Trilateral Summer School on Regional Integration

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Die „Trilateral Summer School on Regional Integration“ wurde als Folgeveranstaltung zur „Trilateral Summer School on Security, Stability and Trade“, die im Juni 2011 in Islamabad, Pakistan stattgefunden hatte, durchgeführt.

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Gruppenfoto

Rund 30 Nachwuchskräfte aus Afghanistan, Pakistan sowie Deutschland nahmen an der "Trilateral Summer School on Regional Integration" auf Schloss Wendgräben teil.

Basierend auf den Erfahrungen aus der überaus erfolgreichen ersten Veranstaltung und um auf den Fortschritten aufzubauen, die im vergangenen Jahr erzielt werden konnten, organisierte die KAS den Workshop „Trilateral Summer School on Regional Integration“. Das Projekt wurde vom 3. bis zum 10. Juni 2012 in Berlin und auf Schloss Wendgräben durchgeführt.

Teilnehmer der "Trilateral Summer School" waren Nachwuchskräfte aus Afghanistan, Pakistan sowie Deutschland. Die Teilnehmer stammten dabei aus verschiedenen Sektoren wie Politik, Bürokratie, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft. Insgesamt wurden fünf Vorträge von vier renommierten Experten – drei von ihnen ehemalige Botschafter – gehalten. Zudem moderierten drei Dekane aus Afghanistan, Pakistan und Deutschland die zweite Trilaterale Summer School und ließen die Teilnehmer in diversen interaktiven Sitzungen und Diskussionsrunden an ihrer Fachkenntnis und ihren Erfahrungen teilhaben.

Die Summer School bestand aus zwei Teilen: Auf Schloss Wendgräben erhielten die Teilnehmer zunächst eine Einführung in den Themenkomplex regionale Integration und erarbeiteten anschließend Strategiepapiere mit Politikempfehlungen für die afghanische, die pakistanische sowie die deutsche Regierung. Im zweiten Teil der Summer School erfolgten politische Gespräche in Berlin.

Sonntag, 3. Juni 2012

Die Workshop-Teilnehmer aus Pakistan trafen um 18:30 Uhr am Flughafen Berlin Tegel ein. Anschließend erfolgte ihr Transfer nach Wendgräben mit dem Bus. Die Teilnehmer aus Afghanistan kamen mit einiger Verspätung um 23:00 Uhr auf Schloss Wendgräben an.

Montag, 4. Juni 2012

Die Trilateral Summer School begann um 9:00 Uhr im Konrad-Adenauer-Saal des Schlosses. Dr. Babak Khalatbari, Leiter des Auslandsbüros Pakistan der KAS, begrüßte die Teilnehmer. Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass viele Teilnehmer der ersten TSS sich entschlossen haben, auch an der zweiten TSS zum Thema „Regionale Integration“ teilzunehmen. Er betonte, dass es Menschen seien, die Prozesse initiierten, daher müsste der Aufbau von Netzwerken im Mittelpunkt eines jeden Prozesses stehen. Anschließend übergab er das Wort an Tinko Weibezahl, Leiter des Auslandsbüros Afghanistan der KAS. Dieser stellte zunächst sich selbst vor und anschließend die drei Dekane: Senator a. D. Hamed Gailani, der seit vielen Jahren in der afghanischen Politik aktiv ist und „eine entscheidende Rolle im gegenwärtigen Prozess spielt“, Dr. Ross Masood Husain, Gründer des Institute for Strategic Studies in Islamabad, ein bekannter Think Tank, und Mario Sander von Torklus, Berater für Globale Fragen, Vereinte Nationen und Entwicklungspolitik im Kanzleramt. Dann erfolgte eine kurze Vorstellungsrunde der Teilnehmer.

Anschließend gaben die drei Dekane einen kurzen Kommentar zu dem diesjährigen Thema: Dr. Husain gab einen kurzen Überblick über die Geschichte der Europäischen Union (EU), seiner Meinung nach das beste Beispiel für regionale Integration, dessen man sich bewusst sein sollte, wenn man über regionale Integration in Südasien spricht. Anschließend setzte er sich mit der Südasiatischen Vereinigung für regionale Zusammenarbeit (SAARC) auseinander, die nicht annähernd so entwickelt sei wie die EU. Besonders die SAARC Charta scheine, bedingt durch verschiedene Kompromisse, erhebliche Mängel aufzuweisen. Doch ohne diese Kompromisse gäbe es vermutlich gar keine regionale Institution, daher solle man dankbar sein und vom derzeitigen Status aus weiter voranschreiten. Senator Gailani betonte die Notwendigkeit, die Völker Afghanistans und Pakistans zusammenzubringen, um eine regionale Integration überhaupt möglich zu machen. Er dankte Deutschland und insbesondere der KAS für ihre Bemühungen auf diesem Gebiet. Zudem brachte er die Hoffnung seines Landes auf Frieden und politische Ruhe zum Ausdruck. Mario Sander von Torklus betonte, dass es wichtig sei, eine Politik zu implementieren, die den Gesellschaften ermögliche, wettbewerbsfähig zu sein, wenn man eine regionale Kooperation eingeht – nur dann würden beide Gesellschaften von der Kooperation profitieren. Für eine ernsthafte politische und ökonomische Integration sei es zudem notwendig, den Fokus nicht auf Afghanistan und Pakistan zu limitieren. Drittens verdeutlichte er, dass das Engagement des Westens – wie viel Geld und Bemühungen auch immer aufgewendet würden – nicht nationale Politik und Eigenverantwortlichkeit durch das afghanische und das pakistanische Volk ersetzen kann.

Nach diesen Anmerkungen erhielt der erste Redner, Botschafter a. D. Dr. Gunter Mulack, der bereits an der ersten TSS als Referent mitgewirkt hatte, das Wort. In seinem Vortrag mit dem Titel „Pakistans Probleme und Perspektiven – Die deutsche Sichtweise“ handelte er eine große Bandbreite an Themen ab. Zunächst beschäftigte er sich mit dem Gedanken, ob Teile des pakistanischen Militärs oder des Geheimdienstes ISI über den Verbleib von Osama Bin Laden informiert waren. Anschließend beschrieb er die strategische Position des Landes innerhalb Südasiens und hob die Bedeutung der Stabilisierung Pakistans für die gesamte Region hervor. Er wies auf das enorme Bevölkerungswachstum Pakistans hin und betonte, dass Bildung für das Land eine entscheidende Rolle einnehme. Dr. Mulack brachte sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass finanzielle Mittel für die Weiterentwicklung von Nuklearwaffen ausgegeben würden anstatt für Schulen. Zurzeit sei der Zugang zu guter Bildung ausschließlich den Eliten vorbehalten. Zudem hob die Wichtigkeit der Beilegung des Konfliktes zwischen Pakistan und Indien hervor, der seiner Ansicht nach der Schlüssel sei für die Lösung verschiedener Probleme. Dies würde den zivilen Behörden erlauben, die Kontrolle zu übernehmen. Zudem würde dies einen erheblichen Zuwachs im Handel erlauben, davon würden beide Länder profitieren. Anschließend wandte er sich den sozio-politischen Strukturen zu, die seiner Meinung nach in vielerlei Hinsicht Mängel aufweisen würden: Die Elite sei zu stark, während eine Mittelklasse kaum vorhanden sei. Zudem gewinne der Wahabismus im Südpunjab und im Norden Sindhs erheblich an Einfluss, der Anti-Amerikanismus nehme konstant zu. Dr. Mulack drückte insbesondere seine Unzufriedenheit mit der politischen Elite Pakistans aus. Er wünsche sich neue Gesichter in der Politik und würde mit Freude feststellen, dass einige der Teilnehmer Politiker mit „neuen Gesichtern“ seien.

Nach der Diskussion wurde das Mittagessen gereicht. Anschließend hielt Botschafter a. D. Dr. Rainald Steck, der von 2004 bis 2006 Botschafter in Afghanistan war, seinen Vortrag mit dem Titel „Afghanistans Probleme und Perspektiven – Die deutsche Sichtweise“. Er gab einen kurzen Überblick über das internationale Engagement und die Situation nach 2001. Er teilte die Zeitspanne des NATO-Engagements in zwei Phasen ein: Die erste Phase von 2001 bis 2006 könne als Zeit der Verbesserung beurteilt werden, insbesondere, wenn man die geringe Anzahl von Anschlägen auf die internationalen Streitkräfte in Betracht ziehe. Ab 2006 habe sich die Situation verschlechtert, die Anzahl der Angriffe habe zugenommen. Erst seit kurzer Zeit sei wieder eine leichte Verbesserung zu beobachten. Dr. Steck brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass dies der Beginn einer neuen Phase der Verbesserung sein könne. Anschließend fasste er die Errungenschaften der vergangenen Jahre zusammen. Unter anderem erwähnte er, dass das Bruttoinlandsprodukt auf ca. 900 US-Dollar pro Kopf gestiegen sei, zudem würden sechs Millionen Kinder eine Schule besuchen, davon seien ein Drittel Mädchen. Zudem sei es gelungen, al-Qaida daran zu hindern, weitere Anschläge auszuführen. Dr. Steck erörterte dann eine Reihe von Problemen, die noch nicht gelöst werden konnten. Er erklärte den deutschen Ansatz, bei der Polizeiausbildung auf Qualität anstatt auf Quantität zu setzen, und vertrat die Ansicht, dass anstatt der lokalen die nationalen Polizeikräfte ausgebildet werden sollten, da die lokalen Polizeikräfte empfänglich dafür wären, Befehle der örtlichen Warlords auszuführen. Dr. Steck erwähnte zudem das Problem der Korruption, das alle Regierungsaktivitäten beeinträchtigen würde. Auch auf dem Gebiet der Menschenrechte müsse noch viel getan werden, insbesondere bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter. Während der Diskussion im Anschluss an den Vortrag wurde der Ansatz Dr. Stecks, die nationalen anstatt die lokalen Polizeikräfte stärker auszubilden, von den Teilnehmern unterstützt. Auf die Frage eines deutschen Teilnehmers, in welchen Bereichen ein verstärktes deutsches Engagement sinnvoll wäre, antwortete Dr. Steck, dass im Bildungsbereich mehr getan werden müsste.

Im Anschluss an den Vortrag erfolgte eine kurze Teepause, gefolgt von einer Diskussion, die von den Dekanen moderiert wurde. Die Teilnehmer starteten eine lebhafte Debatte über die zwei Vorträge, und diverse Themen wurden diskutiert, bevor das Abendessen serviert wurde.

Donnerstag, 5. Juni 2012

Die erste Sitzung am Donnerstagmorgen begann leicht verspätet um 9:15 Uhr. Die Dekane gaben zunächst eine kurze Einführung in das Konzept der regionalen Integration, diese sowie die nachfolgende Diskussion wurden von Dr. Khalatbari moderiert. Mehrere Faustregeln wurden vorgestellt, die bei dem Eintritt in ein Regionales Integrationsabkommen (RIA) beachtet werden sollten. Dr. Husain erklärte die Bedeutung der „sanften Integration“: Es sei wichtig, sich auf die Schaffung eines entsprechenden förderlichen Umfelds zu konzentrieren, um sicherzustellen, dass wirtschaftlicher Austausch überhaupt stattfinden kann. Er identifizierte sechs Phasen der ökonomischen Integration und zeigte dabei Parallelen zur EU auf.

Mario Sander von Torklus fügte hinzu, dass es auch eine „Phase 0“ geben müsse, in der die Regierungen der Staaten entscheiden müssten, dass sie regionale Integration wirklich wollen. Leider fehle es den Eliten am politischen Willen. Die Diskussion wandte sich anschließend der SAARC zu. Dr. Khalatbari erklärte, dass die SAARC– im Unterschied zur Europäischen Union – keine Kommission besitze, die als das „Gehirn“ der Organisation fungiert. Die SAARC hat noch nicht einmal eigenes Personal, der Name SAARC ist nicht urheberrechtlich geschützt – das alles zeige, in welch schlechter Verfassung sich die SAARC befinde. Dr. Husain verteidigte die Organisation, er stimmte zu, dass sie verbesserungswürdig sei, meinte aber, dass dies ein Beginn sei und man dankbar sein müsse, immerhin etwas erreicht zu haben.

Anschließend wurde der dritte Redner, Botschafter a. D. Dr. Karl Fischer, vorgestellt. Sein Referat befasste sich mit dem Thema „Integration in Asien – Herausforderungen für ASEAN und SAARC“. Er erklärte, dass der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) erfolgreicher sei als SAARC. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Organisation offener und ökonomisch lebendiger sei, dies mache sie interessanter für die Welt. Der wirtschaftliche Erfolg führe dazu, dass die Mitglieder sich zu einer Einheit zusammenfinden, während die SAARC mit vielen internen Problemen zu kämpfen hat. Das Verhältnis der Mitgliedstaaten sei von Misstrauen geprägt, dies gelte insbesondere für die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan. Es sei daher schwierig, Ergebnisse zu erzielen. Dr. Fischer erklärte, dass insbesondere die Charta der SAARC es erschwere, dringende Angelegenheiten zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen, da Einstimmigkeit erforderlich sei, um Maßnahmen zu ergreifen. Kontroverse politische Themen wie der Kaschmir-Konflikt würden daher nicht diskutiert. Ein weiteres Problem sei die Asymmetrie in der SAARC mit Indien als unangefochtene Macht. Die kleineren Mitgliedstaaten fühlten sich unterdrückt. Vertrauensbildende Maßnahmen seinen daher dringend notwendig. Zudem müssten die meisten Mitgliedstaaten ihre Volkswirtschaften wettbewerbsfähiger machen. Freier Handel wirke sich letztlich positiv auf alle Volkswirtschaften aus, das hat die jüngste Vergangenheit oft gezeigt. Dem Vortrag folgte eine Fragerunde, in der Unklarheiten angesprochen und diskutiert wurden. Anschließend wurde das Mittagessen serviert.

Am Nachmittag hörten die Teilnehmer einen Vortrag mit dem Titel „Regionale Integration in Europa – Perspektiven und Herausforderungen“. Das Referat wurde von Dr. Celine Caro, Koordinatorin für Europapolitik bei der KAS, gehalten. Sie gab einen Überblick über die Historie und die Anfänge der europäischen Integration und schilderte die Situation nach dem 2. Weltkrieg und der Ost-West-Spaltung Europas. Sie führte aus, dass die Idee gewesen sei, Wirtschaftsräume zu verbinden, um Vertrauen zwischen den europäischen Nationen zu schaffen. Sie stellte kurz die wichtigsten europäischen Verträge vor und definierte die Grundprinzipien der europäischen Integration. Sie betonte, dass regionale Integration einen starken politischen Willen von allen beteiligten Akteuren erfordere. Zudem benötige man viel Zeit und Geduld. Nachdem Dr. Caro die Struktur der EU erklärt hatte, widmete sie sich ihren Perspektiven und Herausforderungen. Vordringlich sei dies die aktuelle Währungskrise im Euro-Raum. Zweitens müsse die EU herausfinden, wie sie mit ihren Nachbarn in Nordafrika, der Türkei und Russland umgehen wolle. Drittens müsse die EU über ihren Erweiterungsprozess nachdenken, insbesondere hinsichtlich der Türkei. Schließlich müsse die EU sich Gedanken darüber machen, wie die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Zukunft weiter ausgebaut werden kann. Anschließend sprach Dr. Caro über mögliche Perspektiven für die Zukunft. Sie erörterte, ob eine politische Union benötigt wird, zur besseren Koordination auf EU-Ebene, um Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten und um die EU demokratisch zur Rechenschaft zu ziehen. Mit diesen Gedanken beendete sie ihren Vortrag. Die anschließende Diskussion fokussierte vor allem auf die Frage eines EU-Beitritts der Türkei. Nach der Fragerunde wurde das Abendessen serviert.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Am Mittwochmorgen hieß Dr. Husain die Teilnehmer der Trilateral Summer School willkommen, Er gab einen kurzen Überblick über die vergangenen zwei Tage und würdigte noch einmal die Leistungen der Referenten.

Anschließend hielt Dr. Karl Fischer seinen zweiten Vortrag, diesmal zum Thema „Afghanistan und Pakistan – Freunde oder Nachbarn?“. Die Präsentation von Dr. Fischer gab einen Überblick über die regionalen Entwicklungen. Er fokussierte zunächst die Handelsabkommen. Er erklärte, dass sich der Handel zwischen Afghanistan und Pakistan in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht habe. Dies sei immer noch ein kleiner Anteil von dem, was eigentlich möglich wäre. Zudem habe sich der afghanische Transitverkehr durch Pakistan verdreifacht. Zudem gebe es einen gewissen Anteil inoffiziellen grenzüberschreitenden Handel, da die Grenze aufgrund der bergigen Terrains nur schwierig zu überwachen sei. Dr. Fischer stellte das Afghanistan-Pakistan Transit Trade Agreement (APTTA) vor, das 2011 unterzeichnet worden war. Das Abkommen ermöglicht neue Handelsrouten für Pakistan in die zentralasiatischen Staaten und erlaubt afghanischen Händlern Zugang zu den pakistanischen Häfen Gwadar und Karachi sowie den Handel mit Indien über den Grenzübergang in Wagah. Dr. Fischer bedauerte, dass es kein nationales Infrastrukturkonzept in Pakistan gebe. Anschließend thematisierte er das kürzlich unterzeichnete Islamabad Abkommen, in dem die afghanische und die pakistanische Regierung zufrieden bestätigten, dass die bilaterale Kooperation in die richtige Richtung gehe. Dr. Fischer stimmte dem zu, kritisierte aber, dass bisher leider nicht viele konkrete Schritte unternommen worden seien. Er merkte an, dass es zur Gewohnheit geworden sei, viele Worte zu machen und viele Verträge anzukündigen, ohne dass anschließend Folgemaßnahmen ergriffen werden. Anschließend äußerte sich Dr. Fischer kurz zu verschiedenen Themen. Er sprach über die regionalen Spannungen, die auftreten, wenn zur Stromproduktion aus Wasserkraft Dämme gebaut werden sollen, da viele Flüsse grenzübergreifend verlaufen würden. Er betonte, dass dies sehr schade sei, da in diesem Bereich große Kapazitäten vorhanden wären und dass Energie dringend benötigt würde, um die Industrien am Laufen zu halten und um die Herausbildung einer Mittelklasse zu erreichen. Zudem sprach er das Problem an, dass Pakistan und Afghanistan nicht ausreichend miteinander kommunizieren würden, zudem gebe es zahlreiche Missverständnisse.

Nach dem Ende des Vortrags eröffnete Dr. Khalatbari die erste Gruppenarbeits-Sitzung. Er äußerte sich zufrieden darüber, dass die Teilnehmer der drei Länder in der Lage wären „sich zu treffen, zuzuhören, miteinander zu sprechen und anschließend Kompromisse zu erzielen“. Dies sei der erste Schritt und nicht einfach zu erreichen. Er betonte, dass sich dieses generelle Verständnis inhaltlich materialisieren müsse. Der Weg, dies zu tun, sei die Diskussion und Formulierung von Politikempfehlungen für die Regierungen von Afghanistan, Pakistan und Deutschland bezüglich der Verbesserung von regionaler Integration. Diese Empfehlungen sollten in Form von Strategiepapieren verfasst werden. Es folgte eine mündliche Einführung in das Verfassen von Strategiepapieren, zudem erhielt jeder Teilnehmer ein Handout mit einer Kurzanleitung. Anschließend wurden die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt, in jeder Gruppe waren alle drei Nationen vertreten.

Bevor die Gruppen ihre Arbeit aufnahmen, wurden die nationalen Interessen der drei Länder in Bezug aufeinander formuliert. Die wichtigsten Interessen Deutschlands bezüglich Afghanistan waren demnach die politische und wirtschaftliche Stabilisierung des Landes, um internationalen Terrorismus einzudämmen, die Sicherstellung der Glaubwürdigkeit der deutschen Außenpolitik, die Unterstützung der Anti-Drogen-Politik, die Deradikalisierung der Gesellschaft und die Vermeidung einer großen Anzahl von Flüchtlingen, die in Deutschland um Asyl ersuchen könnten. Als Hauptinteresse Pakistans wurde die Nichtverbreitung von Waffen definiert. Weitere Interessen sind die wirtschaftliche Entwicklung, um als wettbewerbsfähiger und interessanter Partner regionalen Kooperationsabkommen beitreten zu können, die Entwicklung von militärischen Kapazitäten zur Abschreckung Indiens sowie die Deradikalisierung der Gesellschaft. Das afghanische Interesse bezüglich regionaler Integration wurde ähnlich definiert.

Nach dem Mittagessen begann die eigentliche Gruppenarbeit. Die drei Gruppen, die jeweils auf eines der drei Länder fokussierten, analysierten zunächst die gegenwärtige Situation, bevor sie dazu übergingen, verschiedene Alternativen zur aktuellen Politik der jeweiligen Länder zu diskutieren. Hierbei profitierten die Teilnehmer von dem Wissen, das sie sich zuvor durch die Vorträge angeeignet hatten. Im Anschluss daran formulierten sie konkrete Empfehlungen für die drei Regierungen und skizzierten darüber hinaus einen Plan zur Implementierung. Die Gruppenarbeit dauerte den Nachmittag über an und zog sich bis in die frühen Abendstunden hin. Noch während des Abendessens tauschten sich die Mitglieder der drei Arbeitsgruppen untereinander aus, diskutierten und verbesserten ihre bisherigen Arbeitsergebnisse.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Am Donnerstagmorgen räumten die Teilnehmer zunächst ihre Zimmer, bevor sie in ihren Arbeitsgruppen die Strategiepapiere finalisierten und sich auf die Präsentation der Ergebnisse vorbereiteten. Nach dem Mittagessen trafen alle Teilnehmer im Konrad-Adenauer-Saal zusammen. Da der erste Teil der Trilateral Summer School seinem Ende zuging, machten die Dekane jeweils noch einige abschließende Bemerkungen.

Dr. Husain sagte mit Stolz, dass sich über die vergangenen Tage ein Zusammenhalt entwickelt habe. Deswegen prognostiziere er – trotz aller Schwierigkeiten – eine vielversprechende Zukunft. Es seien die jungen Menschen, die nicht unter den sowjetischen Besatzern gelitten haben und nicht in einem Flüchtlingscamp haben leben müssen, die in ein neues Zeitalter aufbrechen könnten. Er forderte alle Teilnehmer dazu auf, sich niemals gegenseitig die Schuld zuzuweisen und damit alles, was bisher erreicht wurde, zu zerstören. Senator Gailani erinnerte an eines der ersten Treffen von Afghanen und Pakistanern im Jahr 2005. Damals hätten alle in einer Kampfposition verharrt, ein konstruktiver Dialog sei kaum möglich gewesen. Seither sei viel erreicht worden. Er bedankte sich bei Dr. Khalatbari, der immer daran geglaubt habe, dass eines Tages die beiden Völker mit einer Stimme sprechen würden. Senator Gailani sprach zudem der KAS seinen Dank aus, die einen großen Anteil am Erfolg hätte. Abschließend merkte Tinko Weibezahl an, dass er überwältigt sei vom Ausmaß der Freundschaft und Kooperation, das er gesehen habe. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass er als Leiter des KAS-Büros Afghanistan in den kommenden Jahren diesem Prozess dienen könne.

Im Anschluss daran präsentierten die Arbeitsgruppen ihre jeweiligen Politikempfehlungen. Abschließend fasste Dr. Husain noch einmal kurz die Ergebnisse zusammen und wies darauf hin, dass es insgesamt viele Übereinstimmungen gebe. Es hätten viele Diskussionen stattgefunden, schließlich habe man sich in vielen Punkten einigen können.

Im Anschluss an die Sitzung wurden den Teilnehmern der Trilateral Summer School am Springbrunnen vor dem Schloss mit viel Applaus die Teilnahmezertifikate überreicht. Danach erfolgte der Transfer der Teilnehmer von Wendgräben nach Berlin. Aufgrund eines Verkehrsstaus wurde die Unterkunft in Berlin erst um 18:45 Uhr erreicht.

Am Abend fand in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen ein Abendessen mit geladenen Gästen (Botschafter, zahlreiche Medienvertreter, etc) statt. Anwesend waren unter anderem die Referenten sowie der Stellvertretende Hauptabteilungsleiter der KAS, Herr Frank Priess. Der Empfang bot die Gelegenheit, noch einmal die Vorträge sowie die Strategiepapiere zu diskutieren. Die Veranstaltung endete gegen 22:30 Uhr, anschließend kehrten die Teilnehmer ins Hotel zurück.

Freitag, 8. Juni 2012

Am Freitagmorgen versammelten sich die Teilnehmer um 8:50 Uhr vor dem Hotel. Es erfolgte der Transfer zum Auswärtigen Amt, wo die Teilnehmer mit dem Sonderbeauftragten der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Dr. Michael Koch, zusammentrafen. Dieser hatte 2011 für die erste Trilateral Summer School in Pakistan die Schirmherrschaft übernommen. Botschafter Koch bedankte sich zunächst bei Dr. Khalatbari für sein leidenschaftliches Engagement in Pakistan und Afghanistan. Dr. Khalatbari bedankte sich daraufhin bei Botschafter Koch dafür, dass er die Gruppe zum Gespräch empfängt. Dann stellte er kurz Dr. Husain vor, der einen kurzen Überblick über die vergangenen Tage gab. Anschließend präsentierte der Teilnehmer Matthias Koch das Strategiepapier für die deutsche Regierung.

Im Anschluss an das Gespräch fand ein Treffen im Bundespräsidialamt statt, wo die Gruppe mit dem Berater für Zentralasien und Entwicklungspolitik, Georg Schmidt, zusammentraf. Tinko Weibezahl informierte ihn zunächst über die Idee der Summer School. Anschließend gab Dr. Husain einen Überblick über die vergangenen Tage, gefolgt von der Präsentation der Politikempfehlungen. Herr Schmidt zeigte großes Interesse an den Ansichten der Teilnehmer der Summer School und stellte mehrere Fragen.

Nach dem Gespräch im Bundespräsidialamt fand ein Mittagessen in einem Restaurant am Potsdamer Platz statt. Anschließend erfolgte ein Gespräch im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Dr. Stefan Oswald, Leiter des Referats Afghanistan/Pakistan, hieß die Teilnehmer willkommen. Er dankte zunächst Dr. Khalatbari und Tinko Weibezahl für ihr Engagement. Anschließend fasste Dr. Husain die vergangenen Tage zusammen, bevor Dr. Zafar Nawaz Jaspal die Politikempfehlungen präsentierte.

Nach dem Gespräch erfolgte eine Führung durch den Bundestag. Die Teilnehmer freuten sich über die Gelegenheit, das Herz der deutschen Demokratie zu besichtigen und verfolgten die Führung mit großem Interesse.

Am Abend fand ein Empfang in der pakistanischen Botschaft statt. Der neue pakistanische Botschafter in Deutschland, Exzellenz Abdul Basit, bedankte sich bei der KAS und den beiden Büroleitern. Er wies darauf hin, dass Deutschland der größte Handelspartner Pakistans in Europa sei und der fünftgrößte Investor in Pakistan, dies mache Deutschland zu einem bedeutenden Akteur.

Samstag, 9. Juni 2012

Samstagmorgen um 9:00 Uhr machten die Teilnehmer sich auf den Weg zum Weidendamm, von dort aus brachen sie zu einer dreistündigen Bootstour auf. Die Zeit auf dem Boot wurde von vielen Teilnehmern noch einmal dazu genutzt, um sich über die Ergebnisse der Summer School auszutauschen. Der Nachmittag sowie der Abend standen den Teilnehmern zur freien Verfügung.

Sonntag, 10. Juni 2012

Die afghanischen und pakistanischen Teilnehmer der Trilateral Summer School traten vom Flughafen Berlin Tegel aus ihre Heimreise an.

Autoren

Dr. Babak Khalatbari, Janna Kazim

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Pakistan, 10. Juli 2012

tss 2012

Kontakt

Dr. Babak Khalatbari