Flüchtlingsaufnahme und Integration in Leipzig

World Café

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World Café

© Stefania Tatiana Smolkina

Leipziger diskutierten über Flüchtlingsaufnahme und Wege zur Integration in ihrer Stadt

Am 8. April kamen etwa 70 Leipzigerinnen und Leipziger zusammen, um gemeinsam mit Experten über die Arbeit mit Geflüchteten und über Aspekte von Integration zu sprechen. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit den Leipziger Stipendiaten im Gemeindesaal der katholischen Propstei St. Trinitatis statt.

von Sina Meißgeier

Ziel der Veranstaltung, die als sogenanntes World Café stattfand, war es, alle miteinander ins Gespräch zu bringen. An verschiedenen Tischen saßen jeweils Experten aus den Bereichen Politik, Bildung, Kirche, Arbeitsmarkt, Wissenschaft, Mediation und Sachspendenvermittlung. Die Teilnehmer wechselten mehrmals die Tische und brachten ihre Gedanken in den Bereichen ein, die sie am meisten beschäftigen. Zuvor gab Peggy Liebscher vom politischen Planungsstab des Bundeskanzleramtes einen kurzen Impuls und betonte besonders das Interesse der Bundesregierung am Dialog mit der Bevölkerung: „Wir wollen miteinander reden und zuhören. Deshalb sind wir in diesem Format zusammengekommen“, sagte Liebscher. Jeder Tisch wurde durch Stipendiaten und Altstipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie Vertreterinnen der Frauen Union Leipzig moderiert, die im Anschluss die Vorschläge der Gäste zusammenfassten. Die Vorsitzende der Frauen Union und Stipendiatin Luise Frohberg führte souverän durch den Abend. Auch weit nach Ende der Veranstaltung tauschten sich Experten und Gäste noch am Büffet aus, das regionales Brot und verschiedene Aufstriche bereithielt.

Am Tisch von Andreas Dohrn, Pfarrer der evangelischen Peterskirche Leipzig, wurde über Mitmenschlichkeit und über das Projekt „Wohnungspaten“ gesprochen. Es sei wichtig, dass Geflüchtete Unterstützung erhalten, eigene Wohnungen zu finden und dadurch Begegnungen auf Augenhöhe in der Nachbarschaft entstünden. An einem anderen Tisch saß KAS-Altstipendiatin Beatrix Bukus. Sie hat in den vergangenen Jahren vor allem mit Menschen mit Migrationshintergrund gearbeitet und bringt Flüchtlingen Deutsch bei. Mit Blick auf Nachbarschaft sagte sie, dass vor allem gemeinsame Straßenfeste die Einwohner mit den neuen Bewohnern zusammenbringen können.

Außerdem als Expertin eingeladen war Reinhilde Willems von der Arbeitsagentur. Sie berichtete von ersten Erfolgen, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. So wurde Anfang April eigens eine Vermittlungsbörse für Leipzig eingerichtet: „Wir haben bisher gute Erfahrungen mit den Arbeitgebern gemacht, müssen aber dieses Jahr und auch 2017 abwarten, ehe konkretere Ergebnisse sichtbar werden“, sagte Willems in der Tischrunde. Auch im Bereich Bildung, der durch den Pressereferenten der Regionalstelle Leipzig der sächsischen Bildungsagentur Roman Schulz vertreten wurde, waren positive Aspekte Thema. So gab es Lob für die sächsischen DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Klassen. Man müsse aber beachten, dass sich Schule durch den Zuzug von Flüchtlingsfamilien auch verändere, hieß es am Tisch. Aus der Runde wurde zudem vorgeschlagen, Eltern-Kind-Zentren einzurichten.

Am Tisch von CDU-Stadtrat Karsten Albrecht wurde über die Grenzen der Flüchtlingsaufnahme diskutiert. Albrecht betonte, dass eine klare Unterscheidung zwischen Kriegs- und sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen gemacht, Standards überprüft und ein Einwanderungsgesetz erarbeitet werden müssen. Die Juristinnen Sonja Ewerdt-Schlaak und Katrin Schlehahn, ehrenamtlich engagiert bei „Grünes Netz Mediation“, wünschten sich mehr Unterstützung für die Flüchtlingshelfer: „Im Moment gibt es viel zu wenige Angebote an Supervisionen“, so Schlehahn. Konfliktlösung und interkulturelle Kompetenz seien wichtig in der Flüchtlingsarbeit. Auch müsse den Geflüchteten die Zeit gegeben werden, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Als Experte für die Koordination von Spenden war letztlich Christoph Graebel von der Sachspendenzentrale Leipzig zu Gast und erläuterte, wie die Ausgabe der Kleidung und anderer Dinge an die verschiedenen Flüchtlingsunterkünfte funktioniert. Einige wandten ein, dass die Spenden auch für andere Bedürftige zugänglich gemacht werden könnten. So kam der Vorschlag, beispielsweise Stadtteilläden einzurichten.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Dresden, 26. April 2016