„Wie ein Gruppenbild mit einem älteren Herrn in der Mitte“

Der Historiker und Adenauer Experte Dr. Hans Peter Mensing hielt anlässlich Konrad Adenauers 142. Geburtstag im Niedersächsische Landesmuseum einen Vortrag über dessen Leben und Wirken. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom „Miraflores Ensemble“.

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Prof. Dr. Katja Lembke, Direktorin des niedersächsischen Landesmuseums Hannover, hieß die Gäste willkommen. Anschließend gab Christoph Bors, Leiter des Politischen Bildungsforums Niedersachsen, einen kurzen Rückblick auf das Jahr 2017 stimmte die Anwesenden auf die Themenschwerpunkte im politischen Bildungsjahr 2018 ein.

Das Wirken Adenauers
Laut Dr. Hans Peter Mensing sind die Erfolge, die während seiner Amtszeit erzielt wurden, nicht immer nur von Adenauer selbst geprägt gewesen. Als Beispiel dafür nannte er Kurt Schuhmacher und Theodor Heuss, mit denen sich Adenauer verstärkt für einen christlich-jüdischen Dialog einsetzte, aber auch Ludwig Erhard, welcher als „Vater“ der Sozialen Marktwirtschaft gilt. Während seiner insgesamt 14-jährigen Kanzlerschaft sei er immer auf die Mitarbeit anderer angewiesen gewesen und habe so oft nur nach zahlreichen Absprachen handeln können. Hinzu wäre gekommen, dass Adenauer viele seiner Weggefährten überlebte, bildlich vorzustellen wie ein Gruppenbild mit älterem Herrn in der Mitte, der von ständig wechselnden Personen umgeben ist. Dabei wurde Konrad Adenauer 1948 bei der Wahl zum Präsidenten des Parlamentarischen Rats in Deutschland eher als ein „Auslaufmodell“ angesehen. Man habe sein Lebenswerk und seine Fähigkeiten anerkannt, so war er von 1917 bis 1933 und für einige Monate des Jahres 1945 Oberbürgermeister von Köln. Letztendlich habe aber gerade die Präsidentschaft des Parlamentarischen Rates ihm den Weg zu seiner Kanzlerschaft geebnet, genauso wie die Tatsache, dass er einer der Wunschkandidaten der Alliierten für das Amt des Bundeskanzlers war, so Mensing.

Das Zusammenwirken mit verschiedensten nationalen und internationalen Politikern habe die sogenannte „Ära Adenauer“ geprägt. Ein Begriff, gegen den er sich selbst übrigens immer wieder gewehrt habe, fügt Mensing hinzu, Adenauer hielt demnach nicht viel von Würdigungen seiner Person.

Adenauer und Frankreich
Als ein langfristiges Ergebnis von Adenauers Politik bezeichnete Mensing auch die Aussöhnung mit Frankreich, die schließlich im Élysée-Vertrag mündete. Besonders zu Charles de Gaulle habe er ein gutes persönliches Verhältnis gehabt. Ganz dem Motto „Aus Feindschaft Freundschaft machen“, war er ein großer Verfechter der europäischen Einigung, fügte der Referent hinzu. So sei weitestgehend unbekannt, dass Adenauer bereits in seiner ersten Nachkriegsrede die „Vereinigten Staaten von Europa“ forderte, da seiner Meinung nach nur diese es ermöglichen würden, langfristig Frieden auf dem Kontinent zu schaffen. Selbst Gorbatschow habe später, im Zuge der Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung 1990 gesagt, dass die deutsche Frage nur unter einem europäischen Dach gelöst werden könne.

Adenauer und Russland
Mit Russland setzte der ehemalige Kanzler auf den Dialog. Als Moskau 1955 den Kriegszustand aufhob, sei Adenauer gleich daraufhin nach Russland gereist. Kurz darauf erreichte er die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus dem Zweiten Weltkrieg, was in der deutschen Erinnerungskultur noch heute als einer seiner größten Verdienste gesehen werde.

Abschließend ging Mensing auf die Verbindungen Adenauers zu Hannover ein. Eine seiner wichtigsten Reden habe er hier gehalten. So habe Adenauer 1961 betont, dass Europa zum Haus für alle und besonders zum Haus der Freiheit werden solle. Ferner war der Bruder seiner zweiten Frau, Ernst Zinsser, Architekt, welcher einen maßgeblichen Anteil am Wiederaufbau Hannovers nach dem Krieg hatte und seine Bauten noch heute das Stadtbild an manchen Stellen prägen.

Autor

Elisa Walke

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Hannover, 5. Januar 2018