Israel wird 70

Ein kurzer Veranstaltungsbericht zum Vortrag des israelischen Journalisten Daniel Dagan: "Israel wird 70", am 4. Juli in Freiburg.

Bild 1 von 3
Daniel Dagan

Der Referent Daniel Dagan

Der aus namhaften Zeitungen, Funk und Fernsehen bekannte israelische Journalist Daniel Dagan schilderte in einer Gemeinschaftsveranstaltung mit der DIG Freiburg und der DIA Südlicher Oberrhein an der Uni Freiburg anhand verschiedener Stationen seiner Vita Persönliches und Generelles zu Israels Politik und Kultur. Die knapp 60 Teilnehmer konnten so - 70 Jahre nach der Gründung des Staates Israel - einen guten Überblick über die Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten erhalten.

Dagans Familie emigrierte in den 1950er von Kairo nach Israel – und das war keine Seltenheit: Mehr als die Hälfte der Juden in Israel kommen aus arabischen Ländern in das Land. Er schilderte, dass die Situation im arabischen Nachbarstaat für Juden unerträglich geworden war, und sie daher fortzogen.

Erste Anlaufstelle im noch jungen Staate Israel war ein Aufnahmelager. Diese, so Dagan, gehörten damals zum Alltag. Heute seien sie komplett aus dem Landschaftsbild verschwunden. Danach ging es in einen Kibbuz in der Nähe von Haifa. Die Kollektivsiedlungen nennt Dagan „neue, einmalige Lebensformen“. Der Ansatz der in der Regel stark ideologisch geprägten Bewohner sei eine Verbesserung nicht nur der jüdischen Heimat, sondern auch der Welt insgesamt. Dieser Ansatz der Unterstützung in einer vergleichsweise kleinen Struktur könne in manchen Fällen eine gute Antwort auf die Ängste der Menschen vor der Globalisierung sein. Der Kibbuz, in dem er damals gelebt und gearbeitet hat, lebe bis heute konsequent den Gedanken der Solidargemeinschaft.

In den vergangenen Jahrzehnten sind verschiedene Einwanderungswellen von Juden aus den verschiedensten Ländern nach Israel gekommen. Sie sprachen zunächst kein Hebräisch, dies etablierte sich erst nach und nach als Landessprache und wurde zu einem einigenden Band. Überraschenderweise gibt es in der Sprache der Bibel viele Wortneuschöpfungen, um mit modernen Entwicklungen im Alltag auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Und von modernen Entwicklungen gibt es im Land wahrlich viele: Die Notsituation in schwieriger geographischer und politischer Lage habe die Israelis erfinderisch gemacht: Israelische Technologien sind in Smartphones und Krankenhäusern zu finden, eine Vielzahl von Start-Ups befördern den technologischen Fortschritt und unterstreichen Israels Vorreiterrolle in der Digitalisierung.

Zum Abschluss verglich Dagan die deutsche Einwanderungswelle von Flüchtlingen in den letzten Jahren mit den Herausforderungen, die Israel mit immigrierten Menschen gemacht hat. Kann Deutschland etwas aus der Situation im „Heiligen Land“ lernen? Es müsse in jedem Falle versucht werden, Modelle zu entwickeln, damit sich Immigranten auch im neuen Land heimisch fühlten. Die Einwanderung von überwiegend arabischen Menschen in Deutschland sei auch eine wirtschaftliche Chance. Zudem sei der Schlüssel zu einer glückenden Integration, dass den „Neuen“ ein Zugehörigkeitsgefühl vermittelt würde. Nicht alles habe in Israel geklappt – aber Deutschland könne jetzt noch die Weichen stellen, um die Entwicklung in die genannten Richtungen zu fördern.

Der Dialog mit Juden in aller Welt und die Beschäftigung mit dem Staate Israel ist auch Auftrag und Verpflichtung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Geiste Konrad Adenauers, wie Thomas Wolf, der Leiter des Regionalbüros Südbaden, einleitend hervorhob.

Text: Alex Schmidtke

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Freiburg, 9. Juli 2018

Israel

Kontakt

Thomas Wolf

Leiter des Regionalbüros Südbaden des Politischen Bildungsforums Baden-Württemberg

Thomas Wolf
Tel. +49 761 1564807-2
Fax +49 761 1564807-9
Sprachen: Deutsch,‎ English,‎ Français