„Wir suchen echte Partner für die Zukunft“

Wie Iraks Privatbanken sich für den Wiederaufbau engagieren, und welche Hilfe sie dazu benötigen

Knapp drei Jahre dauerte die Herrschaft der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in den Großstädten in Iraks Norden. Während zuletzt irakische Truppen die Dschihadisten aus der Millionenstadt Mossul vertrieben, sind noch ein paar Städte unter der Kontrolle der Islamisten. Gleichzeitig beginnt der Wiederaufbau, und der wird Milliarden kosten. Doch nicht nur die internationale Staatengemeinschaft hilft, auch der irakische Privatsektor engagiert sich umfangreich.

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Wadeea Noori Ayyed Al Handal, Chairman of Iraqi Private Banks League

Wadeea Noori Ayyed Al Handal, Vorsitzender der Vereinigung irakischer Privatbanken, sprach bei seinem ersten Deutschlandbesuch über den Einsatz des irakischen Privatsektors für den Wiederaufbau seines Landes.

Ohne internationale Hilfe wird der Irak nicht so schnell wieder auf die Beine kommen. Allein der Wiederaufbau Mossuls dürfte zwischen 50 und 100 Milliarden US-Dollar kosten, schätzt die irakische Regierung. Und schon jetzt haben viele internationale Akteure ihre Anstrengungen verstärkt. Allein das deutsche Entwicklungsministerium sagte weitere 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau in der Region zu: für Wasser- und Stromversorgung, Unterkünfte, medizinische Versorgung, Schulbildung und Jobs.

„Wir kennen Deutschland nicht anders als ein Land, das beim Wiederaufbau hilft“, sagte Wadeea Noori Ayyed Al Handal. Der Vorsitzende der Vereinigung irakischer Privatbanken berichtete in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin über die Anstrengungen, die der irakische Privatsektor unternimmt, damit das Land wieder auf die Beine kommt.

Im Irak sei der öffentliche Sektor sehr stark, 4,5 Millionen Staatsbeamte gebe es, kritisierte Al Handal. Er wünscht sich jedoch einen starken Mittelstand mit kleinen und mittleren Unternehmen. Nur so könnten Jobs und damit Wachstum entstehen. Industrie und Infrastruktur benötige sein Land, um die „schlechten Importe aus Iran und China zu stoppen“. Doch dafür brauche es Know-how, Technik, Expertise und Unternehmer – und die benötigen Kredite.

Dabei geht es den Irakern überhaupt nicht um mehr Finanzhilfen: „Wir haben Geld, der Irak ist reich, wir suchen Partner, die uns voranbringen“, so der Bankier. Im Mikrofinanzbereich könnten die irakischen Privatbanken auch von deutschen Banken lernen, berichtet Al Handal, beispielsweise bei der Erstellung von Machbarkeitsstudien.

Die Hilfe von Al Handals Banken-Vereinigung richtet sich auch an die Menschen, die durch die IS-Herrschaft und die Kämpfe alles verloren haben: Sie sammelte 5.000 Bücher für junge Iraker, Handals Teams bringen Hilfslieferungen direkt in die befreiten Gebiete und die Banken legten einen Hilfsfond für Binnenflüchtlinge auf. Zudem schaffen sie gemeinsam mit der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit Arbeitsplätze für Geflüchtete innerhalb des Iraks.

Al Handal dankte in sehr deutlichen Worten der deutschen Bundesregierung für ihr umfassendes Engagement und seine Botschaft war klar: „Wir suchen echte Partner für die Zukunft“ und „in Deutschland sind für uns Türen offen für die Zusammenarbeit.“

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erschienen

Berlin, 11. September 2017

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Dr. Oliver Ernst

Referent im Team Naher Osten und Nordafrika

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