„Lasst uns über diese Stadt streiten, aber mit Spielregeln.“

Bericht zur Podiumsdiskussion über Erinnerungskultur

von Josefine Theilig

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Eröffnung der Podiumsdiskussion

Eröffnung der Podiumsdiskussion

Im Rahmen der Reihe „Ich fühle was, was Du nicht fühlst“ fand am 09. Januar 2018 im gut gefüllten Festsaal des Dresdner Stadtmuseums eine Podiumsdiskussion zum Thema „Denkmal der Schande – inszenierte Tabubrüche und Erinnerungskultur“ statt. Ziel war es, das Thema der Erinnerungskultur aus historischer und politischer Perspektive näher zu beleuchten. In der Diskussion vertreten waren Dirk Hilbert, der Oberbürgermeister Dresdens, Prof. Dr. Michael Stürmer, Historiker und Journalist und Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert zeigte in seinem Grußwort die scheinbar unvereinbaren Seiten Dresdens auf. Zum einen gebe es das dissonante Dresden, welches sich durch Trillerpfeifenkonzerte auszeichne. Auf der anderen Seite stehe das kulturelle Dresden. Doch beides sei keineswegs unvereinbar. Dresden ist eine emotionale Stadt, so Hilbert, und das ist auch gut so und forderte: „Lasst uns über diese Stadt streiten, aber mit Spielregeln“.

Nach den einleitenden Worten des Oberbürgermeisters widmete sich Dr. Anna Kaminsky in ihrem Statement der Bedeutung von Denkmälern für die Geschichte und Gesellschaft und ergründete die wachsenden Anforderungen an diese. Sie konstatierte, dass Denkmäler eine Manifestation der Furcht vor dem Vergessen seien. Ihr Stellenwert zeige sich dort, wo es keine gibt.

Prof. Dr. Michael Stürmer setzte sich mit der Frage auseinander, was Geschichte eigentlich sei und schlug verschiedene Denkansätze vor. Ist Geschichte die Ortsbestimmung im Strudel der Zeit oder ist Geschichte Chaos? Eines sei sicher, der Mensch brauche Geschichte, denn ohne sie wäre er eine unsoziale, unvollständige Existenz, eine ewige Kaspar Hauser-Figur.

Im letzten Teil der Veranstaltung fand eine anregende Diskussions- und Fragerunde der Podiumsgäste und der rund 100 Besucher statt. Unter anderem wurde die Frage gestellt, wie ein Denkmal zum Denkmal wird. Ist es die künstlerische Inszenierung, die sich geplant mit der Vergangenheit auseinandersetzt? Oder sind es eher jene Orte und Plätze, die aufgrund ihrer geschichtlichen Verortung zu Denkmälern werden? Eines ist dabei sicher, resümierten Dr. Kaminsky und Prof. Stürmer, Denkmäler brauchen den Gebrauch. Denkmalpflege umfasse nicht allein die Pflege, sondern vor allem den aktiven Besuch. Nur so werde eine Erinnerungskultur geschaffen und aufrechterhalten.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Dresden, 12. Januar 2018