NEUE KAS-MITARBEITERIN DOROTHEA GIBSON STELLT SICH VOR

Auch verfügbar in English

Seit Januar 2018 arbeite ich als Forschungsassistentin im KAS-Büro Kapstadt. Um die Zusammenhänge, Prozesse und Strukturen in Entwicklungsländern mehr kennenzulernen, entschied ich mich zu einem Auslandssemester an der Stellenbosch Universität im Rahmen meines Masterstudiums. Der Fokus meiner Forschungsarbeit bei der KAS wird sich auf die kommende Präsidentschaftswahl im Jahr 2019 konzentrieren und deren Auswirkung auf die südafrikanische Wirtschaft. Des Weiteren werde ich einen Schwerpunkt meiner Forschung auf die momentane Wasserknappheit in der Westkap Provinz setzen.

Nachdem ich ein halbes Jahr im Westkap verbrachte, habe ich das Land durch seine Menschen, Natur und Vielfalt an Kulturen kennen und schätzen gelernt. Im Zuge dessen habe ich durch den politischen und persönlichen Austausch mit Südafrikanern die Herausforderungen der Politik, wie die politische systematische Korruption, welche die staatliche Legitimität untergräbt, Ressourcenmissmanagement, Armut und fehlenden Zugang zur Bildung kennengelernt als auch die Dringlichkeit einer starken Führungspersönlichkeit wahrgenommen. Die Wahl 2019 wird die Zukunft des Landes stark definieren – ob es wieder zum wirtschaftlichen Aufschwung kommen wird oder weiterhin Korruption und Skandale die politische Landschaft bestimmen werden. Die Kommunalwahlen 2016 zeigten klar, dass die bis dahin unangefochtene Dominanz des African National Congress (ANC) ins Wanken gerät. In den Metropolen Kapstadt, Johannesburg und Port Elizabeth verlor der ANC an Zustimmung. Korruptionsskandale, Proteste pro-Zuma-Rücktritt, Regierungsumbildungen und die ökonomische Herabstufung Südafrikas, dominierten die Schlagzeilen während meines Auslandssemesters und stellten den ANC in einem schlechten Licht dar. Im Dezember 2017 wurde Cyril Ramaphosa, der unter Zuma seit 2014 das Amt des ANC-Vizepräsidenten innehatte, zum neuen Parteipräsidenten des ANC gewählt und gilt als Hoffnungsträger aller Südafrikaner bei der Wahl 2019 zum Präsidenten Südafrikas. Die größte Konkurrenz für den ANC stellt die Democratic Alliance (DA) Partei dar, welche während der Kommunalwahlen 2016 an Bedeutung gewinnen konnte und sich in Hinblick auf die 2019 stattfindenen Nationalwahlen auf Koalitionsgespräche mit andern Parteien vorbereitet. Neben den politische Herausforderung, ringen die Südafrikaner seit einigen Jahren mit einer starken Dürreperiode. Da ich in Europa aufgewachsen bin, war ich bisher noch nicht mit den Konsequenzen und der Komplexität einer Wasserarmut konfrontiert. Im Zuge dessen, werde ich mich im Rahmen meiner Forschung mit den Fragen auseinandersetzen, welche der drei Regierungsebenen die Verantwortung für diese Wasserkrise trägt und welchen Effekt sie auf die Wahl 2019 haben wird, da ausgerechnet die DA-regierte Provinz am härtesten von der Dürre betroffen ist. Ich freue mich darauf, während meines Aufenthalts bei der KAS die Gelegenheit zu nutzen, im Austausch mit anderen neue Perspektiven kennenzulernen und einen positiven Beitrag zum allgemeinen Bewusstsein politischer Strukturen des Landes zu leisten.

erschienen

Republik Südafrika, 16. Januar 2018