Brauchen wir eine neue Tugendethik?
Prof. Dr. Christian Beck von der Katholischen Universität Eichstätt sprach am 21. Oktober 2009 an der FH Brandenburg zum Thema „Finanzkrise und Tugendethik“. Ausgehend von den aktuellen Krisenszenarien in der Wirtschaft stellte der Redner die Frage nach der Funktion der Ethik in diesem Zusammenhang. Deren Aufgabe sei es nicht, die Wirtschaft in praktischen Fragen zu korrigieren oder gar zu belehren. Vielmehr gehe es aus ethischer Sicht darum, das Menschenbild und die Krisenhaftigkeit des Menschsein in seinen konkreten Auswirkungen zu betrachten und daraus Möglichkeiten zu formulieren, um das Menschenbild zu stärken und zu einer universalistischen Selbstverpflichtung zu führen. Kein dem Menschen als zwingend erachtetes Handeln falle vom Himmel, betonte der Redner. Es gehe immer anders und das bedeute eben, sich in der Krise der Wurzeln abendländischen Denkens und Handelns zu besinnen, das bereits zurückgehe in die Zeit der griechischen Antike. Wirtschaftshandeln, so Beck, sei soziales Handeln und niemals umgekehrt. Es müsse wieder deutlich werden, dass die Wirtschaft dem Menschen zu dienen habe und kein Selbstzweck sei. Tugendethisch gesehen könne dies mit der Umsetzung der Forderung beginnen, dass Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft das „Sehen Können“ und „Handeln Müssen“ wieder ernst nähmen.