Wegweisend! Zukunft der Reformation. Weil es uns etwas angeht

Neusser Stadtgespräch

Was lehrt uns „500 Jahre Reformation“? Das Reformationsjubiläum hat uns gelehrt, dass das Bewusstsein der Menschen dafür lebendig ist. Welche Bedeutung hat die Reformation heute für die Verantwortung, die Christen übernehmen und für die Gesellschaft? Diese Fragen wurden beim Neusser Stadtgespräch in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Neuss erörtert.

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Simone Habig, Leiterin Regionalbüro Rheinland eröffnet das Neusser Stadtgespräch

Simone Habig, Leiterin des Regionalbüro Rheinland eröffnet das Neusser Stadtgespräch

Zu Beginn begrüßt Simone Habig, die Leiterin Regionalbüro Rheinland, die Gäste. Gemeinsam mit dem Publikum möchte sie einen Blick auf die Zukunft von Glauben und Gesellschaft werfen. „Reformation bedeutet modernes Handeln, aber auch einen kritischen Blick auf die Welt.“ Danach ergreift der Schirmherr der Veranstaltung Hermann Gröhe MdB das Wort. Die Auswirkungen der Reformation seien auch über die Kirche hinaus spürbar. „Wir sind einander zum Gespräch geboren“, zitiert er Luthers Weggefährten Philipp Melanchthons.

„Vergesst die Kirche für einen Moment“

Mit dieser zugespitzten These eröffnet Dr. Petra Bahr, Landessuperintendentin des Sprengels Hannover der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, ihren Vortrag. Mit insgesamt 16 Thesen möchte sie die Zuhörer zum Gespräch, aber auch zum Widerspruch einladen. Das Christentum sei immer noch eine Bewegung, in der es keine Ausrede für Nicht-Beteiligung gibt. „Reformation ist eine Aufräumaktion“, sagt sie. Es ist nicht nur ein historisches Datum sondern auch eine Aufgabe, die kritisches Hinterfragen erfordert. Zweifel und Fragen seien eine Kraft für den christlichen Glauben.

Umkehr zum Wesentlichen

Sich von allem verabschieden, was die Christen ablenkt, schaffe Raum für neue Ideen und Platz für Gottesbegegnungen. Dazu gehört auch: „Habt Mut zur Theologie.“ Durch die Übersetzung theologischer Inhalte ins Moderne könne das Potenzial der Theologie ausgeschöpft werden: „Theologie ist Unterscheidungswissen.“. Bahr plädiert außerdem dafür, klare Worte zu finden und der Macht dieser zu vertrauen. „Wir haben nichts als die Macht des Wortes, wenn wir auf Waffen verzichten wollen.“ Man solle neue Versuche unternehmen, den Glauben auszulegen, ohne dabei das Weltkulturerbe der alten Texte zu vergessen.

Christ kommt von Christus

„Ein Christentum ohne Kreuz ist kein Christentum“, so Bahr. Die Tatsache, dass Gott sich nicht „in Glanz und Gloria“ gezeigt habe, sei wichtig für das Christentum. Genau wie das Selberdenken: „Das Christentum ist keine kopflose Religion“. In Gottesdiensten sollen die Christen das Gotteslob neu entdecken und damit auch die Formen des Gottesdienstes neu ausloten: „Glaube gibt es nicht nur am Sonntag, Christus hat im Alltag Platz“.

Seelsorge ist der blinde Fleck der Kirche

„Wir sind nicht die besten Politikversteher und können die Welt nicht retten“, sagt Bahr. Aber die Kirche könne helfen, Fragen stellen und vor allem Vertrauen aussprechen. Die Menschen sollen Mut haben, immer wieder zur Quelle des Glaubens umzukehren. Und deswegen auch nächstes Jahr die Reformation zu feiern: „Die Zukunft der Reformation liegt vor uns“.

Ökumene nach 500 Jahren

Nach den 16 Thesen öffnet die Moderatorin des Abends, die Neusser Beigeordnete für Schule, Bildung und Kultur Dr. Christiane Zangs die Runde für Fragen des Publikums. Eine Zuhörerin erzählt, dass sie nicht mit ihrer Enkelin gemeinsam am Abendmahl teilnehmen konnte. Ein Zuhörer antwortet, man könne die Ökumene dort selbst bewirken, ohne Hierarchie. Bahr antwortet, dass die wahre Herausforderung eine ökumenische ist. „Wir können nur gemeinsam deutlich machen, wofür wir stehen“. Auch die Verbindung von Kirche und Politik kommt zur Sprache. Für Bahr ist beides durch die Menschen vermischt, die sich als Christen mit der Politik befassen. Auch hier sei Vertrauen wichtig. Um junge Menschen für die Kirche zu begeistern, müsse man auch neue Wege gehen. Ein Zuhörer ergänzt, dass für die Lösung all dieser Probleme viel Respekt benötigt wird: „Vertrauen entsteht auf einer Grundlage von Respekt.“

Autor

Julia Rieger

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Düsseldorf, 20. November 2017

Kontakt

Simone Habig

Leiterin Regionalbüro Rheinland

Simone Habig
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