Politische Parteien in Südafrika

Stärkung oder Schwächung der Demokratie?

Am 21. August veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Africa Institute of South Africa in the Human Sciences Research Council und der University of Pretoria anlässlich der Veröffentlichung des Buches "Politische Parteien in Südafrika: Stärkung oder Schwächung der Demokratie?" eine Buchpräsentation an der Universität Johannesburg – neben den Veranstaltungen in Durban und Kapstadt, markierte Johannesburg die letzte Station, in der die neue Publikation unter Anwesenheit der Herausgeberin und partizipierenden Autoren einem interessierten Publikum vorgestellt wurde.

Die University of Johannesburg bot die Bühne auf der die Herausgeberin Heather Thuynsma sowie die anwesenden Autoren Albert Venter, Yolanda Sadie, Mari Harris die neue Buchpublikation vorstellten und diskutierten. Ralph Mathekga und Ebrahim Fakir folgten im Anschluss mit einer Stellungnahme und einer Reflexion der zu gewinnenden Erkenntnisse. Vorrangiges Ziel der Veranstaltungsreihe war es, eine öffentliche Diskussion über den derzeitigen Stand des politischen Systems in Südafrika zu initiieren. Insbesondere die Zivilgesellschaft muss dazu ermutigt werden, sich aktiv in der Politikgestaltung zu engagieren, um die Demokratie Südafrikas auch weiterhin mit Leben zu füllen.

Nach einführenden Worten seitens der KAS von Tilmann Feltes, leitete Heather Thuynsma vom Department of Political Science der Universität Pretoria zunächst in die Thematik des Buches selbst ein und gab zudem einen Überblick über die einzelnen Kapitel, die den Leser bei der Lektüre des Buches und der Bewertung des derzeitigen Zustandes des politischen (Parteien-)Systems Südafrikas erwarten. Albert Venter, Emeritus Professor des Department of Politics and International Relations der Universität Johannesburg, stellte im Anschluss dar, warum das südafrikanische Wahlsystem – aus verfassungsrechtlicher Perspektive – einer dringend benötigten Reform unterzogen werden müsse. Als eines der größten Hindernisse dafür, dass sich südafrikanische Politiker gegenüber ihrer Wählerschaft verpflichtet zeigen, sieht er darin, dass das gegenwärtige Wahlsystem lediglich eine Wahl per geschlossener Liste erlaubt und die Wähler damit lediglich einer Partei, nicht aber einem spezifischen Kandidaten ihre Stimme verleihen können. Dieses, so Venter, verhindere ein tieferes Rechenschaftsbewusstsein bei südafrikanischen Politikern. Im Anschluss daran erörterte Prof. Yolanda Sadie auf Basis ihres Buchkapitels „Women, the Electoral System and Political Parties“, warum gerade Frauen von einem reformierten Wahlsystem benachteiligt würden. Sadie machte in ihrem Vortrag auch deutlich, dass Frauen innerhalb ihrer Parteien kaum von Maßnahmen zur Kapazitätsentwicklung profitieren würden und sich infolge dessen weniger als geeignete Kandidaten für politische Führungspositionen qualifizieren könnten. Mari Harris fokussierte sich auf das Verhältnis von politischen Parteien zu öffentlicher Meinung. Sie betonte auf Grundlage ihrer Forschungen, dass die öffentliche Meinung politische Parteien bewegt, nicht aber anders herum. Daher, so Harris, müssten die Parteien die Meinungen der Südafrikaner erst nehmen oder würden ansonsten Gefahr laufen, in einer sich schnell verändernden politischen Umgebung irrelevant zu werden.

Den Ausführungen der Autoren folgten die Kritiken von Ralph Mathekga von der University of Johannesburg und Ebrahim Fakir vom Auwal Socio-Economic Research Institute. Sowohl Matheka als auch Fakir betonten den Nutzen der Publikation im Feld der politischen Parteien Südafrikas, einem trotz der gegenwärtigen Relevanz noch weitestgehend vernachlässigtem Gebiet innerhalb der akademischen Landschaft. Insbesondere Fakir brachte eine sehr fruchtbare Kritik an verschiedenen Aspekten des Buches hervor. Unter anderem vertrat er dabei die Meinung, dass sich öffentliche Meinung und politische Parteien gegenseitig bedingen bzw. beeinflussen.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Republik Südafrika, 21. August 2017

Tilman Feltes Book Launch JHB

Tilman Feltes (KAS) mit einleitenden Worten

Ralph Mathekga Book Launch JHB

Respondent Ralph Mathekga, University of Johannesburg

Panel Book Launch JHB

(v.l.n.r.): Ralph Mathekga, Ebrahim Fakir, Albert Venter, Mari Harris, Heather Thuynsma, Yolanda Sadie, Tilmann Feltes

Kontakt

Henning Suhr

Leiter des Auslandsbüros Südafrika

Henning Suhr
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