Wer war Konrad Adenauer?

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Dr. Konrad Adenauer (1876-1967) - Leben und Werk

Die Aussenpolitik in Europa war bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges geprägt vom gewaltsamen Durchsetzen nationaler Interessen. Konrad Adenauer, in das Zeitalter des Imperialismus des 19. Jahrhunderts geboren, war diesem Politikverständnis weit voraus. Adenauers politisches Interesse zeichnete sich früh durch sein Eintreten für ein Europa der Vaterländer aus. An diese Grundlinien europäischen Politikverständnis sollte Adenauer nach dem Zivilisationsbruch des Zweiten Weltkrieges wieder anknüpfen und maßgeblich dazu beitragen, die äussere Sicherheit, Souveränität und Gleichberechtigung der Bundesrepublik Deutschland wiederzuerlangen und darüber hinaus Deutschland zu einem bestimmenden Motor des europäischen Einigungsprozesses zu machen.

Der Name Konrad Adenauers verbindet sich untrennbar mit mit dem Wiederaufstieg Deutschlands aus dem moralischen und politischen Trümmerhaufen, den der Nationalsozialismus hinterlassen hatte. Adenauer erkannte, dass das neue Deutschland nur in Versöhnung mit den europäischen Nachbarstaaten entstehen konnte. Unbeirrt verfolgte der erste Kanzler der Bundesrepublik die Aussöhnung mit Frankreich, dem langjährigen "Erbfeind".

Die deutsch-französische Freundschaft war für Adenauer nicht nur ein Weg, die souveräne Ausübung wesentlicher innen- und aussenpolitischer Hoheitsrechte wenigstens für Westdeuschland zurückzuerlangen. Sie wurzelte vielmehr in der jahrzehntalten Auffassung des Rheinländers, dass nur so eine friedvolle Zukunft für alle Europäer gewährleistet sein könnte. Die wirtschaftliche Integration, die ihren Ausgang in der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) nahm, war für Adenauer immer Mittel für diesen höheren Zweck. Sicherheitspolitisch flankierte Adenauer seine Politik der eurpäischen Integration durch sein energisches und damals stark umstrittenes Eintreten für die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und den Eintritt in die NATO.

Politische Anfänge

Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren und wuchs mit drei Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften führten Herkunft und Erziehung den rheinischen Katholiken in die Zentrums-Partei, der politischen Heimat des deutschen Katholizismus. Seine politische Laufbahn begann er mit ersten Ämtern der Stadt Köln. Mit Geschick und Einfallsreichtum bewährte sich Adenauer in diesem Amt vor allem während der Krisenzeit des Ersten Weltkrieges als Organisator der Nahrungsmittelversorgung Kölns. Als Adenauer 1917 zum Oberbürgermeister ernannt wurde, war er damit das jüngste Stadtoberhaupt in Preußen.

In der Weimarer Republik gehörte Adenauer zu den stärksten politischen Persönlichkeiten Deutschlands. Er machte Köln zur "Metropole des Westen". Die Neugründung der Universität 1919, die Umgestaltung des früheren Festungsgeländes zum Grüngürtel, die Wiederbelebung der Kölner Messe, die Erweiterung des Rheinhafens, der Bau einer weiteren Rheinbrücke, die Ansiedlung von Industriebetrieben fielen in seine Amtszeit.

Adenauers föderalistische und christlich-sozialen Überzeugungen machten ihn bei den Gegnern der Weimarer Republik verhasst. 1931 kam es zu ersten größeren Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten, als diese in einer nächtlichen Aktion die Rheinbrücken mit Hakenkreuzfahnen beflaggten. Adenauer ließ die Flaggen umgehend entfernen und geriet damit ins Visier der SA. Nach der “Machtergreifung” enthoben die Nazis Adenauer, der beim Besuch eines nationalsozialistischen Führers in Köln diesem den Handschlag verweigerte, seiner politischen Ämter.

Wiederaufbau nach dem Krieg

Die Jahre der Nazi-Tyrannei und des Krieges überlebte Adenauer mit seiner Familie in der Kleinstadt Rhöndorf bei Bonn. Nach dem gescheiterten Aufstand gegen Hitler vom 20. Juni 1944 wurde Adenauer von der Gestapo verhaftet und in ein Kölner KZ gebracht. Dort wurde dem bald schwer Erkrankten durch den Kommunisten Eugen Zander, der Adenauers Deportation nach Buchenwald verhinderte, das Leben gerettet.

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands machten die Amerikaner den 69jährigen, der an der Spitze einer Liste von unbelasteten Politikern stand, wieder zum Oberbürgermeister des fast völlig zerstörten Kölns. Schon nach wenigen Monaten entließ ihn allerdings die inzwischen zuständige britische Militärregierung aus seinem Amt, nachdem er ihre Besatzungspolitik kritisiert hatte. Darauf konzentrierte sich der nun 70jährige ganz auf die Arbeit in der CDU, der er kurz nach ihrer Gründung beigetreten war.

Adenauers historische Leistung war nicht zuletzt, dass er das christliche Element, das im Nationalsozialismus weitgehend unbefleckt geblieben war, zu einer politischen Sammlungsbewegung gemacht hat, die konservative, soziale und liberale Weltanschauungen miteinander in Einklang brachte.

Kanzlerschaft

Der entscheidende Schritt auf Konrad Adenauers Weg zur Spitze des entstehenden westdeutschen Staatswesens war seine Wahl zum Präsidenten des Parlamentarischen Rates, der 1948 auf Anweisung der drei Westalliierten geschaffen wurde, um das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auszuarbeiten. In dieser Stellung gewann er in der Öffentlichkeit großes Ansehen. Am 15. September 1949 wurde Adenauer vom Deutschen Bundestag zum Bundeskanzler gewählt.

Die von ihm geführten Regierungen legten den Grund für den erfolgreichen Aufbau der neuen Demokratie. Epochale Weichenstellungen sind mit der "Ära Adenauer" verbunden: Die enge Anbindung an die Vereinigten Staaten, die Aussöhnung mit Frankreich und die Versöhnung mit dem jüdischen Volk führten die Deutschen in die Völkergemeinschaft zurück und machten sie zum wichtigen Teil der europäischen Einigung. Die Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge sowie der Ausbau der Sozialen Marktwirtschaft als neuartiger Wirtschaftsordnung, in der die Förderung des freien Wettbewerbs und die sozialstaatliche Verantwortung das "deutsche Wirtschaftswunder"ermöglichten, zählen zu Adenauer großen innenpolitischen Erfolgen.

Als Adenauer 1963 im Alter von 87 Jahren von seinem Amt zurücktrat, hatte er für das wirtschaftlich und moralisch am Boden liegende Nachkriegsdeutschland den Weg für eine bessere Zukunft geebnet. Als er vier Jahre später starb, wurde er als Staatsmann, dem die Deutschen in der Bundesrepublik Freiheit, Wohlstand und soziale Sicherheit verdankten, weltweit geehrt.