Islam ist gleich Islam?

Muslime im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung

Veranstaltungsbericht der Veranstaltung "Islam ist gleich Islam? Muslime im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung" mit Cemile Giousouf MdB

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Dr. Joachim Klose Einleitung

Dr. Joachim Klose eröffnet die Veranstaltung

Veranstaltungsbericht – Islam ist gleich Islam? Muslime im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung

Jonas Zimmermann

Der Islam spaltet die deutsche Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die eine „Islamisierung“ Deutschlands fürchten und daher gegen den Islam protestieren. Diese fühlen sich durch die Medienberichte, in denen der Islam meist in negativem Kontext oder in seiner radikalen politischen Form, dem Islamismus auftaucht, bestätigt. Aber warum ist die öffentliche Wahrnehmung des Islam so schlecht? Über dieses Thema sprachen wir am 02.02.2017 mit Cemile Giousouf MdB im Dresdner Stadtmuseum. Anfangs sprach Dr. Joachim Klose, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für den Freistaat Sachsen einige einleitende Worte und übergab dann an Frau Giousouf. Diese begann mit der Erklärung warum sie als Muslim in einer christlichen Partei sei. So hätten die monotheistischen Religionen viel gemeinsam. Für sie sei ihre Religion sehr wichtig, weswegen sie sich in einer Partei engagieren wolle, die der Religion eine größere Bedeutung beimesse.

Anschließend stellte sie die Frage wie wir den Islam aus den Medien wahrnehmen und zeigte den deutlichen Unterschied zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der gelebten Realität auf. So haben 40% der Deutschen Angst vor einer Islamisierung Deutschlands. Anschließend präsentierte sie einige Zahlen zu unseren muslimischen Mitbürgern. So leben 4,5 Mio. Muslime in Deutschland von denen 75% Sunnitisch und 12,7% Alevitisch sind. Zudem seien seit dem Aufstieg des Islamischen Staates 880 Deutsche nach Syrien gegangen um für diesen zu kämpfen. Etwa ein Drittel der Ausgereisten seien inzwischen zurückgekehrt. Sie stellen, so Frau Giousouf, eine große Gefahr dar und müssten permanent überwacht werden. Die Ausgereisten zählen zumeist zur salafistischen Szene, die sich vor allem über soziale Netzwerke rekrutiert und in Deutschland etwa 8.000 Mitglieder umfasst, von denen 550 als Gefährder eingestuft sind. Muslime in Deutschland sind außerdem wesentlich religiöser als der durchschnittliche Deutsche. Für Menschen, die auswandern gewinnt die eigene Kultur und Religion an Bedeutung, da sie für viele eines der einzigen Dinge ist, die sie aus ihrer Heimat behalten und mitnehmen können.

Die Mehrheit der Muslime in Deutschland bezeichnet sich als Deutsche. Hier kommt auch der Schule als Integrationsmotor eine große Bedeutung zu. So nehmen 90% der Muslime am gesamten Unterrichtsprogramm teil. Wenige Ausnahmen gebe es beim Sport- oder Schwimmunterricht. Doch auch hier nimmt laut der Bundestagsabgeordneten die Mehrheit der muslimischen Schüler teil.

Anschließend ging Frau Giousouf auf das Thema der „muslimischen Verbände“ ein. So haben die Muslime kein religiöses Oberhaupt wie den beispielsweise den Papst im Christentum. Daher sind die Muslime weltweit in unterschiedlichen Organisationen organisiert. Die größte Organisation ist die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) mit 900 muslimischen Gemeinden. Hierbei sei die Kontrolle der türkischen Regierung über DITIB problematisch. Die meisten Verbände haben sich zum sogenannten Koordinationsrat der Muslime in Deutschland zusammengeschlossen. Als weiteren Punkt sprach Frau Giousouf die Demokratienähe der Muslime an. So halten 90% der hochreligiösen Muslime die Demokratie für eine gute Staatsform und 93% sagen man solle allen Religionen gegenüber offen sein. Gleichzeitig halten jedoch auch 13% eine interkonfessionelle Ehe für eine Schande. Auch das Thema "Terror und Flüchtlinge" wurde von Frau Giousouf angesprochen. So seien seit der Flüchtlingskrise, die nicht vorherzuahnen gewesen sei und auf die man daher vollkommen unvorbereitet war, 37% der Asylantragssteller aus Syrien, Afghanistan und dem Irak gekommen. Vor der Flüchtlingskrise stammten die Immigranten überwiegend aus christlich geprägten europäischen Ländern wie Griechenland, Spanien oder Polen. Man solle beachten, dass immer noch die Staaten der MENA-Region am häufigsten vom Terrorismus getroffen seien und demnach hauptsächlich Muslime Opfer der Anschläge seien. Dabei seien vier Gruppen für die meisten Anschläge weltweit verantwortlich. Die Muslime wollen jedoch den brutalen Terror von ihrer Religion getrennt sehen. Hierbei verlaufe eine Grenze nicht zwischen Muslimen und Nicht–Muslimen, sondern zwischen Anhängern des Rechtsstaates und ihren Gegnern.

Zur besseren Integration des Islams sei deshalb eine strukturelle Integration des Islams wichtig. So fand 2006 die erste deutsche Islamkonferenz statt. Zudem existiert seit 2011 in vier Universitäten das Studienfach Islamische Theologie zur Ausbildung deutscher Imame. Jedoch müsse der Staat auch definieren wer ins Land kommen darf und müsse den Immigranten die deutsche Sprache abverlangen. Zur Integration der Flüchtlinge wurden die Plätze in den Integrationskursen deutlich aufgestockt und die Teilnahme an diesen verpflichtend eingeführt. Gleichzeitig gibt es nun Orientierungskurse, in denen Unterricht über das politische System, die deutsche Kultur und die deutschen Werte gegeben wird. Da sich Menschen jedoch auch über Arbeit und Freizeit integrieren, fördert das Bundesinnenministerium entsprechende Projekte. Als gemeinsame Basis sei trotz allem eine deutsche Leitkultur vonnöten. Das Grundgesetz reiche als Basis nicht aus. Zur Leitkultur gehören u.a. die Geschlechtergleichberechtigung, das Gewaltmonopol des Staates, die Religionsfreiheit, die Meinungs- und Pressefreiheit und die Demokratie. Ein Islam „deutscher Prägung“, wie Frau Giousouf ihn nennt, müsse im Islamunterricht unterrichtet werden. Nur dann könne er geprägt von unseren Grundwerten sein und Verständnis für die deutschen Strukturen entwickeln.

Die abschließende Diskussionsrunde drehte sich um die von Frau Giousouf angesprochenen Themen. Insbesondere wurde über die Kairoer Menschenrechtserklärung, die Scharia und die Integration der Muslime in Deutschland diskutiert.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Dresden, 8. Februar 2017

Kontakt

Dr. Joachim Klose

Landesbeauftragter für Sachsen und Leiter des Politischen Bildungsforums Sachsen

Dr. Joachim Klose
Tel. +49 351 563446-0
Fax +49 351 563446-10