200 Jahre: Das Kurfürstentum Hannover und die Schlacht von Waterloo - eine historische Einordnung

Landtagspräsident a.D. Jürgen Gansäuer im Historischen Museum

In die großen Zusammenhänge der europäischen Geschichte bettete Landtagspräsident a.D. Jürgen Gansäuer die Schlacht von Waterloo, die fast genau vor zweihundert Jahren am 18.06.1815 stattfand, vor knapp 100 interessierten Zuhörern im Historischen Museum ein.

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Jürgen Gansäuer, Landtagspräsident a.D., ordnete die Schlacht von Waterloo historisch ein.

Jürgen Gansäuer, Landtagspräsident a.D., ordnete die Schlacht von Waterloo historisch ein.

Dabei erläuterte er anhand wichtiger historischer Wegmarken (30-jähriger Krieg, Erbfolgekriege des 18. JH, Koalitionskriege, Reichsdeputationshauptschluss etc.) und die damit einhergehenden machtpolitischen Verschiebungen der größeren europäischen Mächte, vor allem die laufende Schwächung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der Aufstieg Russlands, Frankreichs und Großbritanniens. Vor allem der Kampf um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren spielte dabei eine entscheidende Rolle und wurde zugunsten Großbritanniens in der Seeschlacht bei Trafalgar entschieden. Der Versuch Napoleons, diese durch die Eroberung Russlands quasi zu kompensieren, schlug ebenfalls fehl. Ein letztes Aufbäumen beendete dann ein bunt zusammengewürfeltes Konglomerat aus niedersächsischen, flämisch-belgischen, hessischen und britischen Truppen unter Führung des Duke of Wellington und mit preußischer Unterstützung bei einem kleinen Ort südlich von Brüssel, namens Waterloo.

Aufgrund der Personalunion zwischen Großbritannien und dem Kurfürstentum Hannover war letzteres immer wieder insbesondere in die Kriege zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich involviert,, nicht nur im Siebenjährigen Krieg, sondern auch durch die Besetzung durch französische Truppen ab 1803. In seinem zweiten Teil erläuterte Jürgen Gansäuer eindrucksvoll die Hoffnungen, die die Bewohner des 1815 neu errichteten Königreichs Hannover nach der siegreichen Schlacht von Waterloo hinsichtlich einer freiheitlichen Verfassungsordnung entwickelten. Bis zum Ende des Königreichs 1866 gab es seitens des welfischen Herrscherhauses nur sehr zaghafte Zugeständnisse, die dann auch noch immer wieder zurückgenommen wurden. Und zu guter Letzt betonte Jürgen Gansäuer, worauf es heute ankommt: Trotz jahrhundertelanger Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland sei es letztlich zur Aussöhnung zwischen beiden Völkern - personifiziert durch die Freundschaft zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischem Präsidenten Charles de Gaulle – gekommen: Eine historische Entwicklung, die kaum hoch genug bewertet werden könne.

Autor

Reinhard Wessel

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Hannover, 12. Juni 2015