Integration zum Anfassen

Deutschland. Das nächste Kapitel: Ihr Schlüssel zu gelungener Integration – Interkulturelle Busreise mit Ali Can

Wie kann Integration gelingen? Diese Frage wird oft in der Politik diskutiert, aber was sagen die Menschen auf der Straße? Die Antworten auf diese Frage wollte Ali Can in den Fußgängerzonen in NRW finden. Dafür ist er zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung im Infomobil nach Aachen, Düsseldorf und Oberhausen gefahren.

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Unsere Formel zu gelungener Integration ist bunt und vielfältig ....

Unser Schlüssel zu gelungener Integration ist bunt und vielfältig ....

Ein Tag, drei Städte und viel Kaffee: Die Idee zur interkulturellen Busreise hatte die Leiterin des Regionalbüros Rheinland, Simone Habig, als sie bemerkte, dass es an Grundsätzlichem fehle: Das gefährde den Zusammenhalt. „Ich habe mich gefragt: Wie können wir Integration anfassbar machen und visualisieren, sodass sich jeder angesprochen fühlt?“

Der eigene Integrations-Cocktail
Mut, Sprache, Menschlichkeit: Um diese Grundsätze darzustellen, werden verschiedene bunte Kugeln genutzt. Jede Zutat hat ihre eigene Farbe und die Passanten können so in einem kleinen Reagenzglas ihre eigene Formel zu gelungener Integration zusammenstellen. Durch die Auswahl der Kugeln entstehen schnell Gespräche zwischen den Gästen und dem Team. Im Anschluss schreiben die Passanten die drei Dinge, die für sie am Wichtigsten sind, auf eine Postkarte. „Liebe für Menschen“ steht auf einer der ersten Karten, die an der Wand hängt. „Ich glaube, wenn man jeden akzeptiert und respektiert, kann man den Leuten helfen. Die Leute, die herkommen, brauchen Liebe“, sagt der Verfasser.

„Die haben mich als Brückenbauer gesehen“
Am Infostand in Aachen äußern die Bürger auch ihre Sorgen: Es gäbe zu viele Obdachlose, denen nicht geholfen würde oder Deutsche, die nicht genug zum Leben hätten, sagt ein junges Paar, das selbst Erfahrungen mit Obdachlosigkeit gemacht hat. Sie unterhalten sich lange mit Ali Can, der danach berührt ist: „Das hat mir nochmal gezeigt, dass auch andere Menschen Probleme haben, Anschluss zu finden, sei es in der Arbeitswelt oder in der Gesellschaft.“ Der kreative Zugang sei wie eine Begegnungstätte, die in kurzer Zeit aufgebaut werde. Am Ende machen die drei ein Foto – Arm in Arm.

„Möchten sie flüchten müssen? Ich nicht!“
Auch in Düsseldorf stellen die Menschen sich die Frage nach ihrem Integrationsrezept. Respekt landet oft zuerst in den Gläsern, genau wie Menschlichkeit und Toleranz. Über Integration wird zu wenig gesprochen, sind sich viele einig. Bereitschaft zur Integration müsse von beiden Seiten kommen. „Jeder, der mal mit einem Flüchtling geredet hat, denkt danach anders“, sagt eine Studentin. Auch hier sprechen Bürger ihre Probleme an: „Du bist in Düsseldorf, also benimm dich wie ein Düsseldorfer“, sagt ein Mann. Integration sei Anpassung an eine Gesellschaft. Für eine Besucherin ist Sprache der Schlüssel zu allem. Ihre Tochter sieht das anders: „Wenn der Wille da ist, sich zu verständigen, klappt das auch. Andere Sachen sind wichtiger.“

„Ohne Sprache geht nichts“
Eine junge Syrerin erzählt, dass Sprache ihr Weg zur Integration war. „Ich möchte gerne von meiner Kultur erzählen, das geht nur, wenn ich spreche.“ Und auch ein Mazedonier in Oberhausen sieht das so: In seinem Glas landen nur rosa Kugeln, diese stehen für Sprache. „Ich habe alles, aber trotzdem kein normales Leben, alles Alltägliche wird ohne die deutsche Sprache fast unmöglich“, sagt er auf Englisch. Es müsse mehr für Integration getan werden, sagen viele.

Gemeinsam Brücken bauen
Einige der Menschen, die ihre Gläser füllen, haben einen Migrationshintergrund, andere keinen, einige sind jung, andere älter. Sie alle haben ihre eigene Meinung zum Thema Integration, haben andere Grundsätze, die ihnen wichtig sind. Und doch ähneln sich die Worte, die die Menschen auf die Postkarten schreiben: Liebe, Mut, Toleranz – sie zeigen, dass viele Menschen offen für neue Menschen sind. Ali Can ist begeistert von der Tour: In Zeiten, in denen das Thema Einwanderung so polarisiert, ist es wichtig, solche Brückenbauer zu haben.“

Autor

Julia Rieger

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Düsseldorf, 28. Februar 2018

Kontakt

Simone Habig

Leiterin Regionalbüro Rheinland

Simone Habig
Tel. +49 211 8368056-0
Fax +49 211 8368056-9