Sindschar zwei Jahre nach der Katastrophe

Hindernisse und Herausforderungen für die Rückkehr der Jesiden

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Zwei Jahre nach den Massakern des sogenannten Islamischen Staates (IS) an den Jesiden in Sindschar hat sich an der Situation der Minderheit im Irak wenig geändert.

Mit der Befreiung Sindschars im November 2015 und der Verurteilung der IS-Verbrechen als „andauernden Genozid“ durch die UN wurden zwar wichtige Erfolge erzielt, doch noch immer leben mehr als 300.000 Jesiden in Flüchtlingslagern in der Autonomen Region Kurdistan (ARK). Ihre Rückkehr wird erschwert durch den ausbleibenden Wiederaufbau Sindschars, den Vertrauensverlust der Jesiden gegenüber den sunnitischen Arabern und Kurden, durch die Präsenz bewaffneter Milizen in Sindschar, die räumliche Nähe zur IS-Front sowie die ungeklärte politische Zukunft der Region. Sindschar steht damit exemplarisch für die politischen Probleme des Irak. Die schwache Zentralregierung in Bagdad sieht sich einer Vielzahl an Akteuren mit widerstreitenden Interessen gegenüber, was den Wiederaufbau und die Stabilisierung der vom IS befreiten Gebiete erschwert. Dies erhöht das Risiko einer bewaffneten Auseinandersetzung entlang neuer Konfliktlinien und einer fortschreitenden Erosion der staatlichen Strukturen im Irak. Der Wiederaufbau zurückeroberter Gebiete und die Überwindung politischer Konflikte wie etwa in Sindschar sollten im Kontext der Fluchtursachenbekämpfung weiterhin eine Priorität deutscher Politik im Irak darstellen.

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Autoren

Nils Wörmer, Laura Henselmann

Serie

Länderberichte

erschienen

Libanon, 13. Oktober 2016