Terroranschläge in Paris

Reaktionen aus Pakistan

Die erneute Veröffentlichung islamkritischer Karikaturen im französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“ am 14. Januar ist in Pakistan auf breite Ablehnung gestoßen und hat bei Politik und Gesellschaft zu teils heftigen Reaktionen geführt.

So wurde in einer Sitzung der pakistanischen Nationalversammlung am Donnerstag, 15. Januar, auf Antrag der Regierung einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der die erneute Veröffentlichung von als Beleidigung des Islam empfundenen Karikaturen im französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“ scharf verurteilt wird. Im Wortlaut der Resolution heißt es, dass die Nationalversammlung die erneuten gotteslästernden Veröffentlichungen scharf verurteile und zudem sehr genau und mit Sorge wahrnehme, dass diese auch in Medien anderer westlicher Länder reproduziert würden. Pakistan betrachte die Meinungsfreiheit nicht als das Recht, religiöse Gefühle verletzen zu können. Ein solcher „Missbrauch der Meinungsfreiheit“ fördere gegenseitige Fehlperzeptionen, schüre Gewalt und Misstrauen und sei letztlich auch ein Nährboden für Terrorismus. In der Resolution wird die internationale Gemeinschaft, insbesondere die USA, die Europäische Union und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit aufgefordert, entschiedene Schritte zu unternehmen, um die Veröffentlichung religionsverletzender Schriften unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit künftig zu unterbinden. Auch der Auswärtige Ausschuss des pakistanischen Senats hat eistimmig eine Resolution verabschiedet, die die Veröffentlichung der Karikaturen im Magazin „Charlie Hebdo“ und deren Reproduktion in anderen westlichen Medien scharf verurteilt.

Das pakistanische Außenministerium hatte bereits am 8. Januar in einer offiziellen Stellungnahme den Terroranschlag in Paris zwar entschieden verurteilt und dem französischen Volk sein tief empfundenes Beileid ausgesprochen. Es wurde allerdings auch deutlich, dass Pakistan jegliche Verunglimpfungen des Islam, auch in Form von Karikaturen, als inakzeptabel betrachtet.

Das rasche Handeln der Regierung durch das Einbringen einer Resolution in das Parlament und die klare Verurteilung der Karikaturen ist nicht nur der ehrlichen Empörung geschuldet. Es diente dazu, Handlungsfähigkeit zu beweisen und damit den streng konservativen religiösen Bewegungen im Land keinen Vorwand für Kritik an der Regierung zu geben. Nachdem der Protest über die veröffentlichten Karikaturen am Donnerstag zunächst nur in den Medien und im Parlament ausgetragen wurde, fanden am Wochenende landesweit Protestkundgebungen statt. Dabei kam es in der Hafenstadt Karachi während einer Demonstration vor dem französischen Generalkonsulat zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten, in dessen Folge mehrere Menschen verletzt worden, darunter auch ein Fotograf der französischen Presseagentur AFP.

Auch die christliche Gemeinde in Pakistan distanzierte sich deutlich von den Karikaturen. So erklärte der Bischof der Anglikanischen Diözese von Peshawar, Humphrey Sarfaraz Peters, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht zur Verunglimpfung anderer genutzt werden dürfe. In einem Statement vor der pakistanischen Presse hob zudem ein christlicher Abgeordneter der Nationalversammlung hervor, dass die christliche Gemeinschaft in Pakistan die Veröffentlichung der Karikaturen im Magazin „Charlie Hebdo“ streng verurteile. Er bezeichnete die Karikaturen als einen „Schlag gegen den Weltfrieden“.

Autor

Ronny Dirk Heine

Serie

Länderberichte

erschienen

Pakistan, 22. Januar 2015