Mehr Aufmerksamkeit für den Spitzensport

MEHR MEDAILLEN SIND DAS ZIEL?! – DIE SPORTFÖRDERUNG IM BLICKPUNKT: DORMAGENER GESPRÄCH

Im Winter 2014 wurde entschieden, dass die deutsche Sportförderung grundsätzlich neu gestaltet werden sollte. Insgesamt steht es gut um den deutschen Spitzensport – allerdings hat sich der Medaillenspiegel bei den Olympischen Spielen stark reduziert. Woran liegt das, und sind mehr Medaillen wirklich das Ziel?

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von links: Max Hartung, Laura Koch Vargas, Annika Sprink, Hermann Gröhe MdB (untere Reihe), Alfons Hörmann, Volker Koch, Simone Habig, Ludger Gruber (obere Reihe)

von links: Max Hartung, Laura Koch Vargas, Annika Sprink, Hermann Gröhe MdB (untere Reihe), Alfons Hörmann, Volker Koch, Simone Habig, Ludger Gruber (obere Reihe)

Unter der Schirmherrschaft von Hermann Gröhe MdB, Bundesminister für Gesundheit, wurde diese Frage bei dem Dormagener Gespräch im Friedrich-Spee-Saal des Norbert Gymnasiums Dormagen diskutiert. Ein passender Ort für eine solche Diskussion, denn das Gymnasium ist eine NRW-Sportschule und auf die Förderung von Leistungssportlern spezialisiert. Diskutiert haben Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen SportBundes, der Weltcupsieger im Säbelfechten und Athletensprecher im DOSB Max Hartung, Laura Vargas Koch, Olympia Bronze im Judo und Annika Maria Sprink, die 2016 in der Hockeynationalmannschaft den Europapokal holte.

Über Sport mit Sportlern sprechen

Dr. Ludger Gruber, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Nordrhein-Westfalen, begrüßte das Publikum: „Spitzensport kann nur von dem leben, das von der Breite kommt“. Danach richtete Schirmherr Gröhe das Wort an die Gäste. Sportler seien Vorbilder, auch über den sportlichen Rahmen hinaus. „Deutschland ist eine stolze Sportnation, wir sind auch breit aufgestellt.“ Die Diskussion über Reformationen im Leistungssport müsse in der Öffentlichkeit geführt werden. Thomas Nuyen, der Sportkoordinator des Gymnasiums, stellt das Förderkonzept der Schule vor.

Kein blauäugiger Schnellschuss

Zu Beginn der Diskussion erläutert Hörmann die Eckpfeiler der Reform. Die Einrichtung von Stützpunkten mit hauptamtlichen Trainern sowie die Beendigung der Förderung für einige Sportler aus B-Kadern spricht er an. Das hat vor allem Vargas Koch gespürt. Nach den Olympischen Spielen in Rio hätten viele aus dem B-Kader Judo keine Förderung mehr bekommen, „obwohl man die ja auch als Trainingspartner braucht.“ Hörmann entgegnet, es seien weitaus weniger Athleten aus der Förderung entlassen worden als erzählt wird. Die Zahl bezieht sich auf Sportler, die teilweise über 10 Jahre im B-Kader waren. „Wenn sie mit 30 nicht den Durchbruch geschafft haben, dann schaffen sie es nicht an die Weltspitze.“

Medaillen oder interkultureller Austausch?

Vargas Koch findet die Orientierung an den Medaillen zu engstirnig: „Bei den Wettkämpfen lernt man viele Kulturen kennen, das ist wichtig für den Sport.“ Das räumt auch Hörmann ein: „Die breite deutsche Sportkultur solle erhalten werden. Ein niedrigerer Medaillenspiegel bei breiter Aufstellung ist mir lieber als viele Medaillen in wenigen Disziplinen.“ Kritik kommt auch von Max Hartung. Von den Sportlern werde verlangt, sich an den reduzierten Stützpunkten zu orientieren. „Aber wenn ich von einem Schwimmer verlange, seinen Lebensmittelpunkt zu verschieben wenn das Becken noch gar nicht gebaut ist, dann passt das nicht zusammen.“ Hörmann erklärt, dass deswegen der offene Diskurs geführt werde. Er bezieht sich auf erfolgreichsten Sportverbände Deutschlands, die unabhängig sind: das seien Fußball und Ski.

„Hätte der Spitzensport mehr Geld, hätte man sich die Reform sparen können?“

Moderator Volker Koch, Sportredakteur bei der Neuss-Grevenbroicher-Zeitung, stellt diese Frage an Hörmann. „Nur mit Geld zupflastern bringt nichts“, erwidert der. Sprink sieht ein Problem darin, dass diese Sportarten auch das größte Medieninteresse hätten. „Außerhalb der olympischen Spiele wahrgenommen zu werden, wäre schon schön.“ Der Spitzensport lebe von dem, was in den breiten Sportvereinen getragen würde, sagt Hörmann. Und trotz der großen Diskussion in der Gesellschaft sieht Hartung auch Positives: „Ich habe die Hoffnung, das später alles besser aussieht als vorher. Und das nach den Spielen in Tokio Fechten mehr Sendezeit hat als Fußball und Ski.“

Autor

Julia Rieger

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Düsseldorf, 10. Juli 2017

Kontakt

Simone Habig

Leiterin Regionalbüro Rheinland

Simone Habig
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