies Sánchez auf die zentrale Bedeutung des Internets und insbesondere Internet-Bloggs hin. Das Internet, so Sánchez, biete die Möglichkeit, die Entwicklung der kubanischen Zivilgsellschaft voranzutreiben. Die neuen Informations- und Medientechnologien, allen voran Internetbloggs, spielten eine grosse Rolle dabei, das aktive gesellschaftlich-politische Engagement der kubanischen Bevölkerung - und insbesondere der kubanischen Jugend - zu stärken oder überhaupt erst zu ermöglichen. Internetblogs erlaubten es insbesondere Einzelpersonen sich am politischen Prozess Kubas zu beteiligen und truegen so massgeblich dazu bei, ein neues Bewusstsein in der kubanischen Bevölkerung zu schaffen.
In ähnlicher Form bieten auch digitale Medien wie Internetzeitungen eine Möglichkeit der Kommunikation und des Informationsaustausches, insbesondere natürlich für die kubanische Diaspora ausserhalb der Insel. Dieses verdeutlichten die Beiträge der weiteren Sprecher des Panels wie zum Beispiel Álvaro Fernández, vom Progreso Semanal, sowie Germán Díaz von Cuba Nuestra oder Michel Suárez von Cuba Encuentro. Kritisiert wurde, dass die kubanische Presse auf der Insel keinen Raum für alternative Meinungen eroeffne, sodass ausserhalb der Diaspora kaum interaktiver Austausch in den kubanischen Medien stattfinden könne.
Das vierte und gleichzeitig letzte Panel befasste sich mit der Rolle der neuen Internetgeneration, der Generation 2.0, und der neuen Kommunikationskultur der kubanischen Jugend. Basierend auf empirischen Forschungsergebnissen und persönlicher Erfahrung, gab unter anderem Katrin Hansing, vom Centro de Estudios Cubanos der Florida International University, einen interessanten Einblick in die Rolle der kubanischen Jugend und ihrer Beziehungen zum Netz. Sie zeigte eindrucksvoll, dass die Generation Jugendlicher unter 35 durch eine gemeinsame Frustration und Enttäuschung im Bezug auf die soziale und politische Situation der Insel geeint sei; diese Generation habe das gemeinsame Ziel, Veraenderungen auf Kuba herbeizufuehren. Sie kritisierte allerdings insbesondere die Generation Jugendlicher, die in den 90er Jahren geboren wurden, diese Generation, so Hansing, stelle zunehmend materielles Wohlergehen über politisches Interesse. Bei der Suche nach neuen Wegen, mit der sozialen und politischen Enttäuschung umzugehen, spiele das Internet eine wichtige Rolle. Allerdings sei das Internet nur einer sehr kleinen gesellschaftlichen Elite zugänglich. Kubanische Jugendliche haetten oft nur Zugang zum kubanischen Intranet, was vom kubanischen Staat überwacht werde. Hansing merkte jedoch an, dass der Lerneffekt durch die Nutzung der neuen Technologien, sei es auch nur im Rahmen des Intranets, oft unterschätzt werde; sie sehe hier eine interessante Entwicklung.
Vanesa López, vom der "Independent Evangelical Catholic Church in America" (IECCA), Universiy of Miami, stellte desweiteren die Rolle des Internets als Sozialisierungsmedium heraus. Kubaner auf der Insel, die über einen Internetzugang verfügen, benutzten das Netz hauptsächlich, um mit Familienangehörigen im Exil zu kommunizieren. Die Kommunikation Jugendlicher mit Freunden und Verwandten auf der Insel selbst erfolge jedoch vor allem persönlich oder über Telefon. Da sie das Internet nicht als Sozialisierungsmedium nutzten, könne man die kubanischen Jugendlichen mit Internetanschluss nicht als Teil der Generation 2.0 bezeichnen. Sollte jedoch eine Generation 2.0 auf Kuba existieren, dann wären vor allem die Jugendlichen der Insel die Hauptakteure. Allerdings setze dies die Öffnung Kubas und die Stärkung der Zivilgesellschaft voraus. Das Hauptproblem sei, so López, dass die kubanische Elite, die Zugang zum Internet habe, diese Ressourcen nicht nutze, um politische Veränderungen zu bewirken. Dies sei zum Teil natürlich auch auf die Angst vor dem Verlust von Privilegien zurückzuführen. Diejenigen, die wirklich politisch etwas bewirken wollten, seien die Jugendlichen, die nur erschwert Zugang zum Netz haetten. Allerdings sei anzumerken, dass man die Rolle dieser frustrierten Jugend nicht unterschätzen sollte. Zum einen sei die kubanische Jugend durch das gemeinsame Ziel geeint, die kubanische Gesellschaft zu verändern und erhalte dadurch schon eine relativ grosse soziale Machtposition. Darüber hinaus fördere die politische Enttäuschung zugleich die Kreativität, neue Wege zu finden, um den Zugang zu den neuen Kommunikationsmedien zu erschliessen und Änderungen zu bewirken.
Zum Abschluss der Veranstaltung, fand am 13. März noch eine geschlossene Debatte der verschiedenen Sprecher statt, um die Beiträge der Konferenz ausfuehrlicher zu diskutieren.
Claudia Benassini hat einen zusatzlichen Text auf Spanisch zur Medienthematik in diesem Zusammenhang geschrieben. Bitte klicken Sie hier.
Serie
Veranstaltungsbeiträge
erschienen
Mexiko, 12. März 2009