Reiner Kunze Dichter sein Eine Deutsch-Deutsche Freiheit

Reiner Kunze zum 80. Geburtstag

Lesung und Gespräch

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v.l. Die Thüringer Staatssekretärin und stellv. KAS-Vorsitzende Hildigund Neubert, Udo Scheer, die Thüringer Landtagspräsidentin Birgit Diezel MdL und Bildungswerksleiterin Maja Eib

Am 7.11.2013 fand in der Erfurter Andreaskirche eine Lesung anlässlich des 80. Geburtstages des großen Thüringer Dichters Reiner Kunze statt. Pfarrerin Ruth-Elisabeth Schlemmer hatte die Pforten Ihrer Kirche geöffnet und erinnerte in ihrer Begrüßung an die mutigen DDR-Bürger, die gerade aus den Kirchen heraus die SED-Diktatur beendeten. Das vom Ostthüringer Publizisten und Autor Udo Scheer geschriebene biografische Werk „Reiner Kunze Dichter sein Eine deutsch-deutsche Freiheit“ wurde insbesondere von der ausgeschiedenen Thüringer Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit in der ehemaligen DDR Hildigund Neubert unterstützt, die als stellv. KAS-Vorsitzende und in neuer Funktion als Thüringer Staatssekretärin in der Staatskanzlei die Gäste begrüßte. Die Thüringer Landtagspräsidentin Birgit Diezel, die als gebürtige Greizerin wie Reiner Kunze einen besonderen heimatlichen und historischen Bezug zum Geehrten besitzt, würdigte in ihrem Grußwort Reiner Kunze als großen Thüringer Dichter, der in Zeiten der Diktatur lange aufbegehrte, bis er schließlich gezwungen wurde, seine Heimat zu verlassen. Udo Scheer konzentrierte sich in seiner Lesung auf viele Aspekte des Werdegangs Reiner Kunze, die letztlich seinen Charakter und politische Einstellung prägten. Scheer stellte dar, wie er bereits früh an die engen Grenzen der Meinungs- und Denkverbote der SED-Diktatur stieß und zum gehassten und gefürchteten Dissidenten der DDR-Kulturfunktionäre und Stasi-Schergen wurde. Kunzes Liebe zur Tschechoslowakei, seine Solidarisierung mit Intellektuellen aus anderen sozialistischen Ländern machten ihn zur Ikone der Unangepassten, während Kunze stets bescheiden blieb und vielfach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, die ihn mit bewogen, die DDR zu verlassen, um einer drohenden Haft zu entgehen. Bezeichnenderweise war nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik die Unterstützung in den links dominierten Kreisen von Intellektuellen und Literaten eher eingeschränkt, die die DDR immer noch gern als den gerechteren deutschen Staat verklären wollten und die Menschenrechtsverletzungen ignorierten oder negierten. Dafür erfuhr er umso mehr Würdigung in Bayern. Udo Scheer führte zum Abschluss der Lesung aus, dass er in mehreren langen Gesprächen mit Reiner Kunze Material für sein Buch sammeln konnte und Kunze selbst bereits seinen Nachlass ordnet für die Zeit, wenn er nicht mehr selbst sprechen können wird. Es bleibt das Porträt einer beeindruckenden Thüringer Persönlichkeit, die dennoch sich immer treu geblieben ist.

Autor

Daniel Braun

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Erfurt, 7. Dezember 2013

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