"Südafrika ist zurzeit politisch sehr aktiv"

Dr. Holger Dix, Leiter des KAS-Auslandsbüros in Südafrika, zu den Wahlen im Interview mit detektor.fm

Südafrika wählt heute einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament. Bisher regiert Präsident Jacob Zuma von der African National Congress (ANC) Partei das Land. Dr. Holger Dix, Auslandsbüroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung geht davon aus, dass ein halbes Jahr nach dem Tod von Nelson Mandela die ANC-Partei wieder die Wahlen für sich entscheiden könne.

„Das Land ist zurzeit politisch sehr aktiv und die politischen Linien sind sehr klar“, erklärte Dix im Interview mit dem Radio-Sender detektor.fm. Die Kandidaten der Parteien haben sich im Wahlkampf große Auseinandersetzungen geleistet. Viele hätten über den amtierende Staatspräsidenten Jacob Zuma und die Korruptionsvorwürfe diskutiert. Auch in den Medien seien die Anschuldigungen gegen Präsident Zuma und seiner ANC täglich präsent. Dix stellt eine zunehmende Unzufriedenheit der ANC-Mitglieder über die Entwicklungen ihrer eigenen Partei fest. Daher habe die Partei im Wahlkampf Zuma nicht als alleinigen Kopf präsentiert, sondern ein differenzierteres Bild vermitteln wollen. „Mit dieser Strategie sollten die Korruptionsvorwürfe ausgehebelt werden“, erklärte Dix. Dies sei auch gelungen, wenn man sich die Wahlprognosen anschaue, so der Auslandsbüroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Südafrika.

Doch nicht alle Südafrikaner nehmen die derzeitigen negativen Entwicklungen der ANC-Partei hin. Besonders Studenten an den Universitäten würden aus Protest die neu gegründete „Economic Freedom Fighters“ (EFF)-Partei wählen, die vom ehemaligen Vorsitzenden der Jugendorganisation der ANC, Julius Malema, vor knapp einem Jahr gegründet wurde. „Die EFF wird laut Prognosen die drittstärkste Partei werden“, erklärt Dix, was für eine junge Partei eine beachtliche Leistung sei.

Dix nannte die hohe Arbeitslosigkeit als eines der großen Wahlkampfthemen, das alle Parteien in ihrem Wahlprogramm aufgenommen haben. Mehr als fünfzig Prozent der jungen Menschen seien arbeitslos. Zudem machen die Südafrikaner durch gewaltsame Proteste ihrem Unmut gegenüber den mangelnden Service- und Dienstleistungen des Staates Luft. Auch vor den Wahlbüros würden täglich die Proteste laufen und einige Büros seien in der vergangenen Nacht angezündet worden, berichtet Dix. „Die Situation ist angespannt.“ Der Wahlbeobachter geht davon aus, dass sich spätestens nach den Wahlen die Proteste verschärfen werden.

Mit freundlicher Unterstützung von detektor.fm