Kindheit in der Hölle

Thomas Geve in Südbaden

Zeitzeuge Thomas Geve erzählte Schülern Südbadens von seiner verlorenen Kindheit in Auschwitz

Als Thomas Geve am 11.April 1945 von den Amerikanern im KZ Buchenwald befreit wurde, war er 15 Jahre alt und hatte eines nicht besessen: eine Kindheit.

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Thomas Geve stammt aus einer assimilierten jüdischen Familie, in der die Religion keine Rolle spielte. 1933 verlor der Vater seiner Praxis, jüdischen Ärzten wurde ein Berufsverbot auferlegt. 1938 zog die Familie nach Berlin zu den Großeltern, dem Vater, der aufgrund politischen Engagements bedroht war, wurde in England Asyl gewährt. Dem Sohn und seiner Frau wurde kein Asyl gewährt, weil es nach damaligen Vorstellungen in England keine Gefahr für sie gab. 1942 wurde die letzte jüdische Schule geschlossen, auf die Thomas Geve ging. Von nun ab arbeitete er auf dem jüdischen Friedhof Weißensee, bis er 1943 mit seiner Mutter verhaftet wurde und nach Auschwitz deportiert wurde. Die Mutter wurde im KZ ermordet, Thomas Geve überlebte, weil er zur Arbeit als Maurer im KZ eingeteilt worden war. Beim Herannahen der Roten Armee wurde Auschwitz geräumt und die Häftlinge in Gewaltmärschen nach Westen getrieben. Bei der Befreiung im April 1945 in Buchenwald war sein Gesundheitszustand so dramatisch, daß ihm die Abreise nicht möglich war. Unter medizinischer Betreuung der Amerikaner verbesserte sich sein Zustand allmählich. Auf alten Formularen der SS malte er das Lagerleben mit all seinen Grausamkeiten. Heraus kamen 80 Bilder von einzigartiger und beklemmend unmenschlicher Atmosphäre: Kleine blaue Wesen werden von den gelben Herrschern zertreten.

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Thomas Geve übersiedelte nach dem Krieg nach England, wo er die Schule nachholte, Bauingenieurwesen studierte und 1950 nach Israel ging, das von seinen Feinden bedrängt wurde. Bis Anfang der Achtziger diente er in allen Kriegen als Reservist und hat sich seit seiner Pensionierung wieder Deutschland zugewandt, wo er Schülern seine Erlebnisse erzählt.

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Auf Einladung des Bildungswerks Freiburg der Konrad-Adenauer-Stiftung war Thomas Geve an Schulen in Stockach, Singen und Tuttlingen zu Gast und ging mit den Schülern auf eine Zeitreise in die dunkelste deutsche Vergangenheit. Nach dem Film „Nichts als das Leben“, der seine Erlebnisse im Dritten Reich beschrieb, stand er zahlreichen Fragen der Schüler Rede und Antwort. Seine ruhige aber intensive Erzählweise zog die Schüler in den Bann. Der authentische Erfahrungsbericht hinterließ nachhaltigen Eindruck.

Winrich Meyer

Presseberichte


Südkurier Singen

Südkurier Stockach

Schwäbische Zeitung Tuttlingen

Serie

Veranstaltungsbeiträge

erschienen

Freiburg, 13. Mai 2009

Thomas Geve