Der Glaube als prägende Kraft von Werten

Veranstaltungsbericht zu den Reden auf Schloss Rochlitz

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Schloss Rochlitz

Schloss Rochlitz

Das Politische Bildungsforum Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich in zwei Veranstaltungen mit dem Thema Gewissensentscheidungen in der Demokratie auseinandergesetzt. Nachdem am 27. Mai 2017 der ehemalige Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Dr. Günther Beckstein, in den Torgauer Schlossgesprächen das Gewissen aus politischer Perspektive beleuchtete, stand am 1. Juni auf Schloss Rochlitz die individuelle und religiöse Bedeutung des Gewissens im Vordergrund.

Nach den Grußworten des sächsischen Staatsministers für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, und des Geschäftsführers der Staatlichen Schlösser und Burgen Sachsen, Dr. Christian Striefler, hielt der Landesbischof Dr. Carsten Rentzing einen Vortrag. Er leitete sein Referat mit einem Zitat des Staatsrechtlers und Rechtsphilosophen Ernst Wolfgang Böckenförde ein: „Unser Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann“. Der Bischof erklärte, würde der Staat Werte für das Zusammenleben vorgeben, wäre dieser autoritär. An der Schaffung von Werten und Normen seien andere Institutionen beteiligt. Eine Verfassung allein reiche nicht aus. Die Rechtsnorm müsse von innen gefüllt werden. Im Grundgesetz stehen Worte, die für unsere Gemeinschaft elementar sind, so Rentzing. Die Religionsgemeinschaften und vor allem der christliche Glaube hätten Begriffe wie Würde, Gewissen, Mensch und unantastbar wesentlich mitgeprägt.

„Das Gewissen ist die Stimme der Wertordnung in unserem Leben.“

Im weiteren Verlauf seines Vortrages ging Bischof Rentzing detaillierter auf die Bedeutung des Gewissens für jeden einzelnen Menschen in unserer Gesellschaft ein. Dabei merkte er an, dass das Gewissen aber nicht irgendeine subjektive Stimmungslage sei. Häufig werde das Wort zu oberflächlich gebraucht. Die Grundbedeutung des Wortes stamme aus dem griechischen und lateinischen und meine „Kenntnis, Wissen, Mitwissen, Bewusstsein“. Für den Bischof gehe es beim Gewissen um die Verknüpfung verschiedener Erkenntnisse und um das Abwägen der Konsequenzen, der Folgen des eigenen Handelns. Die heutige Bedeutung des Gewissens sei nachweislich mit Martin Luther verbunden. Rentzing wies darauf hin, dass das Gewissen für Luther an die Heilige Schrift gebunden gewesen sei. Mit Blick auf die Gegenwart beendete Bischof Rentzing seinen Vortrag mit den folgenden Worten:

„Es gibt keine christliche Politik, aber christliche Politiker. Dabei handelt es sich um Menschen, die sich von christlichen Normen und Werten leiten lassen. Vom Glauben wird die Zielrichtung vorgegeben. Das ist das Entscheidende. Der Gestaltungsspielraum für die Politiker eröffnet sich auf dem Weg dorthin.“

Dem Vortrag von Bischof Rentzing schloss sich ein moderiertes Gespräch mit Staatsminister Schmidt und dem Publikum an. Darin wurde unter anderem die Vertrauenskrise in Politik und Kirche thematisiert. Abschließend stellten die Referenten des Abends fest, dass die Kirche und der Glauben noch weit in den gesellschaftlichen Raum hineinwirken, ohne dass sich jeder Bürger dieser Tatsache wirklich bewusst ist.

Autor

Maria Bewilogua

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Dresden, 8. Juni 2017