Fiskaldisziplin und Inflationssteuerung als Erfolgsfaktoren

Zusammenspiel zwischen Notenbanken und verantwortlicher Ausgabenpolitik entscheidend

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Makroökonomische Stabilität ist ein zentrales Element der wirtschaftlichen Entwicklung. Erst dadurch entstehen Spielräume für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und gegebenenfalls notwendige Krisenbewältigung. Zu diesem Schluss kommen Experten im jüngsten SOPLA-Workshop. Geld- und fiskalpolitische (Fehl-)Entscheidungen sind demnach ein Erklärungsansatz für die heterogene Performance der Volkswirtschaften Lateinamerikas.

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Referenten aus ganz Lateinamerika analysierten vergangene Wirtschaftskrisen Lateinamerikas, um daraus Schlüsse für eine adäquate Geld- und Fiskalpolitik zu ziehen.

Referenten aus ganz Lateinamerika analysierten vergangene Wirtschaftskrisen Lateinamerikas, um daraus Schlüsse für eine adäquate Geld- und Fiskalpolitik zu ziehen.

Am zweiten und dritten November fand das Jahrestreffen der lateinamerikanischen Partnerinstitute des Regionalprojekts SOPLA zum Thema „Staatsfinanzen und Geldpolitik“ in Santiago de Chile statt. Die Konferenz beleuchtete den Umgang der Staaten Lateinamerikas mit ihren finanziellen Ressourcen vor dem Hintergrund der vergangenen Wirtschaftskrisen, speziell der globalen Finanzkrise von 2008/2009. Wie verwenden die Länder ihre Steuern, aus welchen Quellen resultieren sie und welche Rolle spielen die Notenbanken? Dies waren zentrale Fragen des Workshops.

Zunächst wurde von den Ländervertretern der jeweilige Umgang mit vergangenen Wirtschaftskrisen erläutert, um anschließend die geld- und fiskalpolitischen Instrumente herauszuarbeiten, die sich bei der Krisenbewältigung bewehrt haben oder sich als ungenügend herausgestellt haben. Generell wurde festgestellt, dass die meisten Länder der Region - wenn auch in unterschiedlicher Stärke - von denselben drei Wirtschaftseinbrüchen der vergangenen Jahre stark betroffen waren. Dazu zählt einerseits der „Tequila-Effekt“ von 1994, der durch die kritische Währungslage Mexikos aufgrund des fixierten Peso-Kurses gegenüber dem US-Dollar verursacht worden war, andererseits die „Asienkrise“ von 1998, hervorgerufen durch die Wirtschaftskrise der ostasiatischen Länder, speziell der Tigerstaaten und Japans, und zuletzt die Weltwirtschaftskrise von 2008/2009.

Als Hauptauswirkung der verschiedenen Krisen auf die Region wurde insbesondere auf die Entwicklung der Armutsrate verwiesen, da tiefe Rezessionen insbesondere die Ärmsten jeweils schwer trafen. Außerdem waren starke Auswirkungen auf die Inflationsrate, die Arbeitslosenquote, die Höhe der Staatsverschuldung, den Zinssatz, die Devisenreserven, den Kapitalfluss und die Preise der Exportgüter, insbesondere von Rohstoffen wie Öl, Kupfer oder agrarischer Produkte, erkennbar.

Aus den Vorträgen der Vertreter der lateinamerikanischen Staaten wurde deutlich, dass für eine adäquate Krisenbewältigung fiskalpolitischer Spielraum vorhanden sein muss. In Ermangelung von Ausgabendisziplin und fiskalpolitischen Regelungen sei eine Handlungsoption des Staates aber selten vorhanden. Um antizyklische Interventionen zu ermöglichen, sollten die Regierungen der Staaten in prosperierenden Phasen Schulden zurückführen, um in Krisenzeiten flexibler reagieren zu können. In der anschließenden Diskussion der Ländervertreter wurde festgestellt, dass oftmals geldpolitische Maßnahmen zur Krisenbewältigung etwa starke Zinssenkungen nicht auf die jeweilige Ausgabenpolitik eines Landes abgestimmt worden waren oder umgekehrt. Ein optimales Zusammenwirken der dafür verantwortlichen Institutionen sollte daher angestrebt werden. Ein zusätzliches wirtschaftliches Risiko besteht bei Ländern, die geldpolitisch stark an den US-amerikanischen Dollarkurs gebunden sind. Wechselkursverwerfungen konnten zuletzt während der globalen Finanzkrise 2008/2009 besonders in Ecuador, Costa Rica und Venezuela beobachtet werden.

Die während des Workshops gesammelten Erkenntnisse werden in einem Sammelband zusammengeführt, der im kommenden Jahr erscheint. Die jährliche SOPLA-Publikation, die gemeinsam mit Partnern entwickelt wird, verbindet eine sozioökonomische Analyse mit politischen Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger.