„ASEAN ist ein Prozess“: Podiumsdiskussion zum 50-jährigen Bestehen der ASEAN

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2017 feiert die Staatengemeinschaft ASEAN ihr 50-jähriges Bestehen. Was 1967 als Projekt der Außenminister fünf südostasiatischer Nationen begann, ist ein Anker politischer und wirtschaftlicher Stabilität geworden – nicht ohne Herausforderungen und Kritik. Wie wird sich die ASEAN in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

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Podium

Bietet Anlass zur Diskussion: 50 Jahre ASEAN

Um diese Frage zu beantworten veranstaltete das Regionalprogamm Politikdialog am 30. Mai 2017 die Podiumsdiskussion „50 Years of the ASEAN Journey – Achievements, Challenges and Prospects“ in Singapur. Dr. Yeo Lay Hwee, Direktorin des EU Centre in Singapur, Dr. Tang Siew Mun, Leiter des ASEAN Studies Center am ISEAS Yusof-Ishak Institut and Danny Lee, Vorsitzender der Association for Regional Connectivity diskutierten die Errungenschaften der Staatengemeinschaft, ihre Rolle im Spannungsfeld zwischen China und den USA sowie mögliche Weiterentwicklungen der Organisation. Gleichzeitig übergab die bisherige Leiterin des Regionalprogramms Politikdialog Asien, Dr. Beatrice Gorawantschy, den Staffelstab an ihren Nachfolger Christian Echle.

„ASEAN ist ein Prozess“, darin waren sich die Sprecher des Abends einig. Dr. Tang Siew Mun kritisierte jedoch, dass die ASEAN keine gemeinsame Zielvorstellung einer zukünftigen Entwicklung habe. Eine politische Union wie die EU werde ASEAN nicht werden, betonen alle drei Sprecher. Zu divers seien die Mitgliedsstaaten als dass sich eine Union formieren ließe. Dennoch, so betont Dr. Yeo Lay Hwee, gäbe es viele Bereiche, in denen ASEAN von der EU lernen könne, beispielsweise bei der Formation eines einheitlichen Binnenmarktes – vorausgesetzt der Verband strebt dies im Rahmen der ASEAN Economic Community tatsächlich an. Im Spannungsfeld zwischen China und den USA riet Dr. Tang Siew Mun dazu, Autonomie zu wahren und nicht Partei zu ergreifen, sondern jeweils wertegeleitete Positionen zu beziehen. Nach zukünftigen konkreten Vorschlägen für die nächsten Jahre gefragt plädierte Dr. Leo Lay Hwee dafür, die EU zum East Asian Summit zuzulassen. Auch die Möglichkeit, eines ASEAN-weiten Infrastrukturprojekts nach Beispiel des europäischen Airbus wurde diskutiert. Für die Zukunft wünschten sich die Sprecher eine ASEAN, in der dem Verlauf von Diskussionen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als dem gemeinsamen Abschlusskommuniqué und eine Staatengemeinschaft, deren Nutzen für die Einwohner Südostasiens deutlicher sichtbar wird.

Autor

Katharina Naumann

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Singapur, 6. Juni 2017