Otto Rehhagel: „Griechen müssen Gürtel enger schnallen“

Fußball-Ikone zu Gast beim KAS-Mittagsgespäch

Vor über 200 Gästen diskutierte der erfolgreiche ehemalige Bundesligatrainer und Gewinner der Europameisterschaft 2004 mit der griechischen Nationalmannschaft das Thema „Verantwortung in Europa - Gemeinsam Griechenland Mut machen“ mit dem Europaabgeordneten Burkhard Balz und dem Vorsitzenden des Niedersächsischen Fußballverbandes Karl Rothmund.

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V.l.n.r: Dr. Uwe Graells, Chefredakteur der Schaumburger Nachrichten; Jörg Jäger, Leiter des Politischen Bildungsforums Niedersachsen der KAS; Otto Rehhagel, ehem. Fußballnationaltrainer von Griechenland; Burkhard Balz MdEP, Karl Rothmund, NFV-Präsident

V.l.n.r: Dr. Uwe Graells, Chefredakteur der Schaumburger Nachrichten; Jörg Jäger, Leiter des Politischen Bildungsforums Niedersachsen der KAS; Otto Rehhagel, ehem. Fußballnationaltrainer von Griechenland; Burkhard Balz MdEP, Karl Rothmund, NFV-Präsident

Dabei wies die Fußball-Legende vorsorglich „warnend“ darauf hin, er sei „weder Politiker noch Ökonom“. Für die tiefgreifenden Probleme Griechenlands müssten schon die zuständigen „Experten und Politiker die geeigneten Lösungen erarbeiten“. Es sei aber erforderlich, dass man bei allen notwendigen Einschränkungen und Einsparungen den Griechen „Luft zum Atmen lassen“ müsse. Inzwischen sei die Not und Armut überall spürbar. Viele seien von Arbeitslosigkeit bedroht, die Quote unter Jugendliche betrage bereits 50 Prozent. Krankenhausaufenthalte könnten die Menschen kaum noch bezahlen und die Gehälter gerade im Öffentlichen Dienst seien drastisch reduziert worden. Als Beispiel führte er die Situation eines normalen Lehrers an und rief dem Publikum in seiner ihm eigenen Art zu:“ Stellt Euch vor, Ihr bekommt 40 Prozent Euro Gehalt gestrichen und noch höhere Steuern aufgedrückt - da möchte ich Euch sehen, denn da fangen Eure Frauen auch an zu meckern.“

In die gleiche Kerbe schlug der Europaabgeordnete Burkhard Balz bei seinem "Heimspiel" in Stadthagen. Grundsätzlich erfreue sich Griechenland schon aufgrund seiner Kultur und als Ursprungsland der Demokratie eines grundlegenden Wohlwollens innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft. Aber bei allen „harten und schmerzhaften Auflagen“ dürfe man die Griechen nicht überfordern. Daher sei das Europäische Parlament derzeit dabei, der „Troika etwas schärfer auf die Finger zu schauen“ und denke darüber nach, deren Einsatzkriterien und Befugnisse zu modifizieren. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass man Empfindungen und Befindlichkeiten des griechischen Volkes ernst nehmen solle.

Der NFV-Vorsitzende Karl Rothmund und langjährige DFB-Vizepräsident mahnte an, den Griechen das Gefühl zu vermitteln, dass sich ihre Anstrengungen auch tatsächlich lohnten und gewürdigt würden. Der DFB dagegen hätte nur sehr begrenzte Möglichkeiten, den griechischen Fußball zu unterstützen und wies warnend auf die zunehmenden Probleme mit Rechtsradikalen in griechischen Stadien hin.

Das in weiten Teilen launige und unterhaltsame Mittagsgespräch ging zu Ende mit einem Dialog des Moderators Dr. Uwe Graells mit Otto Rehhagel, in dem dieser unter schallendem Gelächter und Beifall einige Anekdoten aus seinem über fünfzigjährigen Trainerleben zum Besten gab.

Autor

Reinhard Wessel

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Hannover, 12. November 2013

Kontakt

Jörg Jäger