Nationale und regionale Herausforderungen für Kasachstans Energiewende

Experten aus Asien und Europa erarbeiten zielführende Lösungen für Zentralasien

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Ein gemeinsames Seminar mit Almaty Tech Garden, einem Innovationszentrum in Almaty / Kasachstan, bot KAS RECAP und dem Europäischen Zentrum für Energie- und Ressourcensicherheit (EUCERS) die Gelegenheit, die nationalen und regionalen Herausforderungen für eine Energiewende in Kasachstan zu analysieren.

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Dr. Joachim Lang gibt ein Statement.

Die nationalen Herausforderungen für eine kasachische Energiewende waren das Thema der ersten Sitzung. Dr. Joachim Lang wandte in seinem Impulsvortrag die deutschen Erfahrungen auf mögliche Ansätze in Zentralasien an.

Almaty Tech Garden ist das größte Innovations-Cluster in Kasachstan. Es erhält Gelder für Forschung und Entwicklung von der örtlichen Öl- und Erdgasindustrie. Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich mit Finanztechnologie, Energieeffizienz, fortgeschrittenen Nano- und chemischen Anwendungen sowie nachhaltiger Urbanisierung. Das Zentrum unterstützt Start-up-Firmen und dient als Verbindungsstelle zu internationalen Partnern.

In seinen einführenden Bemerkungen umriss Herr Jörn Rosenberg, deutscher Generalkonsul in Almaty, die grundlegenden Prinzipien der deutschen Energiewende – des umfangreichsten und ambitioniertesten Projekts einer energiepolitischen Transition weltweit.

Prof. Friedbert Pflüger, Leiter von EUCERS, führte in das Thema der ersten Sitzung – nationale Herausforderungen in Kasachstan – von einer globalen Perspektive ein. Er sprach grüne Tendenzen in der Wirtschaft, die Auswirkungen von Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße auf Zentralasien und die digitale Revolution als größte Herausforderungen für wirtschaftliche Reformen in Kasachstan an.

Der kürzlich als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie berufene Joachim Lang beschrieb die bedeutendsten Erfolgsfaktoren für energiepolitische Transformationskonzepte. Dabei bezog er sich auf Erfahrungen aus der deutschen und europäischen Energiewende. Er betonte die Öffnung der Energiemärkte, die Einführung unterstützender Mechanismen (wie Kohlenstoffdioxid-Bepreisung), die Komplexität einer solchen Transformation, die sich auf verschiedene Politikfelder auswirkt sowie den Bedarf an koordiniertem Vorgehen.

Experten aus Kasachstan stellten die Strategie der wirtschaftlichen und energiepolitischen Transformation ihres Landes vor. Vorrangige Bereiche der Reformen sind der Ausbau des regulatorischen Rahmens, die Koordination zwischen den Erzeugern herkömmlicher und erneuerbarer Energie, Bepreisungsmodelle und die Integration regionaler Energiemärkte (insbesondere mit Russland und China).

In der Diskussion wurden die Herausforderungen und Möglichkeiten der Neuen Seidenstraße für die nationale Entwicklung besprochen. Thema waren auch Lektionen aus und Unterstützung von Deutschland für die zukünftige Entwicklung in Kasachstan.

Mit Blick auf die Energieunion der Europäischen Union als fortschrittlichstes Beispiel einer regionalen Energiemarktintegration debattierten kasachische und internationale Wissenschaftler die Zukunft eines integrierten zentralasiatischen Energie- und Rohstoffmarktes. Arman Kashinbekov, CEO des Verbands für erneuerbare Energie in Kasachstan, führte in die gegenwärtige Rolle erneuerbarer Energien im nationalen Energiemix ein. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Expo 2017 die Nutzung erneuerbarer Energien fördert. Gleichzeitig betonte er aber, dass neue Regulierungen und finanzielle Unterstützung geschaffen werden müssen, um der Branche bei ihrem weiteren Wachstum zu helfen.

Anatole Boute, Professor für Energierecht an der Chinesischen Universität Hongkong, beschrieb die Bedingungen für nationale und internationale Regulierungen im Bereich des Energie- und Rohstoffrechts. Stabile Bedingungen für Investoren (etwa Eigentumsrechte und Investitionsregelungen) sind für den weiteren Fortschritt der Energiewende von großer Bedeutung.

Die Politik der Europäischen Union gegenüber Zentralasien wurde von Frank Umbach, Forschungsdirektor bei EUCERS, kritisch betrachtet. Obschon sie der größte Geldgeber für Entwicklungshilfe in der Region ist, bleibt die EU oft ein "Spender ohne Einfluss" – in starkem Kontrast zu Russland und China, die in der Region massiv an Einfluss gewonnen haben und sie als einen zentralen Bestandteil ihrer Ressourcenstrategien sehen. Kasachstan spielt eine bedeutende Rolle und die EU sollte ihre Beziehungen zu dem Land stärken.

Alle Teilnehmer stimmten in den folgenden notwendigen Maßnahmen für Kasachstan überein: Verbesserung des regulatorischen Rahmens, Anwerbung internationaler öffentlicher und privater Investitionen, die Öffnung des Marktes und die Schaffung gemeinsamer Plattformen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups.

Autor

Dr. Peter Hefele

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

China, 10. Juli 2017

Kontakt

Dr. Peter Hefele

Leiter des Regionalprojekts Energiesicherheit und Klimawandel Asien-Pazifik

Dr. Peter Hefele
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