One World No Hunger II

Stärkung der Landbesitz- und Landnutzungsrechte von Frauen in Subsahara Afrika

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Project Manager Stefanie Braun officially introduced the new project.

Projektmanagerin Stefanie Braun stellt das Projekt offiziell vor.

Das Ziel der Sonderinitiative in Namibia ist die Verbesserung des sicheren und gerechten Zugangs zu Ressourcen und Land sowie Landnutzungsrechten für Frauen in den vier nördlichen Regionen Omusati, Oshana, Ohangwena und Oshikoto, um Nahrungsmittelsicherheit zu verbessern. Das Projekt ist für vier Jahre geplant und läuft von Anfang 2016 bis Ende 2019.

Seit vielen Jahren arbeitet die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) partnerschaftlich mit staatlichen Institutionen, Parteien und Organisationen der Bürgergesellschaft zusammen, um politische und wirtschaftliche Rechte von Frauen zu stärken. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ ins Leben gerufen, um sich mit Ernährungssicherheit und landwirtschaftliche Probleme weltweit zu befassen. Ungefähr 800 Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind von Hungersnöten betroffen. In Namibia waren laut Angaben der Namibischen Statistik-Agentur NSA 76,4 % der Bevölkerung von Nahrungsmittelknappheit betroffen (NSA, Namibia Census of Agriculture 2013/2014).

Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit für die wachsende Weltbevölkerung kann nur durch Investitionen in nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Regionen in Entwicklungsländern erreicht werden. Weitere Fragen, die im Bereich von Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit behandelt werden müssen, sind Landrechte, nachhaltige Landnutzung, Zugang zu Wasser und anderen Ressourcen und das rechtliche Umfeld. Bereits seit den 1970er Jahren vertreten Experten die These, dass nicht nur natürliche Gründe (wie Dürren, Schädlinge oder Unwetter) oder ökonomische Gründe (fehlendes Saatgut oder Ressourcen), sondern auch politische und soziale Gründe wesentlich zur Entstehung von Armut und Hungersnöte beitragen. Die Beseitigung von Hunger und Armut und die Nutzung von Rohstoffen sind abhängig vom Zugang der Bevölkerung zu Land. Dieser Zugang wird durch die Gesellschaft und, spezifischer, durch Grundeigentumsregeln definiert. Diese Regeln basieren auf geschriebenem als auch auf ungeschriebenem Recht.

Die vorhandene Gesetzgebung im Bereich Landrechte für Frauen macht Namibia zu einem internationalen Vorbild. Die Namibische Verfassung, die nationale Landpolitik (National Land Policy), das Gesetz zur kommunalen Land Reform (Communal Land Reform Act) und das Gesetz der Kommunalverwaltung (Local Authorities Act) fördert die Geschlechtergleichheit und schützt die Rechte von Frauen. Trotz der positiven rechtlichen Rahmenbedingungen und der Festschreibung von Geschlechtergleichberechtigung haben Frauen dennoch faktisch nicht den gleichen Zugang zu Land wie Männer. Dies gewinnt besonders vor der Tatsache an Bedeutung, dass laut Expertenberechnung ca. 100 Mio. Menschen zusätzlich ernährt werden könnten, wenn weltweit mehr Frauen an Landbesitz, Bildung und Technologie beteiligt wären.

Aus diesen Gründen ist es entscheidend, Geschlechtergleichberechtigung zu fördern und Frauen in der Landwirtschaft zu stärken - und so langfristig den Kampf gegen Hunger und Armut zu gewinnen. Alle Formen der Diskriminierung gegen Frauen nach dem Gesetz müssen abgeschafft werden. Wir müssen dafür sorgen, dass Zugang zu Ressourcen gerechter wird, dass Landwirtschaftspolitik und –programme dem Geschlechteraspekt Rechnung tragen und das die Stimmen der Frauen in Entscheidungsprozessen gehört werden.


Die drei Projektziele sind:

Ziel 1: Frauen in den Projektländern sind über ihre Rechte und den traditionellen und kodifizierten Rechtskontext sowie die möglichen Rechtswege aufgeklärt und fordern diese Rechte in Grundzügen ein.

Ziel 2: Traditionelle Autoritäten berücksichtigen bei Schlichtungen zu Landfragen vermehrt das kodifizierte Recht und stärken die Position von Frauen in Fragen der Landnutzung.

Ziel 3: Politische Entscheidungsträger berücksichtigen bei Initiativen der Landreform und der damit zusammenhängenden Gesetzgebung in Grundzügen die Interessen und Bedürfnisse von Frauen.


In erster Linie richten sich die geplanten Maßnahmen an Frauen, die in der Landwirtschaft tätig sind und damit bei der Nahrungsmittelversorgung in ihrem Umfeld einen beitragende Rolle spielen. Insbesondere richtet sich das Projekt an Frauen, die durch ihre soziale Stellung, sei es als Witwe oder Alleinstehende, in ihrem Umfeld benachteiligt sind. Eine weitere Zielgruppe sind die männlichen und weiblichen Vertreter der lokalen Regierungen, relevante Vertreter aus Politik und Verwaltung, Funktions- und Entscheidungsträger, Medienvertreter sowie Repräsentanten nationaler und internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen, welche ebenfalls mit einbezogen und angesprochen werden sollen.

Für das Erreichen von Geschlechtergleichheit und die Stärkung von Frauen in der Landwirtschaft ist es entscheidend

• die Diskriminierung von Frauen durch das Gesetz abzuschaffen und gleiche Rechte für Männer und Frauen sicherzustellen

• dafür zu sorgen, dass Frauen über ihre Rechte aufgeklärt sind und die Unterstützung ihrer Regierung, Gemeinden und Familien bei der Durchsetzung dieser Rechte haben • ländliche Institutionen im Bereich der Geschlechtergleichstellung zu stärken

• das Humankapital von Frauen und Kindern aufzubauen

• die Sammlungen und Analysen über Geschlechterverteilung zu verbessern

• geschlechterrespektierenden landwirtschaftspolitischen Entscheidungen zu schaffen



Folgende Instrumente werden zur Erreichung der Ziele verwendet:

• Studien in den Projektregionen zu der Anwendung von Gesetzen und Normen im Bereich Landrecht

• Peer-review Maßnahmen in den Kommunen zur aktuellen Lage und strategischen Planung

• Sensibilisierung von Frauen in ländlichen Regionen zu Bürgerrechten, insbesondere Landrecht und Familienrecht

• Ausbildung von mobilen Mediatoren: juristischer Rechtsbeistand (Paralegals) und Raumvermessung (Parasurveyors)

• Dialogveranstaltungen mit politischen Entscheidungsträgern, lokalen Eliten und traditionellen Autoritäten

• Analysen und Aufnahme von Best-Practice Beispielen in dem Bereich

• Trainingsseminare zu Lobbying und Advocacy auf allen politischen Ebenen


Mit Hilfe dieses Projekts möchte die Konrad-Adenauer-Stiftung dazu beitragen, Sozialbewusstsein zu schaffen, um den Zusammenhang zwischen Frauenrechten und wirtschaftliche Entwicklung zu erkennen um dadurch bessere Lebensumstände für diejenigen zu schaffen, die von Hungersnöten betroffen sind.