Neue KAS-Forschungsassistentin Julia Hugenschmidt stellt sich vor

Hiermit möchte ich mich als neue Forschungsassistentin im Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Johannesburg vorstellen. Ich bin Studentin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo ich aktuell das fünfte Semester in Soziologie und Politikwissenschaften absolviere. Ich freue mich sehr darüber, mein Praxissemester bei der KAS und in einem Land wie Südafrika machen zu dürfen. Meine Zeit bei der KAS möchte ich dazu nutzen, mehr über die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche in Südafrika sowie über das politische System des Landes zu erfahren.

Kaum ein Land könnte für gesellschaftliche und politische Analysen im Jahr 2016 spannender sein, als Südafrika. Die Kommunalwahlen im August 2016 und die dadurch entstandene Bedrohung der Einparteiendominanz des African National Congress (ANC), aber auch die andauernden Studierendenproteste halten das Land in Atem. Zahlreiche junge Menschen haben in Südafrika keine Chance auf eine qualifizierte Ausbildung, geschweige denn auf einen Job. Ihrer Wut verschaffen die Studierenden mit Protesten unter dem Motto „FeesMustFall“ Platz und kämpfen dabei nicht nur gegen die hohen Studiengebühren an südafrikanischen Universitäten, sondern auch gegen Präsident Jacob Zuma und die wachsende Ungleichheit im Land. Neben den zahlreichen aktuellen Themen werde ich mich während meiner Zeit in Südafrika auch mit der Stiftungsarbeit der KAS vertraut machen und folglich auch hier das Zusammenspiel aus Politik, Bildung und Gesellschaft beobachten können. Um mein Bachelorstudium erfolgreich abschließen zu können war es mir besonders wichtig, die europäische Perspektive für eine Zeit lang abzulegen, weshalb ich mich für einen Wechsel des Kontinents entschieden habe. Nicht selten wird den europäischen Forscherinnen und Forschern Eurozentrismus vorgeworfen, diese europäische Sicht ist häufig beschränkt und verkennt nicht selten strukturelle Machtunterschiede im Tages- und Politikgeschehen. Die neuere sozialwissenschaftliche Forschung nimmt sich diesen Fragen an und beginnt langsam, Perspektiven, Stimmen und ganze Länder in den Fokus zu rücken, die lange Zeit nicht nur marginalisiert, sondern sogar teilweise ignoriert wurden, so zum Beispiel Südafrika. Ein Land, welches durch europäische Einflüsse über viele Jahrzehnte geprägt wurde und noch heute mit dieser Vergangenheit hadert - von der Kolonialisierung, über die Apartheid bis hin zur Wahl Nelson Mandelas: Südafrika war und bleibt ein spannendes Land mit vielen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen. Durch die Arbeit bei der KAS erhoffe ich mir, neue Einblicke in Politik und Gesellschaft zu erhalten und gleichzeitig einen Beitrag dazu zu leisten, dieses interessante Land voran zu bringen.

erschienen

Republik Südafrika, 12. August 2016