„Es gibt viele Afrikas! Denn: Afrika ist anders.“

Günter Nooke zu Gast bei den „Wunstorfer Gesprächen 2013 in der Offiziersheimgesellschaft des Lufttransportgeschwaders 6

Der Persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin Günter Nooke referierte vor über 200 Zuhörern die Frage „Welche Afrikapolitik brauchen wir?“ und ging dabei sowohl auf deutsche als auch auf europäische Perspektiven ein. Besonderen Wert legte er in seinem Vortrag auf die erheblichen Unterschiede der einzelnen Staaten Afrikas, die jeweils individuelle Kooperationskonzepte erfordern.

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Günter Nooke, Persönlicher Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin, berichtete sehr anschaulich über die Unterschiede der einzelnen Staaten Afrikas

Günter Nooke, Persönlicher Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin, berichtete sehr anschaulich über die Unterschiede der einzelnen Staaten Afrikas

Die unglaubliche Vielfalt und Buntheit verdeutlichte Günter Nooke zu Beginn seiner Ausführungen anhand zahlreicher Karten und Grafiken. „Jedoch sollten wir uns nicht vormachen, dass wir Afrika wirklich verstehen“, betonte der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Afrika sei groß, vielfältig, reichhaltig und jung. Karten reichten gar nicht aus, um die wahre Größe und Vielfältigkeit des Kontinents darzustellen.

Allerdings sei die wirtschaftliche Entwicklung sehr schwierig. Zwar liege das Wirtschaftswachstum über dem Weltdurchschnitt, allerdings auf niedrigem Niveau. So erwirtschaften alle afrikanischen Länder zusammen gerade einmal 4 % des globalen BIPs. Ein Anteil, der sich trotz relativ guter Wachstumsraten in den letzten 30 Jahren kaum veränderte. Der Abstand zum habe sogar eher noch zu- als abgenommen.

Dieses Problem – so Nooke - lasse sich nur durch einen Wandel in der Entwicklungsarbeit lösen. Man müsse Afrika als Partner Ernst nehmen und die betroffenen Staaten ermutigen, ihre Probleme selbst anzupacken. Doch diese „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei leichter gesagt als getan. Die europäische Handelspolitik mit Afrika habe sich bislang vor allem auf eine Integration in die Weltwirtschaft konzentriert, was jedoch durch die bevorzugte Behandlung einzelner Staaten nur punktuelle Erfolge zeitigte. Vor allem kritisierte der Afrikaspezialist die Joint Africa-EU Strategy (JAES), die in diesem Zusammenhang dringend überarbeitet werden müsste. „Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass die deutsche und europäische Afrikapolitik nachhaltiger wird. Afrika darf seinen Markt nicht ganz öffnen, muss lernen die eigenen Ressourcen zu nutzen. Aber besonders muss sichergestellt werden, dass der Erfolg der ganzen Bevölkerung zugute kommt.“ Positiv sei aber, dass Afrika auch von vielen Schwellenländern zunehmend als neuer Absatzmarkt aber auch für Investitionen entdeckt werde.

Ziel müsse es sein, Frieden und Sicherheit zu schaffen, um den Menschen ein (menschen-) würdiges Leben zu ermöglichen. Dies könne vor allem durch friedenskonsolidierende, z.T. auch friedenserzwingende Maßnahmen und materielle Unterstützung erreicht werden. Oft stießen derartige Aktionen auf EU-Ebene auf erhebliche Probleme, da einige Mitgliedsstaaten primär ihre eigenen nationalstaatlichen Interessen verfolgten, namentlich die früheren Kolonialmächte.

Um die generelle Ausrichtung einer zielorientierten Afrikapolitik zu verdeutlichen, verwies Nooke auf das „Dreisäulenmodell des Weltfriedens“, das vom seinerzeitigen UNO-Generalsekretär von Kovi Annan formuliert worden war. Danach basiert ein erfolgreiches Entwicklungsmodell auf den Säulen Sicherheit, Entwicklung und Menschenrechte. Leider seien in Afrika gleich alle drei Säulen instabil und die dynamische Wechselwirkung zwischen den Säulen ebenfalls erheblich. Dies könne positive aber auch negative Folgen haben. Einerseits könnten Menschen ohne Arbeit und Perspektive ein großes Sicherheitsproblem verursachen, anderseits bestünde aber auch die Chance sowie das Potenzial einer nachhaltigen Entwicklung neuer und zukunftsträchtiger wirtschaftlichen Strukturen.

„Was Afrika braucht“, so der Diplom Physiker in seinem abschießenden Statement „sind bessere sowie verantwortungsbewusste Regierungen, echte Industrieansiedlungen, der Aufbau einer „echten“ Rohstoffwirtschaft und vor allem eine Zusammenarbeit, die langfristig angelegt sei und die die afrikanischen Partner als Weggefährten begreift..“ Kurz: Mehr Konkretes, weniger Theorie. Junge Menschen bräuchten erfolgreiche Modelle mit Vorbildfunktion, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Genau dafür müsse sich Deutschland einsetzen. Zudem betonte Nooke, dass deutsche Außenpolitik auch immer Friedenspolitik sei und sich an der Idee universal geltender Menschenrechte orientieren müsse.

In der nachfolgenden Diskussion ging Günter Nooke vor allem auf die schwierige Situation Deutschlands ein, was die Nutzung der enormen Rostoffressourcen in Afrika anlangt. Er verwies vor allem darauf, dass Deutschland kaum über private Investoren verfüge, die das technisch know how und/oder die finanziellen Möglichkeiten hätten, dort eine wichtige Rolle zu spielen. Dieses Vakuum würde vor allem durch China genutzt, die mit enormem finanziellen Aufwand in dieses Geschäft einstiegen. Demgegenüber müssten Deutschland und Europa eine gemeinsame Afrikastrategie entwickeln und fasste zusammen: „Wir müssen den Mut haben, an einigen Stellen etwas anders zu machen. Wir müssen mehr Politik wagen.“

Autor

Caroline Lasserre

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Hannover, 18. November 2013

Kontakt

Jörg Jäger