Zwei Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen

Wie geht es weiter beim globalen Klimaschutz und welchen Beitrag können Waldbau und Landwirtschaft leisten?

In einem spannenden Vortrag berichtete Matern von Marschall MdB, der jüngst an der Klimakonferenz in Bonn teilnahm, über den deutschen Beitrag an der Klimapolitik die internationale Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Daran anknüpfend wurde mit den Experten Stephan Schindele vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und Dr. Gerald Kändler von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg über die Zukunft einer klimapolitisch sinnvollen Wald- und Ladwirtschaft diskutiert.

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Klimaabkommen5, Marschall

Matern von Marschall MdB


Wenige Wochen nach der Weltklimakonferenz in Bonn wagte das Forum einen Ausblick, wie die Land- und Waldwirtschaft von Morgen aussehen kann. Einleitend zog der Freiburg Bundestagabgeordnete Bilanz, wie die Konferenz abgelaufen war. Er hob hervor, dass es als ein Land der Innovationen Deutschlands Rolle sein müsse, mit hier entstehenden Ideen in die Welt zu gehen und andere Länder zu unterstützen, ihre Beiträge zu globaler Nachhaltigkeit zu verbessern. Vor allem im Bereich Energie, Wald und Photovoltaik könne die Bundesrepublik wertvollen Input geben. Als Umweltpolitiker sehe er selbst seine Funktion darin, zu erklären, welche gewichtigen Auswirkungen unser Handeln auf die globale Klimaentwicklung hat. Nicht nur andere Länder seien in die Pflicht zu nehmen, auch wir in Zentraleuropa müssten wir unser Verhalten stetig hinterfragen, um Veränderungen zu bewirken.

Um zu messen, welche CO2-Speicherkapazität unsere heimischen Wälder haben, wird in regelmäßigen Abständen eine Bundeswaldinventur durchgeführt. Daran mit beteiligt ist unter anderem die in Freiburg ansässige Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Wie Bäume überhaupt C02 speichern und man die Kapazitäten wissenschaftlich nachvollziehen kann erklärte Dr. Gerald Kändler aus der Abteilung Biometrie und Informatik. Auch rief er zu schnellen globalen Anworten auf, da ein steiler Anstieg der globalen Gesamtemissionen an C02 zu verzeichnen ist. Eine davon könne Holz sein. Es biete klimatechnisch viele Vorteile gegenüber fossilen Brennstoffen, und habe auch im Vergleich zu vielen energieintensiveren Materialien viele Vorzüge.

Eine weitere, konkrete Antwort auf das CO2-Problem stellte Stephan Schindele vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) vor: Agrophotovoltaik. Derzeit befindet sich das Projekt noch in Testdurchläufen, aber sollte es einmal großflächig angewandt werden, wären die Synergien groß. Die Idee ist so einfach wie genial: Viele landwirtschaftlichen Flächen eignen sich ebenso für die Energieproduktion mit Solarmodulen. Mittels Pfeilern können in einer Höhe von ca. vier Metern Paneele angebracht werden, die Strom produzieren, währen noch ausreichend viel Sonne die auf dem Boden wachsenden landwirtschaftlichen Produkte erreicht. Probebetriebe würden zwar sowohl etwas weniger Ertrag bei der Ernte, als auch bei der Stromproduktion verzeichnen, aber insgesamt gehe die Rechnung auf. Die Feldversuche am Bodensee zeigten, dass die Idee praxistauglich sei und der einzelne Bauer wie auch die Gesellschaft davon profitieren können. Diese und weitere Ideen würden am Fraunhofer ISE in Freiburg gesponnen, und stellen die Zukunft einer Gesellschaft dar, die durch Synergien ihre Wertschöpfungspotenziale optimiert.

In der anschließenden Diskussion und Fragerunde erreichten Herrn von Marschall MdB einige Fragen zur deutschen und europäischen Klimapolitik, auch in der Rolle als Unterstützer in der Entwicklungszusammenarbeit. An die beiden Wissenschaftler richteten sich u.a. Fragen zu ihren Instituten und der Überzeugungsarbeit, die gegenüber Waldbesitzern und insbesondere Landwirten noch zu leisten ist, um Innovationen anzustoßen. Einig darüber, dass politisch und gesellschaftlich ein großer Handlungsbedarf besteht, waren sich (spätestens am Ende der Veranstaltung) alle Gäste.

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Text und Fotos: Alex Schmidtke

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erschienen

Freiburg, 11. Dezember 2017

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