Die Rückkehr des Wolfes – Bedrohung oder Bereicherung?

Gesprächsforum mit Experten in Güstrow

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Dr. Norman Stier

Dr. Norman Stier

Am 12.05.2017 hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung M-V zu einem Gesprächsforum „Die Rückkehr des Wolfes – Bedrohung oder Bereicherung?“ nach Güstrow eingeladen. Die artenschutzpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Beate Schlupp benannte in ihrer Einführung zwei zunehmende Akzeptanzprobleme des Wolfes: zum einen das Erscheinen des Wolfes in der Nähe menschlicher Siedlungen sowie zum anderen die Auswirkungen auf die Nutztierhaltung. Schlupp wies darauf hin, dass der Wolf ein wichtiges Thema auf der jüngsten Umweltministerkonferenz gewesen sei.

Der Leiter des Wolfsmonitoring M-V Dr. Norman Stier skizzierte in seinem Referat die Wolfsentwicklung in Deutschland von einem aus Polen zugewanderten Tier im Jahr 2000 bis 2015/16 mit 46 Rudeln, 15 Paaren und 4 Einzeltieren; derzeit gehe man von einer vierzigprozentigen Zuwachsrate jährlich aus. Stier erläuterte die Erfahrungen mit dem Wolf in anderen europäischen Ländern und forderte eine Bewirtschaftung des Wolfes wie bei anderen Wildtieren auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse. Eine Akzeptanz könne der Wolf nur durch Kompromisse gewinnen; M-V spiele in der Wolfsforschung zwar eine Vorreiterrolle, jedoch müssten die Mittel sowohl für Forschung wie Öffentlichkeitsarbeit weiter aufgestockt werden.

Der Vizepräsident des Landesjagdverbandes Wilfried Röpert sprach sich ebenfalls für eine Bewirtschaftung des Wolfes inklusive Entnahmen aus und erläuterte den Druck des Wolfes auf die Wildbestände, besonders auf das sog. Muffelwild, das sogar in seiner Existenz bedroht sei. Die Jägerschaft sei gegenwärtig gegen eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht, da dies mit zusätzlichen Aufgaben verbunden sei. Röpert unterstützte die Forderung nach einer Aufstockung der Mittel für die Erforschung des Wolfsbestandes.

Im Anschluss unterstrich der Vorsitzender des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbands Jürgen Lückhoff die Bedeutung gerade der Schafzucht für gesellschaftliche Aufgaben wie Landschaftspflege und Deichschutz und betonte die Bedrohung seiner gesamten Branche durch eine unkontrollierte Zunahme des Wolfes. Lückhoff kritisierte mangelnde Sensibilität der Behörden für die Probleme von Nutztierhalten und plädierte für bundeseinheitliche Regelungen. Ebenso wies er auf ins Unerschwingliche steigende Versicherungsprämien und eine impraktikable Deckelung von Fördermitteln für einzelne Betriebe hin und forderte eine Befreiung bei Herdenschutzhunden von der Hundesteuer.

Zum Abschluss erläuterte Joachim Schüffler von der PATURA KG die Möglichkeiten der Wolfsabwehr durch Zäune und andere Techniken, machte zugleich aber auch die Unmöglichkeit eines hundertprozentigen Schutzes vor Wolfsangriffen deutlich.

In der anschließenden Diskussion meldeten sich sowohl „Freunde“ wie „Gegner“ des Wolfes zu Wort. Anwesende Natur- und Umweltschützer beschrieben die Rückkehr des Wolfes als großen Erfolg der Umweltpolitik und plädierten dafür, dem Wolf seinen Freiraum zu geben. Schäfer und Landwirte betonten die akuten Probleme mit Wolfsangriffen, die finanzielle Unmöglichkeit jede Schaf- oder gar Rinderherde technisch zu schützen und befürchteten eine weiter abnehmende Attraktivität ihrer Berufe. Einig waren sich praktisch alle Diskutanten darin, dem Wolf in Deutschland eine Chance zu geben; uneinig war man sich allerdings in Ausgestaltung und Umfang. Insgesamt wurde deutlich, dass die Rückkehr des Wolfes mit finanziellen und gesellschaftlichen Kosten ist – es liege an der Politik, die Begleichung dieser Kosten auszuhandeln.
Ivo Sieder

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erschienen

Schwerin, 23. Mai 2017