Gemeinsam für die Freiheit

Festveranstaltung zum 30. Jahrestag der Kerzenmanifestation

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Der slowakische Staatspräsident Andrej Kiska und Bundespräsident a.D. Joachim Gauck sprachen auf der Veranstaltung der KAS Bratislava, die am 25. März an den 30. Jahrestag der sogenannten Kerzenmanifestation in Bratislava erinnerte. Es war die erste Demonstration für Bürgerrechte und Religionsfreiheiten und gegen den Kommunismus in der damaligen Tschechoslowakei.

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Matthias Barner

Matthias Barner

Zu diesem historischen Ereignis hat die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Bratislava zusammen mit mehreren Bürgervereinen, Jugendorganisationen und christlichen Vereinigungen ein mehrtägiges Programm veranstaltet, um auf die große Bedeutung der Kerzenmanifestation im slowakischen aber auch europäischen Kontext hinzuweisen. Im Mittelpunkt des Programms stand eine Festveranstaltung unter dem Motto "Spolu za Slobodu" (Gemeinsam für die Freiheit), auf der u.a. der slowakische Staatspräsident Andrej Kiska sowie der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sprachen. Auch František Mikloško, der Hauptorganisator der Kerzenmanifestation, nahm an der Veranstaltung teil.

Kerzenmanifestation als Inspiration für die heutige Zeit

Nach der Begrüßung durch den Leiter des KAS-Auslandsbüros Tschechien und Slowakei, Matthias Barner, übernahm der ehemalige slowakische EU-Kommissar und jetzige EU-Sonderbeauftragte für die Förderung der Religionsfreiheit außerhalb der EU, Jan Figel, das Wort. Er unterstrich, dass die Kerzenmanifestation auch als Inspiration für die heutige Zeit dienen sollte. Jede Generation müsse für die Demokratie, den Rechtsstaat, die Freiheit und die Gerechtigkeit aktiv eintreten. Die Bürger sollten nicht gleichgültig sein, das sei das Vermächtnis der Kerzenmanifestation. In der darauffolgenden Diskussionsrunde nahmen mit Maroš Čaučík und Miriam Lexmann zwei Zeitzeugen sowie mit Dominika Semeňáková und Juraj Šeliga zwei Vertreter der jüngeren Generation teil. Der Student Šeliga ist in der Slowakei bekannt geworden, da er einer der Hauptorganisatoren der jüngsten Proteste war, die nach dem Doppelmord an einem Investigativjournalisten und seiner Lebensgefährtin landesweit stattfanden. So ging es in der Diskussion, moderiert durch Pavol Demeš, nicht nur um die heutige Wahrnehmung der Kerzenmanifestation von 1988, sondern auch um die Reflexion der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Situation in der Slowakei. Auch die Rolle und die Verantwortung der Christen damals und auch heute kamen ausführlich zur Sprache.

Eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie

Ivan Nesrovnal, der Oberbürgermeister von Bratislava, begrüßte dann als Hausherr im Primatialpalast in Bratislava die beiden Ehrengäste, den slowakischen Staatspräsidenten und den ehemaligen Bundespräsident. Joachim Gauck, der sich in Deutschland auch um seine Verdienste in der Aufarbeitung der Verbrechen des Kommunismus in der ehemaligen DDR einen Namen gemacht hatte, bedankte sich bei der KAS für die Veranstaltung. Er begrüßte vor allem die zahlreich anwesenden jungen Menschen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie wir heute mit unserer Freiheit umgehen sollen. Es gebe eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie. Freiheit bedeute Freiheit für etwas und auch zu etwas, man müsse auch Verantwortung übernehmen. Gauck sagte, dass der Sieg über die Diktatur für ihn das schönste Gefühl in seinem Leben gewesen sei. Der Kampf für die Demokratie sei heute auch sehr wichtig. Es gäbe auch Gefährdungen der Demokratie. Er gratulierte der slowakischen Gesellschaft auch für ihr bürgerschaftliches Engagement in der aktuellen politischen Entwicklung.

Der Anfang einer neuen Ära

In seiner Rede hob Staatspräsident Andrej Kiska das Thema der Konferenz hervor. Vor 30 Jahren ginge es um die Frage, wie wir die Demokratie erreichen könnten. Vor 30 Jahren zeigten die Menschen, dass sie keine Angst vor Verfolgung hatten, weil sie einen festen Glauben und die Sehnsucht nach Freiheit hatten. Die Frage heute aber laute, ob wir mit unserer Freiheit gut umgehen können und ob die Freiheit mit Verantwortung verbunden sei. Kiska hob dabei auch die gegenwärtigen Demonstrationen in der Slowakei hervor. Engagement, Mut und Gerechtigkeit - das seien die Eigenschaften der Veranstalter und Teilnehmer dieser aktuellen Demonstrationen. Sie übernehmen Staffelstab von vielen mutigen Menschen aus der Vergangenheit – von den Kämpfern gegen den Nationalsozialismus im Slowakischen Nationalaufstand bis zu den Kämpfern für die Demokratie in 1989 oder auch 1998 in der Meciar-Ära. Er sei froh, so das slowakische Staatsoberhaupt, dass die heutigen Veranstalter zur jungen Generation gehören. Man befinde sich am Anfang einer neuen Ära. Und er sei glücklich, dass gerade an diesem Gedenktag für die Slowakei auch ein Kämpfer für die Freiheit, Joachim Gauck, das Land besuche.

„Unauffällige Helden“

Zum Abschluss der Veranstaltung gab der Vorsitzende des Bürgervereins „Unauffällige Helden“, František Neupauer, den Startschuss für den diesjährigen Schülerwettbewerb. Er wird bereits zum zehnten Mal durchgeführt und stellt Schülerinnen und Schüler vor die Aufgabe, Persönlichkeiten aus der Zeit der kommunistischen Diktatur aufzusuchen und ihre Lebensgeschichte anhand von Text- und Videobeiträgen vorzustellen. Das von der KAS unterstütze Projekt hat das Ziel, junge Menschen für das Thema der Freiheit und der Wahrheit, der Bürgerrechte und des bürgerlichen Engagements zu sensibilisieren.

Autor

Matthias Barner

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Slowakische Republik, 26. März 2018