Energiesicherheit ist die wichtigste Zukunftsfrage im südlichen Afrika

Energiesicherheitskonferenz in Windhoek

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Am 11. September 2014 organisierte die Konrad Adenauer-Stiftung Namibia und Angola gemeinsam mit der Universität Stellenbosch (Südafrika) eine viel beachtete, ganztägige Konferenz zu Fragen der Energiesicherheit in Namibia und den Ländern des südlichen Afrika. Mit nationalen und internationalen Experten wurde dieses für die weitere Entwicklung Namibias und vieler Länder Subsahara-Afrikas bedeutsame Thema näher beleuchtet.

Hon. Ben Amathila, Dr. Bernd Althusmann, Hon. Isak Katali, Dr. Jan Martin Witte, Ullrich Kinne, Prof. Oliver C. Ruppel, v.l.n.r. (Foto: The Development and Rule of Law Programme, DROP
Hon. Ben Amathila, Dr. Bernd Althusmann, Hon. Isak Katali, Dr. Jan Martin Witte, Ullrich Kinne, Prof. Oliver C. Ruppel, v.l.n.r. (Foto: The Development and Rule of Law Programme, DROP


Einleitend wies der Namibische Minister für Energiefragen, Katali, besonders darauf hin, dass es Namibia gelingen müsse und voraussichtlich gelingen werde, die drohende Versorgungslücke im Bereich der Elektrizität in 2015/2016 zu schließen. Hintergrund sei die noch unbefriedigende Situation, dass Namibia mit den eigenen Kraftwerken noch zu wenig Strom produziere, um unabhängiger insbesondere von südafrikanischen Stromimporten zu werden. Der Energiebedarf der namibischen Bevölkerung werde in den nächsten Jahren steigen, insbesondere auch in den ländlichen Regionen.

Der stv. Deutsche Botschafter in Namibia, Kinne, wies darauf hin, dass weltweit etwa zwei Milliarden Menschen ohne eine ausreichende Stromversorgung lebten, davon ein großer Teil im südlichen Afrika. Darum engagiere sich Deutschland in zahlreichen Projekten, so z.B. das BMZ in rund 50 Projekten in verschiedenen Ländern Afrikas. Allein für Ansätze einer nachhaltigen Energieversorgung stelle Deutschland über 500 Mio. Euro zur Verfügung. Besondere Bedeutung komme den Initiativen gegen drohende Klimaveränderungen zu, denn der Klimawandel gefährde insbesondere die afrikanischen Länder enorm.

Der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Energie und Wirtschaft, Hon. Ben Amathila, mahnte an, dass Namibia, seine Hausaufgaben machen und das Thema von Politik und Öffentlichkeit stärker wahr genommen werden müsse, wolle Namibia seine Ziele der Vision 2030 wirklich erreichen. Eine sichere Energieversorgung sei letztlich eine wesentliche Voraussetzung, um Arbeitsplätze zu schaffen sowie Frieden und Stabilität im Land zu sichern. Dazu sei es notwendig, dass Namibia jetzt die Infrastruktur und ebenso ein Erneuerbare Energien-Gesetz stärker in den Blick nehme, um einer sich abzeichnenden Energiekrise entgegen zu wirken.

Dr. Jan Witte von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Frankfurt, erläuterte die Tätigkeitsfelder der KfW und wies darauf hin, dass bisher in Namibia erst zwei Projekte im Bereich Erneuerbarer Energien unterstützt würden, obwohl die KfW inzwischen einen starken Fokus auf dieses Energiefeld gelegt habe. In Kürze werde die KfW zudem mit rund 210 Mio. Euro ein gemeinsames Projekt mit dem namibischen Energieproduzenten NAMPOWER fördern. Grundsätzlich sei für Investitionsvorhaben privater Unternehmen in den Ländern des südlichen Afrika besonders bedeutsam, dass gemeinsame Investitionsschutzabkommen zwischen den Ländern abgeschlossen würden, die in Bezug auf Risiken durch den Staat abgesichert werden müssten. Dies stehe für Namibia dringlich aus und sei gerade leider von Südafrika gegenüber Deutschland gekündigt worden. Die private Energiewirtschaft in Deutschland und Europa erwarte hier deutlichere Signale insbesondere von Namibia, da hier z.B. im Bereich der Erneuerbaren Energien die Voraussetzungen vermutlich weltweit am besten seien. Diese Gelegenheit müsse von Seiten Namibias ergriffen werden.

Von der GIZ vertrat Frank Gschwender die Auffassung, dass Namibia das von Deutschland unterstützte Programm „bush to electricity“ aufgrund der natürlich vorhandenen Ressourcen noch stärker nutzen könne, um einen Teil der Energieversorgung Namibias langfristig zu decken, zumindest aber zu ergänzen. Nachwachsende Rohstoffe seien für das Land eine große Chance, wenn es gelänge „debushing“, Windenergie und Photovoltaik noch besser miteinander zu kombinieren. Besonders auch für die Farmer im ländlichen Raum Namibias sei „debushing“ eine zukunftsfähige Form der zusätzlichen Energieversorgung.

In diesem Zusammenhang wies der Leiter der KAS, Dr. Bernd Althusmann, nochmals nachdrücklich darauf hin, dass Namibia an einem Erneuerbaren Energien-Gesetz arbeite und dies Teil eines Parlamentsbeschlusses aus Juni 2014 sei. Von der Universität Stellenbosch betonte Professor Ruppel, dass letztlich alle Sicherheitsfragen der Menschen in den Ländern des südlichen Afrika von einer sicheren Gesetzgebung für Energiefragen abhängen. Energiepolitik sei national kaum noch zu bewältigen, sondern bedürfe einer übernationalen Steuerung über Ländergrenzen hinweg. Eigentumsrechte und ein gesicherter Rechtsrahmen seien Grundvoraussetzung für eine gesicherte Energiepolitik. Die Armut in den Ländern Afrikas könne nur durch eine weitsichtige Energiepolitik bekämpft werden, die Rechtssicherheit voraussetze.

Aus Sicht Nigerias ergänzte Professor Yemi Oke, dass die nationalen Energiefragen stärker innerhalb der Afrikanischen Union koordiniert werden müssten. Allein durch die ansteigenden Bevölkerungszahlen werde der Energiebedarf in Afrika steigen und mittelfristig schwerwiegende Probleme aufwerfen. Auch er wies auf die Bedeutung der Energiesicherheit und teilweise fehlende Rechtssicherheit für Investoren hin, die es mit Nachdruck nun gelte zu schaffen. Vom neu eingerichteten Energieinstitut Namibias zeigte Dr. Chiguvare die notwendigen Aktionsfelder in Namibia und im südlichen Afrika auf. Von den rund 800 Mio. Menschen, die in Subsahara-Afrika lebten, seien rund 600 Mio. Menschen zurzeit ohne Zugang zu einer sicheren Energieversorgung. Es sei allein für Namibia nicht hinnehmbar, dass von den 2,3 Mio Menschen rund 1,5 Mio keinen gesicherten Zugang zu einer stabilen Energie- bzw. Stromversorgung hätten. Gerade der ländliche Raum habe hier ein großes Nachholbedürfnis im Gegensatz zu den städtischen Regionen. Natürlich werde in Namibia wie in anderen Ländern Afrikas intensiv auch über die Sicherung der Energieversorgung durch neue Kernkraftwerke nachgedacht. Die voraussichtlich deutlich steigenden Energiepreise seien ein Problem nicht nur in Namibia, sondern in allen Ländern des südlichen Afrika.

Der Energieexperte Schütt aus Namibia wies darauf hin, dass ausschließlich europäische Lösungen in der Regel in Namibia in die falsche Richtung führten. Der Energiebedarf gerade im Minensektor Namibias steige enorm in den nächsten Jahren an. Namibia müsse stärker auf Erneuerbare Energien, insbesondere Solartechnik setzen. Der Weg in die „Kernkraft“ sei seines Erachtens keine geeignete Lösung, auch wenn Namibia der viertgrößte Uranproduzent sei. Energiesicherheit sei das vermutlich wichtigste Feld der Entwicklungszusammenarbeit der Zukunft. Da waren sich die Experten dieser Konferenz allesamt einig.

Autor

Dr. Bernd Althusmann

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Namibia, 22. September 2014