Nigeria - Landesinformationen


Amtssprache: Englisch
Hauptstadt: Abuja (seit 1991, zuvor Lagos)
Staatsform: Präsidiale Bundesrepublik mit 36 Bundesstaaten und einem Federal Capital Territory
Fläche: 923.768 km²
Einwohnerzahl: ca. 151 Mio.
Bevölkerungsdichte: 152 Einwohner pro km²


Politik

Politisches System: Mehrparteiensystem mit Mehrheitswahlrecht (First-Past-The-Post)
Präsident und Regierungschef: 1999 bis 2007: Olusegun Obasanjo, ab 29. Mai 2007: Umaru Yar' Adua, nach dessen Tod seit 6. Mai 2010 Dr. Goodluck Ebele Jonathan, der 2011 wiedergewählt wurde
Mandate der Parteien:
Peoples Democratic Party (PDP): 71 Sitze im Senat; 200 Sitze im Repräsentantenhaus; 27 Gouverneure
Action Congress of Nigeria (ACN): 18 Sitze im Senat; 66 Sitze im Repräsentantenhaus; 4 Gouverneure
Congress for Progressive Change (CPC): 7 Sitze im Senat; 35 Sitze im Repräsentantenhaus; 0 Gouverneure
All Nigeria Peoples Party (ANPP): 7 Sitze im Senat; 25 Sitze im Repräsentantenhaus; 3 Gouverneure
Sonstige: 6 Sitze im Senat; 34 Sitze im Repräsentantenhaus; 2 Gouverneure
Insgesamt: 109 Sitze im Senat; 360 Sitze im Repräsentantenhaus; 36 Gouverneure


Wirtschaft

Währung: Nigerian Naira (NGN, maskulin) (100 Naira = 0.45 EUR = 0.65 USD)(7.7.2011)
BIP (zu Marktpreisen in US$): 173.003.615.594 (Stand 2009)
BIP/Einwohner (zu Marktpreisen in US$): 1.118 (Stand 2009)
Wirtschaftswachstum: ca. 6% jährlich
Inflation: 14% (Stand 2010)
Einkommen unter $2 pro Tag (PPP): ca. 70% der Bevölkerung



Demographie

Durchschnittsalter: 19,1 Jahre
Infizierung mit HIV/Aids: 3,1% der Gesamtbevölkerung = 2,6 Mio. (Stand 2007)
Lebenserwartung bei Geburt: 48 Jahre (Stand 2009)
Alphabetisierungsrate: 72% im Alter von 15-24 Jahren (Stand 2009)
Bevölkerungswachstum: 1,966% pro Jahr (Stand 2010)
Geburtenrate: 4,82 Kinder pro Frau

Größte Städte:

  • Lagos ca. 9 Mio. Einwohner / alternative Angabe ca. 11,4 Mio. Einwohner
  • Kano ca. 3,8 Mio. Einw. / alternative Angabe ca. 3,3 Mio. Einw.
  • Ibadan ca. 2.5 Mio. Einw. / alternative Angabe ca. 3,3 Mio. Einw.
  • Kaduna ca. 1,6 Mio. Einw.
  • Abuja ca. 405.000 Einw.


Zeitzone: GMT+1 Std.
Nationalhymne: Arise Oh Compatriots, Nigeria's Call Obey
Nationalfeiertag: 1. Oktober: Independence Day
(am 1.Oktober 1960 erlangte Nigeria Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien)
Kfz-Kennzeichen: WAN
Internet-TLD: .ng
Vorwahl: +234

(Hinweis: Aufgrund mangelhafter Datenlage sind alle Angaben ohne Gewähr)

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Geographische Lage - Klima - Vegetation

Nigeria liegt in Westafrika, angrenzend an Benin im Westen, Niger im Norden, Tschad im Nordosten, Kamerun im Osten und den Golf von Guinea im Süden mit einem Küstenstreifen von 853 km Länge. Das Klima ist tropisch und unterteilt in zwei Jahresabschnitte: die Regenzeit von April bis Oktober und die Trockenzeit von November bis März. Die Regenzeit schickt als Vorboten den Harmattan. Dieser heftige Passatwind, der Sand aus der Sahara aufwirbelt und als riesige Staubwolke mit sich bringt, legt sich oft wochenlang über das Land. Auch während der Regenzeit kommt es häufig zu starken Stürmen. Die Vegetation setzt sich von Süden nach Norden zusammen aus Mangrovenwald, Regenwald, Laub abwerfendem Wald, Savanne bis hin zur Sahelvegetation. Afrikanisches Wild ist in Nigeria größtenteils aufgrund schonungsloser Jagd und der Zerstörung des natürlichen Lebensraums durch die Abholzung der Wälder ausgerottet. Zu den Bodenschätzen Nigerias gehören vor allem Erdöl und Erdgas, daneben kleinere Vorkommen an Zinn, Eisenerz, Kohle, Kalkstein, Blei und Zink.

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Jüngere Geschichte des Landes

Nach nahezu 16 Jahren Militärherrschaft wurde 1999 eine neue Verfassung mit einer Zivilregierung in Kraft gesetzt. Präsident Olusegun Obasanjo, Yoruba und Christ aus dem Süden, früherer General in der nigerianischen Armee und zwischen 1995 und 1998 selbst politischer Häftling während der Militärdiktatur, stand in seinen beiden Amtszeiten von 1999-2007 vor kaum zu bewältigende Aufgaben. Sein Nachfolger, Umaru Yar' Adua, Hausa-Fulani und Moslem aus dem Norden, hatte versprochen, die wirtschaftlichen Reformen seines Vorgängers fortzuführen und die Korruptionsbekämpfung zu intensivieren. Er verstarb jedoch nach längerem Siechtum 2010 im Amt. Sein Vizepräsident Goodluck Jonathan wurde nach Querelen, in denen es um dessen Herkunft und Religion als Christ aus dem Süden ging, Präsident. Politiker aus dem Norden hatten das Präsidentenamt für "den Norden" beansprucht. In relativ fairen Wahlen wurde Jonathan 2011 wiedergewählt. Unter seiner Führung will Nigeria seine "Vision 20:2020" verwirklichen. Bis zum Jahr 2020 will es zu den wirtschaftlich stärksten 20 Nationen der Welt gehören.

Der Weg ist weit, denn das Land konnte seine reichen Erdölvorkommen bisher nicht erfolgreich zur Armutsbekämpfung nutzen. Das noch reichlichere Gas wurde und wird überwiegend einfach abgefackelt. Missmanagement und Korruption mit volkswirtschaftlichen Verlusten in Höhe von wohl mehreren hundert Milliarden USD haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung erschüttert. Die Arbeitslosigkeit besonders unter Jugendlichen ist hoch, das Bildungsniveau niedrig, die Beschäftigungschancen sind gering.

Hinzu kommen drei besonders gefährliche Konfliktherde, die wegen einer generell niedrigen Gewaltschwelle jederzeit leicht eskalieren können: Im ölreichen Nigerdelta, im Bundesstaat Plateau mit der Hauptstadt Jos und im islamischen Nordosten, wo eine fundamentalistische Gruppierung mit dem Namen "Boko Haram" (= westliche Bildung ist verboten) mit Gewaltaktionen gegen den säkularen Staat vorgeht und vermutlich einen islamischen Staat anstrebt. Allein in der Hauptstadt Abuja kam es von Oktober 2010 bis Juni 2011 zu drei schweren Bombenanschlägen mit zahlreichen Toten.


Ethnien

Es gibt ca. 250 ethnische Gruppierungen und Stämme mit jeweils eigenen Sprachen in Nigeria. Die drei Hauptgruppen sind die Hausa-Fulani, die Yoruba und die Igbo.

  • Hausa-Fulani: im Norden angesiedelt, die bevölkerungsreichste Gruppe, hauptsächlich Muslime; ihre traditionellen Herrscher (nicht in de Verfassung verankert) sind der Sultan von Sokoto sowie u. a. zahlreiche Emire wie etwa der von Kano und der Shehu von Borno
  • Yoruba: zweitgrößte Gruppe, im Süd-Westen angesiedelt, hauptsächlich Bauern; jede Untergruppe der Yoruba wird von einem “Chief” angeführt
  • Igbo: im Süd-Osten angesiedelt, die Igbo leben in kleinen, dezentralisierten und demokratisch geführten Gemeinden, angeführt meist durch eine Ältestenversammlung.

Weitere ethnische Gruppen sind Ijaw, Ibibio, Edo, Tiv, Nupe.

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Religion

50% der Gesamtbevölkerung sind nach offiziellen Angaben Muslime; rund 40% der Bevölkerung sind Christen, knapp 10% sind Animisten (Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen).


Sprachen

Amtssprache ist Englisch, das in den Schulen unterrichtet und von ca. 50% der Bevölkerung gesprochen wird. Daneben hat sich im Laufe der Zeit eine nigerianische Version des Pidgin-Englisch herausgebildet. Als sonstige Landessprachen anerkannt sind Yoruba, Hausa und Igbo. Analphabetismus, besonders bei Frauen und Mädchen im Norden, ist weit verbreitet. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Demographische Trends

Nigeria ist das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas und an neunter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder der Erde mit einem Anteil an über 4% der Gesamt-Weltbevölkerung. Die ehemalige Hauptstadt Lagos ist die größte Stadt Afrikas südlich der Sahara. Nigeria zählt nach wie vor zu den ärmsten Ländern weltweit; der Anteil der Bevölkerung mit weniger als 2 US-Dollar pro Tag dürfte bei 70% liegen.
Lebenserwartung (2009): 48 Jahre.
Kinder- und Müttersterblichkeit gehören zu den höchsten der Welt.


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Bildung

Duchschnittl. Grundschulbesuch (1996-2004): 62%
Duchschnittl Alphabetisierungsrate im Alter von 15-24 Jahren (2009): 72%
(Quelle: Unicef; The World Bank)


Politik – Verwaltung

Nigeria hat ein präsidiales Regierungssystem mit einem Senat und einem Abgeordnetenhaus. Die Verfassung wurde 1998 nach dem Vorbild der USA entworfen und trat 1999 in Kraft; sie gewährleistet ein Mehrparteiensystem und alle vier Jahre stattfindende Wahlen. Das Land ist aufgegliedert in 36 Bundesstaaten mit einem Capital Territory (Abuja) und 774 Local Government Areas. Das Rechtssystem beruht auf übernommenem Britischen Rechtssystem sowie dem Sharia-Recht (in 12 Staaten im Norden, Körperstrafen werden derzeit nicht vollstreckt) und Traditionsrecht. Das Militär besteht aus einer Berufsarmee mit ca. 80.000 Mann (Army 80,4%; Marine 7,3%; Luftwaffe 12,3%). Ein staatlich organisiertes Gesundheitssystem gibt es in Nigeria nicht. Kranke, Arme und Alte sind auf Familienhilfe angewiesen; nur Regierungsbedienstete kommen in den Genuss öffentlicher Fürsorge.
(Quelle: Wikipedia)


Infrastruktur

Verkehr:
Länge des Straßenetzes: 194,394 km
davon asphaltiert: 60,068 km
nicht asphaltiert: 134,326 km
Schienenverkehr: 3.505 km
Internationale Flughäfen: Lagos, Abuja, Kano, Port Harcourt

Kommunikation:
Telefonnetz: 1,308,000 Festnetz-Telefone in Nutzung
Mobilfunk: 62,988,000 Mobil-Telefone in Nutzung
(Quelle: The World Fact Book, 2008)


Wirtschaft

Die nigerianische Wirtschaft ist stark durch politische Instabilität sowie durch Korruption und Misswirtschaft beeinträchtigt. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen pro Jahr in 2009 betrug 1.118 US $, die Inflationsrate liegt nach offiziellen Angaben bei ca. 14% (2010). Haupteinnahmequellen sind die Ölförderung, Landwirtschaft, Industrie, Energie, Kommunikation, Bauindustrie und Dienstleistung. Das jährliche Wirtschaftswachstum lag bis 2003 durchschnittlich bei 3%, seit 2004 soll es auf über 6% gestiegen sein. Beobachter sprechen von Wachstum ohne Entwicklung. Die wichtigsten Exportgüter Nigerias neben Öl sind Kakao und Kautschuk. Die wichtigsten Exportpartner sind USA (48%), Indien (8%), Spanien (7.4%), Brasilien (5.5%) und Japan (4.1%). Zu den Importgütern gehören Maschinen, Chemie-Produkte, Transportmittel und Lebensmittel. Die wichtigsten Importpartner sind USA (9.1%), China (8.8%), Großbritannien (8.7%), Niederlande (6.3%), Frankreich (6.1%), Deutschland (5.7%) und Italien (4.7%).
(Quelle: UNDP)


Außenpolitik

Trotz der vielen innenpolitischen Probleme gilt Nigeria als mächtigster Staat Westafrikas und ist Mitglied in zahlreichen internationalen Organisationen:

Commomwealth of Nations
Staatenbund des Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland und dessen ehemaligen Kolonien (insgesamt 53 Staaten)

OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) seit 1971
Die OPEC - Mitgliedstaaten fördern etwa 40% der weltweiten Erdölproduktion und verfügen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven. Ziel des Kartells ist eine gemeinsame Ölpolitik durch die Festlegung von Förderquoten, unter anderem um sich gegen einen Preisverfall abzusichern.

OIC (Organisation der Islamischen Konferenz) seit 1986
Zusammenschluss von derzeit 57 Staaten, in denen der Islam Staatsreligion, Religion der Bevölkerungsmehrheit oder Religion einer großen Minderheit ist.

ECOWAS (Economic Community of West African States)
Gründung 1975 in Lagos, Nigeria; Neuordnung 1993; heute befindet sich der Sitz des Generalsekretariats in Abuja. Ziel des Zusammenschlusses ist der Ausbau der wirtschaftlichen und politischen Integration westafrikanischer Länder, um eine kollektive Selbstversorgung zu ermöglichen.

AU (African Union)
Zwischenstaatliche Organisation aller 53 afrikanischen Staaten (außer Marokko), die sich für die Kooperation auf allen Gebieten einsetzen soll. Die Charta der AU orientiert sich teilweise am Vorbild der Europaeischen Union.

NEPAD (New Partnership for Africa’s Development)
Wirtschaftliches Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union, das 2001 auf Initiative Nigerias hin entwickelt wurde, um gemeinsame Werte zu entwickeln und deren Umsetzung innerhalb der Afrikanischen Union zu überwachen.