Rekordwahl unter Jugendlichen der Partido Nacional in Uruguay

Wahlbeobachter des Campus Konrad Adenauer lernen von Uruguayischer Demokratie

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Teilnehmer des Campus Konrad Adenauer aus sechs verschiedenen Ländern kamen auf Einladung des Regionalprogramms Parteienförderung und Demokratie der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. nach Montevideo, um die dritten Jugendwahlen in der Geschichte des Partido Nacionals mitzuerleben.

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Vom 31. August bis zum 2. September haben Nachwuchspolitiker aus sechs Ländern Lateinamerikas beim Campus Konrad Adenauer teilgenommen.

Die 10 Teilnehmer aus sechs lateinamerikanischen Ländern im Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Montevideo.

Der Saal bebt als mehr als 1000 Jugendliche begeistert das Ende des Wahlkampfs der Jugendorganisation der Partido Nacional in Uruguay feiern. „Wir können stolz auf den zurückgelegten Weg blicken. Wir Jugendliche sind die Zukunft einer geeinten Partei“, ruft der Präsident der Jugendorganisation Gonzalo Baroni unter großem Beifall. Die Dynamik dieser jungen Generation spiegelt sich am anderen Morgen auch in den Gesichtern der zehn Teilnehmer des Campus Konrad Adenauer aus sechs Ländern wieder, die auf Einladung des Regionalprogramms Parteienförderung und Demokratie der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. extra zu den anstehenden, dritten Jugendwahlen in der Geschichte der Partei nach Uruguay gekommen sind.

María Lourdes aus Buenos Aires etwa arbeitet im Personalbereich eines Ministeriums, Mónica Sandoval aus Chihuahua in Mexiko im Regierungsapparat ihres Bundeslandes, Eduardo Rengifo aus Venezuela kämpft an der Seite des Politikers Henrique Capriles für die Demokratie: schon zu Beginn des zweitägigen Campus ist klar, dass diese Nachwuchspolitiker mit Leidenschaft und Überzeugung für eine bessere Zukunft ihrer Länder arbeiten und es sich keinesfalls leicht machen.

„Trotz 180 Jahren Parteigeschichte, beginnt unsere Jugendorganisation erst in den 2000er Jahren“, erklärte der Präsident der Jugend Gonzalo am Vortag der Wahlen. „2007 nahmen 52.000 Jugendliche an den Wahlen teil, 2012 – trotz eines sehr guten Images der linken Regierung – immerhin 46.000“, so Baroni. Am 2. September 2017 seien nun alle Uruguayer zwischen 14 und 29 Jahren aufgerufen, einerseits die je 150 Mitglieder der 19 Departmentskongresse und andererseits die 300 Mitglieder des Nationalkongresses der Jugendorganisation zu wählen. Aus ersterem gingen dann die Departementsvorstände, aus letzterem der Landesvorstand der Jugend hervor. „Jeder zwischen 14 und 29 Jahren kann mitmachen; nur die Kandidaten selbst müssen Parteimitglieder sein“, präzisierte der Präsident.

„Uns machen aktuelle Umfragen Mut, die zeigen, dass sich uruguayische Jugendliche mehr für unsere Partei, als für andere interessieren“, erklärt der Präsident. Trotz der zurückliegenden Jahre bleibe viel zu tun. „Die Jugend braucht ein eigenes Budget und mehr Aufstiegschancen innerhalb der Partei“, fordert Baroni.

Was die anderen Jugendorgansationen des Kontinents bewegt, erarbeiteten die Teilnehmer in einem ersten Workshop. Adrián Santamaría aus Kolumbien hob die gute Arbeit der 6 der Jugend der konservativen Partei als Raum zum Mitmachen hervor. Eduardo Buenfil aus Mexiko hob als Schlüsselmoment seiner Partei, der Acción Nacional, die Besetzung vieler Ämter durch junge Politiker hervor, die Inspiration und Motivation für junge Leute seien. „Unsere Parteijugend von Primero Justicia in Venezuela ist sehr unordentlich und braucht mehr Strukturen, um effektiver zu werden“, bemerkte Andrea Mesa aus Caracas. Eine best practice der Jugend der Christdemokratischen Partei Chiles sei der jährliche thematische Kongress, der ein echter Magnet sei, unterstrich Beatriz Toro aus Santiago de Chile.

Die Teilnehmer formulierten ihren Erwartungshorizont für das Wahlwochenende in Uruguay, wobei Themen wie die Wahlorganisation, die Bindung von Jugendlichen an eine Partei sowie die Lust auf neue Erfahrungen im Vordergrund standen.

„Haben die Jugendlichen die Lust an der Politik verloren, oder zeigt sich ihre Beteiligung nur in anderer Form?“ Mit dieser Gegenüberstellung einer modernen und post-modernen Theorie begann der Soziologe Ignacio Zuasnabar seine Ausführungen zur Studie „Living Politics – Beteiligung der Jugend in der Politik“, die er in Zusammenarbeit mit dem Regionalprogramm der KAS in vielen Ländern Lateinamerikas durchführt.

Das Projekt versuche durch qualitative Interviews einer Antwort auf diese schwierige Frage näher zu kommen. Beide Hypothesen bestünden zunächst nebeneinander. Klar festzustellen sei ein Wertewandel, die Forderung nach direkterer und horizontalerer Beteiligung, sowie nach unmittelbareren Ergebnissen. „Die sozialen Netzwerke beeinflussen massiv das Konzept von Demokratiebeteiligung, dass junge Menschen in Lateinamerika haben“, ergänzte Zuasnabar. Es gelte die Konvivenz-Theorie von Krauskopf: Unter Jugendlichen finden sich sowohl alte, als auch neue Beteiligungsformen. „Bemerkenswert sei, dass sich das Interesse an Politik und die Zugehörigkeit zu einer Partei kaum zwischen Jugendlichen und älteren Menschen unterscheide. Alleine die Parteizugehörigkeit nehme mit dem Alter etwas ab“, ergänzte der Soziologe.

Nach einem Besuch im Parlament, Gesprächen mit Abgeordneten, einem Besuch in der Parteizentrale der Partido Nacional sowie Gesprächen mit der Wahlkommission und dem Leiter des Studienzentrums der Partei Pablo da Silveira rauchten den Teilnehmern gegen Ende des Tages die Köpfe. Die Begegnung mit urugayischen Alumni des Regionalprogramms am Abend vertiefte den Austausch der jungen Generation.

Am Wahltag besuchten die Campus-Teilnehmer als Wahlbeobachter fünf Wahlzentren der Hauptstadt Montevideo und waren beeindruckt von der Dynamik. „Der uruguayische Wahlgerichtshof stellt einen Großteil der Materialien, wie die Urnen, und unsere Parteimitglieder oft ihre Häuser oder Garagen als Wahllokale zur Verfügung“, erklärte der Nachwuchspolitiker Diego Silveira den Besuchern. „Was für eine großartige demokratische Übung!“, betonte Eduardo aus Venezuela, das unter einer Diktatur leidet. Nach Formulierung ihres Abschlussberichts übergaben die Wahlbeobachter an den Luis Alberto Heber, den Präsident der Partido Nacional, ohne kritische Punkte auszusparen. Zufällig trafen sie mit dem Ex-Präsidenten Uruguays Luis Alberto Lacalle zusammen, der einen Spontanvortrag hielt.

Gegen 22.00 griff der Parteipräsident Heber im überfüllten Vorstandssaal der Partei zum Mikrofon und verkündete das vorläufige Ergebnis von über 65.000 Jungwählern an diesem Samstag. Dieser historische Rekord macht nicht nur der Partei, sondern auch den Teilnehmern des Campus Mut, Jugendliche für die Parteiarbeit und letztendlich für die Demokratie zu begeistern.

Autor

David Brähler

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Uruguay, 2. September 2017