Für den Bischof von Quelimane, Dom Bernardo Filipe Governo, wird die Regierung Armando Guebuzas eine Weiterführung des 18 Jahre von Joaquim Chissano praktizierten „politischen Klientelismus“ sein, der die Geschicke des Landes geprägt hat. Im Interview mit „Zambeze“ , gibt der Geistliche eine Retrospektive zur nationalen Politik des Landes, zeichnet die schwierigen Jahre nach der nationalen Unabhängigkeit auf, die schwierige Situation zur Zeit des kommunistischen Regimes mit seinen beschnittenen Freiheiten, den zerstörerischen Krieg, der das Land in einem so erbärmlichen Zustand hinterließ. Im Lichte der neusten politischen Entwicklung beschuldigt der Bischof nun das Technische Sekretariat zur Durchführung der Wahlen, STAE , ein Werkzeug im Dienste der FRELIMO -Partei zu sein.
Dom Governo
- Seit mehr als 28 Jahren bin ich Bischof von Quelimane und beobachte die Lage der Bevölkerung in der Provinz Zambézia. Mit der Unabhängigkeit im Jahre 1975 wurde leider ein kommunistisches Regime etabliert, das die Freiheiten des Volkes beschnitt: für Reisen im Land mussten Genehmigungen eingeholt werden, gegen die katholische Kirche wurde eine hemmungslose Verfolgung eingeleitet, durch die Priester und Gläubige den Horror der Deportation am eigenen Leibe kennenlernten. Später dann mussten wir den Destabilisierungskrieg miterleben, der erst mit der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Rom beendet wurde. Während des Krieges wurde die absolute Armut als Konsequenz der ungleichen Verteilung des Reichtums verschärft.
Herr Bischof, vorläufige Wahlergebnisse belegen, dass FRELIMO und Armando Guebuza die möglichen Gewinner der Dritten Allgemeinen Wahlen sind. Wie schätzen Sie Armando Guebuza ein?
- Alles, was ich von Guebuza weiß, ist das, was das Fernsehen, die Zeitungen und der Rundfunk von ihm berichtet haben. Das heißt, ich bezweifle, dass seine Art der Regierungsführung von der abweichen wird, die wir achtzehn Jahre lang bei Joaquim Chissano miterlebten.
Es wird keinen Unterschied zwischen Staat und FRELIMO geben.
So hat zum Beispiel Luisa Diogo ihre Arbeit im Ministerrat ruhen lassen, um das zentrale Parteibüro der FRELIMO in der Provinz Zambézia zu leiten, genauso wie viele andere amtierende Politiker in andere Provinzen geschickt wurden, um die Wahl Armando Guebuzas zu ermöglichen. Daher wird an der Integrität dieses Führers eben gezweifelt.
Während der Wahlkampagne versprach Armando Guebuza den Wählern mit dem Geist der Nachlässigkeit, dem Klientelimsus und anderen als nicht der Norm entsprechenden Verhaltensweisen aufzuräumen.
- Es ist nicht möglich, dass ein Präsidentschaftskandidat sich von parteiinternen Kompromissen löst. Wo war er denn die ganze Zeit? Warten wir erst mal auf seine Regierungsführung, etwas anderes bleibt uns ja wohl nicht übrig.
Er ist jemand, der seit der Unabhängigkeit des Landes an der Regierungsführung, an allen Horroraktionen, denen das mosambikanische Volk ausgesetzt war, beteiligt war.
Das einzige herausragende Moment im Leben dieses Politikers war seine Beteiligung am Friedensabkommen. Nicht mehr. Und auch da ist ihm kein großer Verdienst zuzuschreiben, der Krieg machte ohnehin schon keinen Sinn mehr, er war nur noch ein Teilchen im Rad des Schicksals.
Gleich nachdem Sie, Herr Bischof, ihr Wahlrecht ausgeübt hatten, haben sie an das Volk appelliert, wachsam zu sein und Wahlbetrug zu verhindern.
- Wir Bewohner der Provinz Zambézia sind es einfach müde, beraubt zu werden! Es gibt vielerlei Arten von vorausgeplantem Wahlbetrug durch die Mitglieder der FRELIMO innerhalb des Technischen Sekretariats zur Durchführung der Wahlen (STAE). Bei der eigentlichen Wahl haben wir Wahlbetrug jeder Zeit angezeigt. Das STAE hat es jedoch geschafft, einer bestimmten Gruppe von Mosambikanern es vorsorglich zu erschweren, ihr Wahlrecht überhaupt auszuüben.
Um Spekulationen von vornherein auszuschließen, müsste sich sowohl die Nationale Wahlkommission als auch das Technische Sekretariat zur Durchführung der Wahlen (STAE) aus Vertretern der verschiedenen sich zur Wahl stellenden Parteien zusammensetzen. In anderen Ländern werden die Wahlkommissionen sogar aus neutralen Personen gebildet, die von der Zivilgesellschaft einberufen werden. Im Fall Mosambiks haben wir einem Wahlbetrug beigewohnt, der von der Nationalen Wahlkommission (CNE) geplant und vom Technischen Sekretariat zur Durchführung der Wahlen (STAE) umgesetzt wurde.
Könnten Sie uns ihre Anklage genauer erläutern?
- Erstens hat das STAE in den als „pro-RENAMO“ eingestuften Wählerkreisen das Wahlmaterial verspätet verteilt. Zweitens wurden einige Wahllokale in Entfernungen von über zweiundzwanzig Kilometer verlegt. Diese Machenschaften hatten zum Ziel, der Opposition Wählerstimmen zu entziehen. Und um auch wirklich Erfolg zu haben, wurde dann auf fehlende technische Mittel verwiesen, um das Wahlmaterial verteilen zu können. So darf das nicht weiter gehen. Auch wenn das Volk nicht schreiben und lesen kann, ist es noch lange nicht dumm. Eines Tages wird die Gerechtigkeit siegen. Keiner kann dieses Land ewig regieren, wenn das Volk in absoluter Armut lebt.
Welche Rolle spielt die Kirche in der Gesellschaft und im Kampf gegen die Armut?
Aufgabe der Kirche ist es, die Gemeinden theoretisch zu anzuleiten. Die Kirche hat keine wirtschaftlichen und technischen Mittel. Wir zeigen den Menschen entsprechend unserer Möglichkeiten, wie sie landwirtschaftliche Kooperativen, Schulen und Gesundheitszentren gründen können.
Ich möchte daran erinnern, dass die Regierung mit der Erklärung der Unabhängigkeit den als „guten Staatsbürger“ einstufte, der sich nicht zum Glauben bekannte.