Mehr Europa ist das Ziel

Brexit und Trump - Regierung : Zeitenwende für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik? Franz-Meyers-Forum

Europa! So lautet die Antwort auf Brexit und „America First“ . Unser Europa der Zukunft jedoch benötigt eine Offensive, die nicht nur von Wirtschaft und Politik sondern von jedem Einzelnen getragen wird.

Bild 1 von 10
von links: Dr. Günter Krings MdB, Simone Habig, Michaela Rensing, Jürgen Steinmetz, Prof. Dr. Paul J.J. Welfens und Dr. Ludger Gruber

von links: Dr. Günter Krings MdB, Simone Habig, Michaela Rensing, Jürgen Steinmetz, Prof. Dr. Paul J.J. Welfens und Dr. Ludger Gruber

Für ein selbstbewusstes Europa eintreten

Langsam weichen Unsicherheit und Unglauben über das britische Referendum und die Wahl in den USA der Überzeugung, für ein selbstbewussteres Europa eintreten zu wollen. Das bewiesen die knapp 150 Gäste, die genau über diese Themen im Konzertsaal des Theaters in Mönchengladbach mit drei renommierten Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten.
„Wir hören viel, können jeden Tweet verfolgen. Doch oft fehlt die Orientierung, wie das Geschehen einzuordnen ist“, erklärte der Landesbeauftragte für NRW der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Ludger Gruber. „Heute Abend soll es um Hintergrundinformationen gehen“. Der Schirmherr der Veranstaltung, Dr. Günter Krings MdB, merkte an: „Zwar geht es im Jahr der Bundestagswahl eigentlich um Innenpolitik. Doch die Deutschen sind weniger beunruhigt von der Zukunft ihres eigenen Landes, ihre Sorge gilt eher einer im Allgemeinen unsicherer scheinenden Welt.“

BREXIT: Seine Auswirkung

„In Großbritannien haben gleich zwei Premierminister hintereinander die politische Lage falsch eingeschätzt, erst David Cameron mit seinem Referendum, dann Theresa May, die nun mit einer Minderheitsregierung in einen „harten Brexit“ starten möchte. In den USA regiert ein Mann, der nie zuvor ein öffentliches Amt bekleidet hat, ein Land wie sein Privatunternehmen“, führte Dr. Günter Krings weiter aus.
Prof. Dr. Paul J. J. Welfens lieferte in seinem Impulsvortrag die versprochenen Fakten: „Mit Großbritannien verliert die EU ein Fünftel ihres ökonomischen Gewichts und ihrer politischen Macht. Doch auch Großbritannien verliert viel. Studien besagen, dass der Handel schrumpfen wird, wenn das Vereinigte Königreich den Binnenmarkt verlässt. Und das nicht zu ihrem Vorteil. Auf zehn Jahre gesehen wird das BIP dort um sechs Prozent zurückgehen, in Deutschland zugleich nur um ein Prozent.“

Europa muss sich reformieren und sich selbst verstehen

Doch gleichzeitig bemängelt Welfens, dass in Brüssel zu viel Selbstzufriedenheit herrscht. Eine verstärkte Debatte über Reformen ist notwendig. Als Beispiel nennt er Griechenland. Hier ist eine Verfassungsreform zur Entkrustung des Arbeitsmarktes dringend erforderlich. Mehr Wirtschaftswachstum bedeutet weniger Arbeitslosigkeit. Darüber hinaus regt er eine gemeinsame Verteidigungspolitik der EU an, welche die Briten bisher blockiert hatten.

Europa ist ein Erfolgsprojekt!

„Für Deutschland bedeutet die Lage konkret, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gestärkt werden muss“, führte Jürgen Steinmetz aus. „Jedoch besteht kein Grund zur Sorge, die Wirtschaft am Niederrhein zum Beispiel zeigt sich bis dato unbeeindruckt.“ Krings bekräftigte: „Für Europa gilt allerdings: Wir sind nicht nur eine Werte-, sondern auch eine Interessensgemeinschaft. Europa zeichnet sich durch seine Vielfältigkeit und seine Verschiedenheit aus. Es kann also nicht immer nur harmonisch sein und das sollte es auch gar nicht. Dialog ist wichtig und eine gute Debattenkultur muss dazu gehören“. Denn es wird in der Geschichte der Europäischen Union auch Rückschläge geben, trotzdem bleibt Europa ein Erfolgsprojekt.

Autor

Rebecca Zenk

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Düsseldorf, 5. Juli 2017

Kontakt

Simone Habig

Leiterin Regionalbüro Rheinland

Simone Habig
Tel. +49 211 8368056-0
Fax +49 211 8368056-9