„Die deutsche Debatte um den Nahostkonflikt muss die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort stärker berücksichtigen“

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Unter der Bertreuung des Länderbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Ramallah besuchte am 16. August eine Gruppe 15 junger CDU-Politiker aus Thüringen die Palästinensischen Gebiete, um sich vor Ort ein Bild von der aktuellen Lage zu verschaffen.

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Briefing durch Herrn Jörg Knocha, Projektmanager der KAS Ramallah, am Checkpoint Qalandiya

Briefing durch Herrn Jörg Knocha, Projektmanager der KAS Ramallah, am Checkpoint Qalandiya

Eine Gruppe junger Politiker aus Thüringen nutzte die Gelegenheit eines mehrtägigen Aufenthaltes in der Region, um auch die Palästinensischen Gebiete zu besuchen. Das Länderbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah gestaltete ein anspruchsvolles Tagesprogramm, welches der Delegation einen Einblick in die Dynamiken innerhalb der Palästinensischen Gebiete gewährte. Eingeleitet wurde der Tag mit der Überquerung des Checkpoints Qalandiya auf der Route Jerusalem-Ramallah. Die Delegation wurde am Checkpoint durch Herrn Jörg Knocha, Projektmanager der KAS Ramallah, in Empfang genommen, der einige einleitende Worte an die Gruppe richtete und die israelische Sperranlage in den besetzten Gebieten erläuterte.

Nach diesem ersten Eindruck über die Begebenheiten vor Ort begab sich die Delegation in das Büro der Deutschen Vertretung in Ramallah. Dort gab ihnen der Stellvertretende Leiter des Vertretungsbüros, Herr Christian Jetzlsperger, ein informatives Briefing, welches die Sicht der Palästinenser auf den Konflikt mit Israel sowie die angespannte wirtschaftliche Lage und den zum erliegen gekommenen Annäherungsprozess zwischen Fatah und Hamas thematisierte. Die angeregte Fragerunde musste lediglich durch den engen Terminkalender von Herrn Jetzlsperger beendet werden.

Der politischen Einschätzung eines Diplomaten folgte mit dem Besuch des „Palestinian Center for Policy and Survey Research“ (PSR) die Untermauerung mit empirischen Daten. Herr Dr. Khalil Shikaki präsentierte in seiner Funktion als Leiter des Zentrums die jüngst erhobenen Umfrageergebnisse zum Stimmungsbild innerhalb der palästinensischen Bevölkerung. Er ging dabei auf die Möglichkeit der Staatenwerdung des Gazastreifens sowie auf die palästinensische Sicht auf die Zwei-Staaten Lösung und die Einschätzung zur Stabilität der Palästinensischen Autonomiebehörde ein.

Nach einer Kaffeepause im Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung fand im Konferenzraum der KAS Ramallah ein Fachgespräch mit ausgesuchten palästinensischen Experten zum Thema „Palästinensische Medien und Politik“ statt. Herr Riyad Ideis vom Media Development Center der Universität Birzeit, Herr Dr. Walid Shorafa vom Department of Media der Universität Birzeit und Dr. Nadir Saed, Direktor der Nichtregierungsorganisation „Arab World for Research & Development“ (AWRAD), diskutierten für über zwei Stunden mit den jungen Politikern. Der vorgesehene Gesprächsrahmen wurde bald verlassen und der angeregte und offene Austausch thematisierte die Lage der Palästinenser unter der täglich erlebten Besatzung und das angestrebte Verhältnis mit Israel. Das Interesse auf beiden Seiten war groß und trotz sensibler Themen verlief die Diskussion stets in gegenseitigem Respekt. Herr Christian Carius, Thüringer Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, fasste die Eindrücke des Tages denn auch mit dem Verweis zusammen, dass der Nahostkonflikt wieder stärker in den Fokus genommen werden sollte und die im Ausland geführte Debatte neben theoretischen Überlegungen die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort stärker berücksichtigen sollte.

Abgerundet wurde der Tag mit einem Besuch der Geburtskirche und der Altstadt von Bethlehem. Herr Shukri Abu Allis informierte die Delegationsteilnehmer in einem Referat über die „Situation der Christen in der muslimischen Mehrheitsgesellschaft“. Nach einem gemeinsamen Abendessen in Bethlehem fuhr die Gruppe nach Jerusalem zurück.

Serie

Veranstaltungsbeiträge

erschienen

Palästinensische Gebiete, 17. August 2012