Konservatismus in Russland und Deutschland
Ein internationaler Dialog
September 15 Donnerstag
Datum/Uhrzeit
15. – 18. September 2011
Ort
Staatliche Universität Voronezh
Typ
Fachkonferenz
Die Konrad-Adenauer-Stiftung Moskau veranstaltet zusammen mit der Staatlichen Universität Woronesch und der Technischen Universität Chemnitz eine internationale Fachtagung zum Thema „Konservatismus in Russland und Deutschland“.
Auch verfügbar in русский
Konservatives Denken und konservative politische Theorie erleben im postsowjetischen Rußland derzeit eine ungeahnte Renaissance. Zahlreiche politische Parteien nehmen dort für sich das Wort „konservativ“ als Selbstzuschreibung in Anspruch. Die russische Tagespublizistik und der öffentliche politische Diskurs vor Ort sind erfüllt vom Gespräch über konservative Werte, Konservativismus und Kirchlichkeit, Konservativismus und „Russische Idee“, Konservativismus und „Westlichkeit“. Charakteristisch für diesen Konservativismus-Diskurs erscheinen dessen begriffliche Unschärfe und sein weitgespannter inhaltlicher Referenzrahmen, der zum Teil an Beliebigkeit grenzt. Zugleich verbindet er sich mit einem starken antiwestlichen bzw. antiamerikanischen Affekt, der nicht selten in antidemokratische Gesinnung umschlägt. Die Grenzen zum Rechtsradikalismus, aber auch zum Postkommunismus, sind fließend und werden bisweilen überschritten.
Angesichts dieser verwirrenden Gemengelage empfiehlt es sich, den russischen Konservativismusbegriff auf seine historischen Wurzeln, seine intellektuelle Aussagekraft und seine Bezogenheit zum westeuropäischen „Vorbild“ hin zu befragen. Diesem Ziel dient eine Konferenz, die im Rahmen der 2010 begründeten Universitätspartnerschaft zwischen der Staatlichen Universität Voronezh und der Technischen Universität Chemnitz in Voronezh durchgeführt wird. Russische und deutsche Konservativismus- Experten – Historiker, Politikwissenschaftler und Soziologen – diskutieren an vier Tagen das komplizierte Wechselverhältnis zwischen russischem Konservativismus und deutschem konservativen Denken in interdisziplinärer Perspektive.
Das Tagungsthema soll dabei mittels eines chronologischen Durchgang durch mehr als zwei Jahrhundert konservativer Theorie und Praxis erschlossen werden. Die Tagungsbeiträge dienen der wechselseitigen Vermittlung aktueller Forschungsbefunde zwischen deutschen und russischen Konservativismusexperten und werden im Anschluss an die Konferenz in einem zweisprachigen Sammelband publiziert.
PROGRAMM
Donnerstag, 15. September 2011
14:00 - 15:00 Uhr: Eröffnung und Grußworte
15:00 - 15:30 Uhr Prof. Dr. Hans-Christof Kraus, Passau: Ursprung und Entstehung des politischen Konservativismus in Deutschland und Westeuropa.
15:30 - 16:00 Uhr Dr. Arkadiy Yurievich Minakov, Voronezh: Ursprung und Entstehung des russischen Konservativismus in gesamteuropäischer Perspektive.
16:00 - 16:30 Uhr: Kaffeepause
16:30 - 17:00 Uhr Prof. Dr. Petr Vladimirovitsch Akulschin, Rjazan: Politische Erfahrung des Westens und die Entstehung des Konzepts des „aufgeklärten Konservatismus“ in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts.
Freitag, 16. September 2011
09:00 - 09:30 Uhr Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll, Chemnitz: „Konservativer Sozialismus“. Ein ideenpolitischer Sonderweg im XIX. Jahrhundert.
09:30 - 10:00 Uhr Prof. Dr. Valerij Leonidovitsch Stepanov, Moskau: Deutsche Nationalökonomie und konservatives ökonomisches Denken in Rußland.
10:00 - 10:30 Uhr: Kaffeepause
10:30 - 11:00 Uhr Dr. Stanislav Vital’evitsch Khatuncev, Voronezh: Konstantion Nikolayevich Leont’evs (1831-1891) Vorstellungen vom Westen.
11:00 - 11:30 Uhr Dr. Tatiana Evgen’evna Pljaschenko, Voronezh: Deutsche Philosophie und „Russischer Boden“. Alexander Dmitrijevich Gradovskijs (1841-1889) Theorie des Nationalstaates.
11:30 - 14.00 Uhr: Mittagspause
14:00 - 14:30 Uhr Prof. Dr. Igor’ Vladimirovitsch Omel’jantschuk, Vladimir: Autokratie und Parlamentarismus in der Ideologie der russischen Konservativen des frühen XX. Jahrhunderts.
14:30 - 15:00 Uhr Dr. Andrej Ivanov, Sankt Petersburg: Zwischen Anziehung und Konfrontation. Vladimir Mitrofanovich Purishkevichs (1870-1920) Vorstellungen über Deutschland und die Deutschen.
15:00 - 16:00 Uhr: Kaffeepause
16:00 - 16:30 Uhr Prof. Dr. Alexandr Vital’evitsch Repnikov, Moskau: Das Deutschlandbild der russischen Konservativen vor und während des Ersten Weltkriegs.
16:30 - 17:00 Uhr: Dr. Vadim Borisovitsch Kolmakov, Voronezh: Deutsche und Russen im publizistischen Werk von D.V. Skryntschenko (1914-1916).
17:00 - 17:30 Uhr: Prof. Dr. Sergej Vladimirovitsch Kretinin, Voronezh: Deutsche national-konservative Vereine in Polen. Ideologische Positionen und politische Praxis in den 1920er und 1930er Jahren.
Samstag, 17. September 2011
09:00 - 09:30 Uhr Irina Knyazeva, M.A., Chemnitz: Die Rolle Rußlands im Europadenken der „Konservativen Revolution“.
09:30 - 10:00 Uhr Dr. Sergej Georgievitsch Allenov, Voronezh: Wechselwirkungen zwischen der deutschen „Konservativen Revolution“ und russischem konservativen Denken.
10:00 - 10:30 Uhr: Kaffeepause
10:30 - 11:00 Uhr Dr. Hendrik Thoß, Chemnitz: Problematische Partnerschaften. Reichswehr, Rote Armee und „Konservative Revolution“.
11:00 - 11:30 Uhr Michael Vollmer, M.A., Chemnitz: Wider die Mésalliance. Das Rußlandbild Thomas Manns.
11:30 - 14:00 Uhr: Mittagspause
14:00 - 14:30 Uhr Dr. Peter Jahn, Berlin: Struktureller Konservatismus. Die öffentliche Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg in der Sowjetunion 1960-1985.
14:30 - 15:00 Uhr Prof. Dr. Helmut König, Aachen: Konservativismus und Vergangenheitsbewältigung in Deutschland und Rußland.
15:00 - 16:00 Uhr: Kaffeepause
16:00 - 16:30 Uhr Martin Munke, M.A., Chemnitz: Geschichte als Waffe. Zur Instrumentalisierung von Geschichtsbildern am Beispiel der „National-Konservativen Bewegung der Rußlanddeutschen“.
16:30 - 17:00 Uhr Dr. Dmitrij Nikolaevitsch Netschaev, Voronezh: Zwischen Theorie und Wirklichkeit. Konservative Positionen in den Programmen der politischen Parteien Russlands.
17:00 - 17:30 Uhr: Kaffeepause
17:30 - 18:00 Uhr Prof. Dr. Alfons Söllner, Chemnitz: Die deutschen Konservativen und der Westen. Verwestlichung des deutschen Konservatismus durch die Emigration?
18:00 - 18:30 Uhr Valerij Anatol’evitsch Senderov, Moskau: Zur deutschen Orientierung des russischen Konservatismus.
Sonntag, 18. September 2011
10:00 Uhr Podiumsdiskussion: Aktuelle Probleme und Perspektiven des Konservativismus in Rußland und Deutschland
Ansprechpartner
Dr. Lars Peter Schmidt
Leiter des Auslandsbüros Indien (in Vorbereitung)
Dr. Irina Ochirova
Wissenschaftliche Mitarbeiterin