Streitkräfte als Spiegel der Gesellschaft

Gemeinsame Konferenz mit dem Kofi Annan Peacekeeping Training Centre

Gemeinsame Konferenz des Regionalprogramms Sicherheitspolitischer Dialog Subsahara-Afrika (SIPODI) mit dem Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) in Accra zum Thema „Frauen in militärischen Führungspositionen in den Streitkräften Westafrikas“.

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Teilnehmerinnen aus Nigeria und Sierra Leone bei der Konferenz

Teilnehmerinnen aus Nigeria und Sierra Leone bei der Konferenz

Zum ersten Mal veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung eine gemeinsame Konferenz mit dem Kofi Annan Peacekeeping Training Centre in Accra/Ghana. Eingeladen hatte das Regionalprogramm Sicherheitspolitischer Dialog Subshara-Afrika mit Sitz in Abidjan/Elfenbeinküste. Über vierzig weibliche Offiziere aus elf Staaten Westafrikas diskutierten zwei Tage die Rolle von Frauen in den Armeen der Region. Das KAIPTC ist eines von nur drei durch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) anerkannten Trainingsfachzentren in Westafrika. Mit den beiden anderen, der Ecole de Maintien de la Paix (EMP) in Bamako/Mali und dem National Defence College (NDC) in Abuja/Nigeria arbeitet die KAS bereits seit Jahren erfolgreich zusammen. Im Rahmen der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur bildet das KAIPTC ziviles Personal, Polizei und Militär in Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und Wiederaufbau aus und bereitet sie auf ihre Aufgaben in regionalen und kontinentalen Einsätzen vor, beispielsweise in Friedens- und Wahlbeobachtungsmissionen. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2004 wird das KAIPTC von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt; aktuell durch einen ständigen Verbindungsoffizier der Bundeswehr vor Ort und durch ein Kooperationsprojekt mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz).

Das Thema „Frauen in den Streitkräften“ ist im Rahmen der Sicherheitssektorreform in Westafrika in den vergangenen Jahren immer bedeutender geworden und ist seit seiner Gründung auch fester Bestandteil der Lerninhalte des Regionalprogramms SIPODI. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mehr afrikanische Staaten Truppenkontingente für internationale Friedenseinsätze bereitstellen. Dabei müssen die Truppensteller im Vorfeld bestimmte Bedingungen in Bezug auf Ausbildung und Ausrüstung der beteiligten Soldaten erfüllen – dazu gehören Kenntnisse des Mandates, Völkerrechts und eben auch die Öffnung der Streitkräfte für Frauen. Dies hat, neben der angestrebten Gleichberechtigung, auch ganz praktische Gründe: In Friedensmissionen können etwa die Entwaffnung von Kämpferinnen und die Durchsuchung von Unterkünften oft nur von Frauen durchgeführt werden. Die verstärkte Anwerbung und Einstellung von Frauen ist besonders wichtig, um Frauen im Konfliktland zu stärken, z. B. indem die Soldatinnen oder Polizistinnen der Mission für Frauen ansprechbarer sind. Dies ist insbesondere in Gesellschaften, in denen Frauen untersagt ist, mit Männern außerhalb der eigenen Familie zu sprechen, unentbehrlich. Auch können im Friedensprozess so die Bedürfnisse weiblicher Ex-Kämpferinnen adressiert werden und Überlebende sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt befragt und medizinisch betreut werden. Nicht zuletzt spielen weibliche Einsatzkräfte auch bei der Ausbildung anderer Frauen im Konfliktland eine tragende Rolle und fungieren als Vorbilder für und in Beteiligungs- und Aushandlungsprozessen. Der Übergang zu einer gleichwertigen und gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in Friedensprozessen kann nur erreicht werden, wenn Frauen vermehrt im VN-Personal im Einsatz präsent sind.

Um dieses umfangreiche Themenfeld zu bearbeiten, hat das KAIPTC eine eigene Abteilung eingerichtet, das Women's Peace and Security Institute (WPSI), mit dem das Regionalprogramm SIPODI im Rahmen der Konferenz nun erstmals zusammengearbeitet hat. Dass die Gleichberechtigung von Frauen in militärischen Strukturen ein langwieriger Prozess ist, sprach auch der Schulkommandeur, Air Vice Marshall Griffiths Evans, in seiner Eröffnungsrede an: „Die Vorbehalte gegenüber Frauen in den Streitkräften demotivieren Kandidatinnen, sich zum Dienst zu verpflichten oder aktiv Führungspositionen anzustreben“. Evans begrüßte daher ausdrücklich die gemeinsame Initiative des Kofi Annan Centres und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Während der Vorträge und Diskussionsrunden tauschten die anwesenden Offiziere ihre Erfahrungen aus und beleuchteten die jeweiligen gesetzlichen Regelungen in Bezug auf den Einsatz von Frauen an der Waffe. Dabei wurde auch auf die Entwicklungen in europäischen Armeen eingegangen, deren gänzliche Öffnung für Frauen zum Teil erst wenige Jahre zurück liegt. Von den Teilnehmerinnen besonders betont wurde die Überlegung, dass die Streitkräfte erhebliche Vorteile haben, wenn sich die Geschlechterzusammensetzung einer Gesellschaft auch in deren Armee repräsentiert. Dies betrifft insbesondere das Verhältnis zur Zivilbevölkerung und die öffentliche Akzeptanz der Sicherheitskräfte als legitimierte Institution des demokratischen Staates. Einig waren sich Veranstalter und Teilnehmerinnen nach der Konferenz, dass die begonnene Arbeit fortgesetzt werden sollte und gemeinsam als nächster Schritt ein Netzwerk weiblicher militärischer Führungskräfte in Westafrika begründet werden soll.

Autor

Tinko Weibezahl

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Abidjan, 5. September 2018