„Ich bin gutwillig, aber nicht naiv.“

Dr. Hans-Gert Pöttering zu Gast in Hildesheim

Im Rahmen seiner Lesereise machte Dr. Hans-Gert Pöttering MdEP auch Halt in Hildesheim und stellte im Römer- und Pelizaeus-Museum vor rund 100 Gästen seine neu erschienene Autobiographie „Wir sind zum Glück vereint – Mein Europäischer Weg“ vor. Seine langjährige Kollegin Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl MdEP betonte in ihrem Grußwort, sein Werk spiegele „die grundlegende Überzeugung seiner ganzen Arbeit wider“.

Bild 1 von 8
(V.l.n.r.) Jörg Jäger, KAS-Landesbeauftragter in Niedersachsen, Dr. Hans-Gert Pöttering MdEP, ehem. Präsident des Europäischen Parlaments und Bischof Norbert Trelle, Bistum Hildesheim, im Gespräch zu Beginn der Veranstaltung

(V.l.n.r.) Jörg Jäger, KAS-Landesbeauftragter in Niedersachsen, Dr. Hans-Gert Pöttering MdEP, ehem. Präsident des Europäischen Parlaments und Bischof Norbert Trelle, Bistum Hildesheim, im Gespräch zu Beginn der Veranstaltung

„Man fragt sich immer, ist ganz Europa so nett oder sind das nur Sie?“, leitete der Moderator Dr. Harmut Reichardt, ehem. Chefredakteur der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, sein Interview mit dem KAS-Vorsitzenden ein. „Ich bin Christ“, gab dieser zur Antwort. „Ich gehe immer mit Vertrauen auf die Menschen zu, aber wenn jemand unfair spielt, beherrsche ich auch die Verteidigung.“

Im Verlauf der Veranstaltung sprach der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments aber nicht nur über sein Buch, sondern bewertete auch die aktuelle politische Situation in Europa und der Welt. Die Militärintervention der Franzosen in Mali beispielsweise bezeichnete er als notwendig. Kritisch sehe er aber, dass Frankreich in der Terroristenbekämpfung praktisch allein gelassen werde, obwohl es im Kern die Aufgabe aller EU-Staaten gewesen wäre. „Alle Menschen der Welt haben das Recht, in Freiheit zu leben“, rechtfertige Dr. Pöttering den Militäreinsatz in Nordafrika. „Wir Europäer dürfen nicht aufhören, unsere Werte zu verteidigen, denn sonst können wir bald auch nicht mehr unsere Interessen durchsetzen.“

Mit Blick auf die kommende Europawahl sprach der ehemalige EVP-Fraktionsvorsitzende auch über das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts, in dem es die 3%-Hürde als verfassungswidrig „kassiert“ hatte. Grundsätzlich sei das Bundesverfassungsgericht als dritte Gewalt in Deutschland zu achten, doch stütze sich dieses Urteil auf falsche Annahmen. Auch im Europäischen Parlament müssten– ähnlich wie im Bundestag – durchaus Mehrheiten organisiert werden. Um die Richter darauf hinzuweisen, habe er ihnen sein neues Buch zugesandt.

Darüber hinaus sei die mangelnde Wahlbeteiligung bei Europawahlen sehr besorgniserregend. Europa werde zu oft auf Krümmungsgrade für Gurken und Energiesparlampen reduziert, dabei sei die Einheit des europäischen Kontinents für eine friedliche Zukunft von viel größerer Bedeutung.

Zum Schluss griff der Moderator noch einmal die Notwendigkeit auf, der Achtung der menschlichen Würde weltweit zum Durchbruch zu verhelfen. Auf entsprechende Nachfrage wies der Bischof des Bistums Hildesheim, Norbert Trelle, auf die prekäre Lage der Flüchtlinge aus Nordafrika hin. Diese Einschätzung teilte der scheidenden EU-Parlamentarier Pöttering, der abschließend forderte: „Wir brauchen Verträge mit den Ländern Nordafrikas, um die Sicherheit der Flüchtlinge zu garantieren.“

Autor

Caroline Lasserre

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Hannover, 14. April 2014

Kontakt

Jörg Jäger