Informeller Sektor in Lateinamerika

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Innerhalb des Arbeitsnetzwerkes „Herausforderungen für die Sozialpolitik in Lateinamerika“ der Konrad Adenauer Stiftung fand am 3. und 4. Dezember diesen Jahres ein Seminar über „Informalität“ in Rio de Janeiro statt.

Bericht über das internationale Seminar “Informeller Sektor in Lateinamerika” vom 2. – 4. Dezember 2009, Rio de Janeiro

Das Ziel des Projekts insgesamt ist, dass alle Teilnehmerländer Politiken zur Verbesserung der Situation vorstellen, die dem Kontext des jeweiligen Landes gerecht werden. Die Veranstaltung in Rio wurde mit Hilfe der leitenden Forscher der Alberto Hurtado Universität in Chile, Marcela Perticara und Eduardo Saavedra, durchgeführt und brachte 13 Foscher aus den jeweiligen Ländern zusammen. Zu dieser Gelegenheit wurde auch der neue Direktor des Programms SOPLA, Olaf Jacob, der zum ersten mal an einem Event des Arbeitsnetzwerkes teilnahm, vorgestellt.

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Die Oberziele der Veranstaltung waren die Gründe und Konsequenzen der Informalität aufzuzeigen, wie man diese verringern könnte und wie die Arbeitsqualität verbessert werden könnte. Trotz einer sehr produktiven Debatte wurden nicht alle Fragen, die während des Seminars aufgekommen waren, beantwortet und werden in den Abschlussarbeiten der Teilnehmer weiter diskutiert werden.

Wie kann die Informalität gemessen werden? Als Basis wurden größtenteils Statistiken der jeweiligen Länder genutzt. Einige Länder haben dabei größere statistische Probleme als andere, aber generell wurden die Daten sehr gut präsentiert. Die Messung und Höhe der Informalität hängt nun wiederum von Definition des Terms ab und sollte zu Beginn der Arbeit festgelegt werden. Hierbei wurde vor allem auf die legale und die produktive Definition zurückgegriffen.

Während des Seminars wurden zwei interessante Aspekte als Gründe für Informalität durch die Autoren dargelegt: exklusion oder escape. Diese sollen auch in den Abschlussarbeiten weiter betrachtet werden.

Generell war in den Rohfassungen der Arbeiten erkennbar und allen gemeinsam, dass das Ansteigen der Informalität in Beziehung mit dem Auftreten von ökonomischen Krisen steht. Bei einer Krise steigt also tendenziell der informelle Sektor an.

Wer sind nun die Erwerbstätigen des informellen Sektors? Wer zahlt keine Beiträge in das Netz der Sozialen Sicherung der Länder ein? Welches Profil hat die Informalität? Das Profil der Erwerbstätigen wurde präsentiert, eingeteilt nach Geschlecht, Alter und Sektor. Mehrheitlich wurde festegestellt, dass der Anteil der Frauen sehr hoch ist, wie auch der an jungen Menschen und Älteren. Die Informellen arbeiten durchschnittlich weniger Stunden und sind in ihren Arbeitszeiten flexibler, verdienen jedoch auch weniger. Junge Leute und solche mit einer geringeren Bildung weisen die höchste Wahrscheinlichkeit auf in die Informalität zu geraten.

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In manchen Ländern liess sich auch eine Verbindung zwischen niedriger Qualifikation und den Informellen aufzeigen, was den Zusammenhang von Bildung und Informalität nachweisen sollte. Allerdings konnte sich die Gruppe bezüglich dieses Punktes auf keinen Konsens einigen, da einige Teilnehmer überzeugt waren, dass der Zusammenhang kein direkter sein könnte. Einige argumentierten, die Qualität der Ausbildung hätte keine direkte Wirkung auf die Rate der Informalität, wobei andere wiederum die Schlüsselrolle der Bildung zur Bekämpfung der Informalität hervorhoben. Welche Rolle spielt also die Bildung in diesem Zusammenhang?

Weiter wurde diskutiert, inwiefern die Gestaltung des Arbeitsmarktes durch den Staat die Informalität beeinflusse und ob eine rigide oder flexible Arbeitsmarktgesetzgebung eher zuträglich seien. Bereits bestehende Politiken zur Verminderung des informellen Sektors wurden auf ihre Wirksamkeit hin geprüft und werden auch in den Abschlussarbeiten diskutiert werden.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) standen in Zentrum beinahe aller Arbeiten. Weiterhin wurde festgestellt, dass das Thema der Informalität sich der Makropolitik teilweise entzieht. Diese Politiken sollten sich mehr auf das Thema fokussieren und vor allem auch die Konditionen der Arbeitsangebotsseite verbessern.

Die Verbindung zwischen Informalität und Armut wurde ebenfalls analysiert. Hierbei kam man zu der Übereinstimmung, dass beides in einem wechselseitigen Zusammenhang stehe. Der Aspekt einer Kultur der Informalität wurde ebenfalls analysiert.

Die Rolle des Staates beim Formlaisierungsprozess wurde sehr oft erwähnt, da viele Länder Lateinamerikas mit einer sehr hohen Bürokratie zu kämpfen haben und somit teilweise die Formalisierung von Unternehmen verhindert, die sich formalisieren möchten. Außerdem wurde festgestellt, dass die Vorteile der Formalität besser bewusst gemacht werden müssten um so einen Anreiz zu schaffen. Die Vorschläge für konkrete Politik müssten dabei außer den ökonomischen Kosten auch in die politischen Kosten Erwägung ziehen.

Das Thema der Steuern muss dabei ebenfalls betrachtet werden. Die Steuern, die mit der Formalisierung einhergehen können als natürlich und nicht schädlich für die Unternehmen angesehen werden. Den Unternehmern müssten daher die Vorteile der Formalisierung verdeutlicht werden.

Auch die Frage über eine gewisse Sockelinformalität kam während der Diskussion auf. Diese Idee gibt es ebenfalls in Konzepten zur Korruption oder Arbeitslosigkeit und gesteht einen minimalen Wert positiver als Null zu. Was könnte hier ein Wert für die Informalität sein?

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Ergebnisse

Insgesamt wurden die Ziele der Konferenz erreicht. Durch die Präsentation der Arbeiten durch ihre Verfasser und der Kommentare durch die anderen Teilnehmer wurde das Netzwerk weiter gestärkt und macht das Seminar so zu einer Gelegenheit für einen reichhaltigen Austausch. Genau darin besteht für die Konrad Adenauer Stiftung auch der Sinn solcher Konferenzen. Die Abschlussarbeiten werden durch solche Treffen weiter verbessert und das Oberziel von klar definierten Vorschlägen zu praktischer Politikempfehlung kann durch die Diskussion und gegenseitige Beratschlagung erreicht werden.

Das Thema Informalität ist das vierte dieses Arbeitsnetzwerkes der Stiftung. Das erste war dabei Wachstum und Sozialer Fortschritt, das zweite Effizienz von Staatsausgaben und das dritte Migration. Mit diesen Büchern wurde eine Vielzahl von Veranstaltungen organisiert um diese vorzustellen und die Resultate bekanntzumachen. Das Projekt SOPLA (Soziale Ordnungspolitik in Lateinamerika) behandelt auf regionaler Ebene sozialpolitische Themen. Die Themen werden hierbei jeweils in den regionalen Kontext gesetzt und in die einzelnen Länder übertragen. Die vorherigen Editionen haben ein sehr breites Publikum und vor allem auch die politischen Akteure der Länder erreicht. Mit der vierten Ausgabe dieser Reihe möchten wir an diese Erfolge anknüpfen und zur aktuellen Diskussion zum Thema Informalität in der Region beitragen.

Ausblick 2010/2011

Am Abend des 4. Dezember zum Ende der Veranstaltung präsentierten Eduardo Saavedra und Olaf Jacob einen Vorschlag für das Forschungsthema zur fünften Ausgabe der Reihe. Das Thema Infrastruktur wurde dabei für das Jahr 2010 festgelegt und soll unter der Leitung der Alberto Hurtado Universität in Santiago de Chile mit den Koordinatoren Eduardo Saavedra und Marcela Perticara sowie der Konrad Adenauer Stiftung mit Olaf Jacob und Joana Fontoura durchgeführt werden. Veröffentlich werden soll die Publikation zu diesem Thema anschließend im Jahr 2011.

Serie

Veranstaltungsbeiträge

erschienen

Brasilien, 15. Dezember 2009