Digitalisierung und Verhalten: Smartphone, Laptop, Google, Facebook - Verlernen wir zu denken?

Veranstaltungsbericht

Über 300 Gäste kamen am 17. Mai in die SLUB, um den Vortrag des nicht unumstrittenen Psychiaters und Bestsellerautors Prof. Manfred Spitzer zum Thema "Digitalisierung und Verhalten" zu hören. Die zweite Veranstaltung der Debattenreihe von SLUB und Konrad-Adenauer-Stiftung stellte eine weitere Perspektive auf das große Thema der Digitalisierung und ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft in den Fokus und regte die Teilnehmer zur Diskussion an.

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Publikum

Nach einer Begrüßung und Vorstellung des Referenten durch Prof. Dr. Thomas Bürger, Generaldirektor der SLUB, begann Herr Spitzer sehr eindrucksvoll, die körperlichen und psychischen Risiken und Nebenwirkungen der Nutzung digitaler Medien auf vor allem Kinder und Jugendliche zu erläutern. Durch das Schauen in die Nähe, wie auf ein Smartphone, werde man als junger Mensch beispielsweise schnell kurzsichtig. Auch das Suchtpotential von Smartphone und Co. werde oft unterschätzt. Natürlich sei wichtig zu bedenken, dass nur die Dosis das Gift mache, aber trotzdem darf nicht vergessen werden, dass es um ernste Beeinträchtigungen der Entwicklung besonders junger Menschen gehe.

So seien Computer auch nicht das Allerheilmittel um den gegenwärtigen Problemen in der Bildung entgegenzutreten. Von Technik im Unterricht würden kaum Kinder profitieren, sich aber die Leistungen der sowieso schon schlechteren Schüler noch weiter verschlechtern. Die Schere zwischen guten und benachteiligten Schülern würde sich dadurch weiter vergrößern. Verbietet man Smartphones an Schulen, so wie es Frankreich jetzt ab Herbst 2018 beschlossen hat, würden die Schüler erwiesenermaßen besser. Auch Medienkompetenz als Unterrichtsfach in der Schule sei da nicht sinnvoll. Bei Recherchen im Internet zum Beispiel sei Vorwissen viel wichtiger als Medienkompetenz, um Informationen zu filtern. Als Beispiel nannte er „Dr. Google“. Die Informationen, die zu den unterschiedlichen Symptomen online zu finden sind, könnten von studierten Medizinern angemessen ausgewertet und eingeordnet werden. Wohingegen der Durchschnittsbürger damit überfordert sei und – überspitzt gesagt – letztendlich oft mit der „Online-Diagnose Krebs“ da stünde. Dieses Phänomen verursache dem deutschen Gesundheitssystem nicht unerhebliche Kosten.

Im Anschluss an den spannenden Vortrag stand Herr Spitzer in der Diskussionsrunde den Fragen und Beiträgen des Publikums Rede und Antwort. Die zahlreichen, auch kritischen Beiträge zeigen deutlich, dass es zum Thema "Digitalisierung" noch viele offene Fragen, Unsicherheiten und auch Ängste gibt, die es weiterhin zu besprechen gilt. Ein Teil der Besucher verfolgte die Veranstaltung per Video-Übertragung im Foyer des Vortragssaales, der bei diesem wahren Ansturm an seine Kapazitätsgrenzen geriet.

Serie

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erschienen

Dresden, 22. Mai 2018