"Wir vergeben und bitten um Vergebung." - Wohin entwickelt sich das deutsch-polnische Verhältnis?

Veranstaltungsbericht

Am 19. Dezember 2017 war das Politische Bildungsforum Sachsen im Rahmen der Reihe "Deutschland. Das nächste Kapitel" in der Görlitzer Synagoge zu Gast.

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19. Dezember Görlitz

Die Synagoge in Görlitz ist ein ehemaliges Gotteshaus und wird seit 2008 als Kultur- und Begegnungsstätte genutzt. Am 19. Dezember 2017 war das Politisches Bildungsforum Sachsen dort zu Gast um das neue Format der „Görlitzer Synagogengespräche zu Toleranz und Demokratie“ mit prominenter Unterstützung einzuführen!

Nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Joachim Klose richtete Ministerpräsident Michael Kretschmer ein Grußwort an die rund 210 Teilnehmer. Er sprach davon, dass die Europäische Union in keinem guten Zustand sei, sie aber mehr als je zuvor gebraucht werde. Es sei nur wichtig, sie an den richtigen Stellen zu reparieren. Durch Gespräche mit seinen europäischen Nachbarn kann Verständnis für die Probleme des Anderen aufgebaut werden, wobei der Blick bewusst öfter nach Osteuropa gewendet werden muss.

Nach einer kurzen Vorstellung des Referenten des Abends – Rafał Dutkiewicz – sprach dieser darüber, wie eine Verbesserung des deutsch-polnischen Verhältnisses bewirkt werden könne. Besuche, Gespräche und Begegnungen auf verschiedenen Ebenen seien der Schlüssel zu einem guten Miteinander. Er erklärte, dass die deutsch-polnische Zusammenarbeit auf kultureller Ebene bereits gut funktioniere, wie beispielsweise die 2016 stattfindenden deutsch-polnische Kulturtage beweisen. Auch wirtschaftlich sei Polen mit Deutschland stark verknüpft. Laut Dutkiewicz gehen über 27% des polnischen Exportes nach Deutschland.

Eine große Herausforderung hingegen sei weiterhin die Infrastruktur. Diese müsse ausgebaut werden, um den Menschen zum Beispiel eine durchgehende Verbindung zwischen Breslau und Dresden zu bieten. Eine solche Verbindung würde es den Menschen vereinfachen sich gegenseitig zu besuchen, kennenzulernen und letztendlich wertzuschätzen.

Nachdem in diesem Jahr Forderungen von Kriegsreparationen an Deutschland in Polen laut wurden, sind die politischen Beziehungen wieder schwieriger geworden. Dutkiewicz sieht das Problem in Polen darin, dass Außenpolitik nach einem bestimmten innenpolitischen Zweck gemacht werde. Abgesehen davon, sei es in allen europäischen Ländern wichtig gegen Nationalismus und Populismus vorzugehen.

Nach dem kurzen Impuls von Dutkiewicz bestand für das Publikum die Möglichkeit ihre Fragen an den Stadtpräsidenten von Wroclaw und den sächsischen Ministerpräsidenten zu richten. Die Fragen verdeutlichten, dass das deutsch-polnische Verhältnis in Görlitz gut gepflegt wird und man voneinander lernen kann. Zum Beispiel fragte einer der Teilnehmer Herrn Dutkiewicz was Görlitz sich von Breslau abschauen könne, um die Stadt attraktiver für junge Leute zu machen. In seiner Antwort verwies Dutkiewicz unter anderem auf die attraktive Universität und den großen studentischen Anteil an der Breslauer Bevölkerung.

Anschließend bestand für die Teilnehmer noch die Möglichkeit bei einem Empfang miteinander und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.

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Dresden, 20. Dezember 2017