"Mme Robinet, que faites-vous?"

Frauengesprächskreis mit der französischen Generalkonsulin im Saarland Catherine Robinet

Die Verbindungen dies- und jenseits der Grenze – also zwischen dem Saarland und dem Osten Frankreichs – sind vielfältig: Manche fahren zum Einkaufen ins Nachbarland, andere pendeln zwischen ihrem Wohnort und dem Arbeitsplatz, wieder andere besuchen Freunde und Verwandte. Warum es trotz dieser teils engen Verbindungen eine Vertretung der Französischen Republik im Saarland braucht, erklärte Generalkonsulin Catherine Robinet. Sie war eingeladen zum Frauengesprächskreis des PBF Saarland der KAS. Der Einladung zum Gespräch folgten neben Frau Generalkonsulin Robinet gut 60 weitere Teilnehmerinnen.

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Generalkonsulin 08.11.17

Die Zusammensetzung dieses Frauengesprächskreises konnte nicht stimmiger sein: Helga Bossung-Wagner, Leiterin des Politischen Bildungsforums Saarland und Landesbeauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung, führte in die abendliche Veranstaltung ein, Generalkonsulin Catherine Robinet erzählte von ihrer Tätigkeit im Saarland und die Teilnehmerinnen im Wintergarten des Victor’s Residenz-Hotels am Deutsch-Französischen Garten lauschten den Worten der französischen Diplomatin. Dabei merkte Frau Generalkonsulin Robinet an, dass es nicht selbstverständlich sei, dass sie an jenem Abend in dieser Funktion sprechen kann. Schließlich müsse auch die Französische Republik ihr vorhandenes Steuergeld möglichst sparsam einsetzen. Und dennoch leistet sich unser Nachbar im Westen ein Generalkonsulat am Saarbrücker Ludwigsplatz, also in unmittelbarer Nachbarschaft zur saarländischen Staatskanzlei am gegenüberliegenden Ende des Platzes. Man kann also sagen, dass das Generalkonsulat und die Staatskanzlei in Sichtweite liegen. So dicht die räumliche Nähe, so vielfältig und vertrauensvoll sind auch die Verbindungen zur saarländischen Landesregierung.
Diese mache ihr als Generalkonsulin die Aufgabe auch recht leicht, so Catherine Robinet. Mit der Frankreich-Strategie, einer Initiative zur Verbesserung sprachlicher Kompetenzen bis hin zur Zweisprachigkeit der heranwachsenden Generationen, beschreite das Saarland einen richtigen und wichtigen Weg in einem Europa, das auch in Zukunft näher zusammenrücken muss. Ihr Schwerpunkt liege darin, diesen Weg vor allem beratend zu begleiten. Eine echte konsularische Abteilung habe das Saarbrücker Generalkonsulat nicht mehr, in Passangelegenheiten beispielsweise müssten sich die Franzosen an das Generalkonsulat in Frankfurt am Main wenden. Das hiesige Generalkonsulat sei eher ein „Einfluss-Konsulat“. Nach einer kurzen Pause merkte Frau Generalkonsulin Robinet dann aber an: „... ohne wirklichen Einfluss zu haben.“ Da wunderte sich manche Teilnehmerin im Saal. Sie fuhr ihre Ausführung dann aber fort und erläuterte, dass ihre Einflussmöglichkeiten weniger auf harten rechtlichen Grundlagen, sondern vorwiegend auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt beruhten. So stelle sie für die im Saarland lebenden Französinnen und Franzosen eine Anlaufstelle dar, an die man sich mit jeglichen Fragen und Problemen wenden könne. Ihre Aufgabe ist es, anschließend Hilfestellungen und Ratschläge zu geben, ohne jedoch sich aktiv einzumischen. Schließlich sei man in Deutschland, einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, und nicht in einem Land, dass keine Gewähr für ein ordnungsgemäßes Verfahren geben könne.
So zeigte sie neben den Problemen Einzelner auch die grenzüberschreitenden Errungenschaften zwischen Deutschland und Frankreich auf. Es gebe eine Fernverkehrsverbindung von Frankfurt über Saarbrücken nach Paris und zurück, außerdem verkehre die Saarbahn bis nach Saargemünd in Frankreich und schließe die lothringische Kleinstadt an Saarbrücken als größte Stadt der Region an. Es gebe Kooperationen zwischen Krankenhäusern im Departement Moselle und im Saarland, die es vereinfacht ermöglichen, Notfälle in dem räumlich nächsten Krankenhaus zu behandeln. So könne Zeit gespart werden, die dann für eine schnelle Behandlung beispielsweise von akuten Herzkrankheiten zur Verfügung steht. Hier gelte es, den Abbau von Hemmnissen und Bürokratie weiter voranzutreiben. Dazu sei es auch nötig, für Verständnis in Paris zu werben. Der zentralistische Staatsaufbau Frankreichs führe nicht gerade zum Verständnis für die Probleme einer Grenzregion. Sie selbst sei in Saint-Avold, einem Ort in Lothringen in der Nähe der deutsch-französischen Grenze, aufgewachsen und wisse um die Mentalitäten und Fragen in der Region.
Auf die Frage einer Teilnehmerin des Frauengesprächskreises, ob es nicht problematisch sei, dass die Amtszeit einer Generalkonsulin oder eines Generalkonsuls häufig dann ende, wenn die erforderlichen Kontakte in die saarländische Politik und Gesellschaft geknüpft seien, antwortete Frau Robinet, dass sie darin kein Problem sehe. Ständiger Wechsel gehöre zum diplomatischen Dienst eines jeden Landes. Aber soweit ist es noch nicht. Frau Generalkonsulin Robinet wird hoffentlich noch viel für die deutsch-französischen Beziehungen im Großen wie im Kleinen vom Ludwigsplatz aus erreichen.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Saarbrücken, 13. November 2017