Technologie, Vergangenheitsbewältigung und Aufbau des Friedens

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Am 12. April fand das erste Treffen der Gruppe Jugend konstruiert Gerechtigkeit im Jahr 2016 statt, in dessen Mittelpunkt das Verhältnis von Technologie, Vergangenheitsbewältigung und Aufbau des Friedens stand.

Dabei hatten die Studenten Gelegenheit, sich mit Óscar Parra auszutauschen. Parra ist Dozent für digitale Tools und Nachrichten- und Interviewjournalismus sowie Koordinator des Projektes Rutas del Conflicto, eines digitalen Tools, das Daten zu den Massakern verwaltet und veröffentlicht, die im Rahmen des bewaffneten Konflikts in Kolumbien seit 1982 verübt wurden.

Rutas del Conflicto liegt nach Angaben von Parra das Interesse zu Grunde, von VerdadAbierta.com im Rahmen des Gerechtigkeits- und Friedensprozesses erhobene relevante Informationen zu sammeln, zu ordnen und der Bevölkerung (Bildungseinrichtungen, Forscher, Medien, Opferorganisationen u.a.) zugänglich zu machen.

Óscar Parra stellte außerdem die nächsten Phasen der Projekte “Yo sobreviví” („Ich habe überlebt”) und “La historia de mi municipio la cuento yo” („Die Geschichte meiner Gemeinde erzähle ich selbst”) vor, die beabsichtigen, die Opfer zu Wort kommen zu lassen und damit der Geschichte jenseits der Zahlen ein menschliches Gesicht zu geben.

Im Verlauf der Debatte brachten die Gruppenmitglieder ihre Sorge hinsichtlich der Stellung der Opfer nach dem Abschluss einer Vereinbarung zum Ausdruck. Von mehreren Seiten wurde bezweifelt, dass der Staat in der Lage sei, tatsächliche, effektive Garantien gegen einen Rückfall zu geben, und dass die Zivilgesellschaft die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zur Wiedereingliederung sowohl im städtischen als auch im ländlichen Umfeld sicherstellen könne.

Sorgen bereitete auch die Rolle der einzelnen Berufsgruppen beim Aufbau des Friedens, hinsichtlich der Fähigkeit zu vergeben und bezüglich der gesellschaftlichen und politischen Unterstützung der Verhandlungen in Havanna seitens der Regierung und der Farc.

Treffen dieser Art ermöglichen es jungen Studenten und Universitätsabgängern, sich mit aktuellen Fragen zu befassen, regen zur Reflexion an und wecken das Interesse für die Realität, die sie betrifft, sowie für die Frage, wie diese verändert werden kann. Projekte wie Rutas del Conflicto dienen dazu, über neue Kommunikationsformen nachzudenken, Information auszutauschen und die Bevölkerung zur Mitwirkung im kolumbianischen Kontext zu motivieren.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Kolumbien, 20. April 2016

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