Internationale Sommerschule "Rule of Law in Theory and Practice"

Internationale Sommerschule

August 10 Sonntag

Datum/Uhrzeit

10. – 20. August 2008

Ort

Sarajevo, Bosnien-Herzegowina

mit

Prof. U. Karpen, Juristische Fakultät Universität Hamburg; Prof. J. Marko, Universität Graz, Kompetenzzentrums Südosteuropa.

Typ

Studien- und Informationsprogramm

Internationale Sommerschule des Rechtsstaatsprogramm Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Rechts-NRO "Pravnik" (Bosnien-Herzegowina) zum Thema "Rule of Law in Theory and Practice".

Auch verfügbar in Romana, English

Sarajevo, die Hauptstadt des jugoslawischen Nachfolgestaats Bosnien-Herzegovina (BuH), zieht im August nicht nur Freunde des Films an. Die Stadt in der Mitte Südosteuropas ist seit 2006 in dem Sommermonat vielmehr auch für Studierende und Doktoranden der Rechtswissenschaften und verwandter Disziplinen aus Europa und den USA attraktiv. Der Grund ist die Internationale Sommerschule Sarajevo, die das KAS-Rechtsstaatsprogramm/Teil Südosteuropa (RSP SOE) in diesem Jahr zum zweiten Mal mit dem lokalen Kooperationspartner „Pravnik”/„Lawyer” für 34 Studierende und Doktoranden zum Thema „Rule of Law in Theory and Practice” durchgeführt hat. Die TeilnehmerInnen stammten aus 18 europäischen Ländern sowie den USA, wobei mit Ausnahme Montenegros und der Republik Moldau alle Programmländer des RSP SOE vertreten waren: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Rumänien und Serbien.

Die Hauptstadt BuHs bietet sich als Austragungsort für eine Sommerschule zu diesem Thema besonders an: Dies nicht nur wegen seiner geographischen Lage, sondern gerade auch wegen der umfassenden Erfahrungen, die Bosnien-Herzegowina mit dem Aufbau von Rechtsstaatlichkeit unter internationaler Beteiligung gesammelt hat: Wie können Menschenrechte in Krisenregionen besonders geschützt werden? Das Beispiel der Menschenrechtskammer BuHs nach Annex 6 des Friedensabkommens von Dayton kann Antwort auf diese Frage geben. In welchem Verhältnis steht die internationale Intervention zum Rechtsstaat? Auch diese Frage lässt sich am Beispiel Bosnien-Herzegowinas beantworten. Last not least bietet der jugoslawische Nachfolgestaat auch zahlreiches Anschauungsmaterial für die Frage, wie ein Land seine Bürgerkriegsvergangenheit juristisch aufarbeiten kann: In Sarajevo ermitteln und verfolgen nationale wie internationale Staatsanwälte und Richter unzählige Kriegsverbrecher strafrechtlich.

Als Referenten für die Beantwortung dieser Fragen konnten die Organisatoren ausgewiesene Rechtswissenschaftler und –praktiker sowie Rechtspolitiker aus der Region und Deutschland gewinnen. Zu ihnen zählten neben dem ehemaligen Hohen Repräsentanten und EU-Sondervertreter für Bosnien-Herzegowina, Professor Christian Schwarz-Schilling, u.a. Professor Ulrich Karpen (Universität Hamburg), Professor Joseph Marko (Leiter des Kompetenzzentrums Südosteuropa der Universität Graz), Dr. Nedim Ademovic (Rechtsberater am Verfassungsgericht BuH), Gregory Fabian (ehem. Rechtsberater in der Menschenrechtsabteilung der OSZE-Mission in BuH) und David Schwendiman (Stv. Chefankläger der Sonderabteilung für Kriegsverbrechen beim Gerichtshof von BuH). Daneben referierten ein KAS-Altstipendiat aus BuH, der gegenwärtig an der Universität Tübingen promoviert, sowie ein Fellow des RSP SOE aus Serbien, der u.a. beim Internationalen Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag (ICTY) gearbeitet hat.

Das Programm der Sommerschule war getreu ihres Mottos „Rechtsstaat in Theorie und Praxis“ zwei geteilt: In Ergänzung zum theoretischen Teil fanden neben Workshops Besuche bei relevanten Institutionen in BuH wie dem Verfassungsgericht und dem Gericht von BuH, Abteilung für Kriegsverbrechen und Organisierte Kriminalität, statt. Der Gerichtshof bekommt zunehmend Fälle seitens des ICTY übertragen. Seine Arbeit war für die Sommerschulteilnehmer daher besonders interessant: Sie hatten die seltene Gelegenheit, Videomaterial aus einem der jüngsten Kriegsverbrecherprozesse anzuschauen und darüber im Anschluss mit einer internationalen Richterin und einem Staatsanwalt der Abteilung Kriegsverbrechen zu diskutieren. Wie sensibel das Thema „Aufarbeitung der jüngsten Kriegsvergangenheit in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien“ nach wie vor ist, haben die Diskussionen und Reaktionen der Sommerschulteilnehmer gezeigt. Vor diesem Hintergrund hat es sich einmal mehr bewährt, neben Studierenden aus den Ländern des Westlichen Balkan auch Teilnehmer aus Ländern außerhalb dieser Region einzuladen. Der mit der Sommerschule bezweckte Rechtsstaatsdialog konnte dadurch entemotionalisiert und versachlicht werden. Gleichzeitig konnte die Sommerschule einen kleinen Beitrag zum Versöhnungsprozess innerhalb der Region leisten.

Hier finden Sie nähere Informationen zur Sommerschule. Bewerbungsfrist war der 31.05.2008.

  • Programm als pdf >>

Die Sommerschulteilnehmer vor dem Verwaltungsgebäude der Stadt Sarajevo, in dem die Sommerschulvorlesungen stattgefunden haben.

Ansprechpartner

Dr. iur. Stefanie Ricarda Roos

Sprachen: Deutsch,‎ English,‎ Français,‎ Español,‎ Romana

Partner

Association "PRAVNIK" (Bosnien-Herzegowina)