DDR: Mythos und Wirklichkeit

Wie die SED-Diktatur den Alltag der DDR-Bürger bestimmte

Ausstellungseröffnung

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Das Auditorium der Ausstellungseröffnung

Über 40 interessierte Gäste verfolgten die Eröffnung der Wanderausstellung "DDR - Mythos und Wirklichkeit" der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Am 6. März 2014 wurde in Eisenach die DDR-Mythen Wanderausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung eröffnet. In Anlehnung an das Wissensportal im Internet www.ddr-mythen.de erstellte die Konrad-Adenauer-Stiftung eine Ausstellung, die für die Arbeit an Schulen besonders geeignet ist und entsprechend konzipiert wurde. Unter dem Titel „DDR: Mythos und Wirklichkeit. Wie die SED-Diktatur den Alltag der DDR-Bürger bestimmte“ präsentieren die zwanzig Aufsteller im Eisenacher Rathaus nun bis 28. März bekannte Mythen rund um die DDR und unterziehen diese einem Faktencheck. Informationen über Alltag, Kultur, Wirtschaft, Umwelt, Schule, Ideologie und vieles mehr werden hier thematisiert, um auch 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution die Erinnerungen an das Leben in der DDR zu erhalten und jüngeren Generationen, die das SED-Regime nicht bewusst erlebten, zu ermöglichen sich damit auseinanderzusetzen. Zur Ausstellungseröffnung, die musikalisch umrahmt wurde vom Akkordeon-Duo Elisabeth Jung und Stanley Hardt von der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ Eisenach, sprach die Staatssekretärin der Thüringer Staatskanzlei und stellv. Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung Hildigund Neubert und hob die Bedeutung der Auseinandersetzungen mit den Verbrechen und Folgen von Diktaturen hervor. Außerdem betonte die langjährige Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, die besondere Eignung der Ausstellung für Schüler und Schülerinnen, um sich mit der Thematik zu beschäftigen und ggf. ein Gespräch und einen Gedankenaustausch über die DDR zwischen den Generationen zu ermöglichen.

Anschließend hörten die über 40 interessierten Gäste der Ausstellungseröffnung einen Vortrag von Dr. Erhart Neubert, der während der DDR verschiedener Friedenskreise und Oppositionsbewegungen angehörte und damals selbst in Konflikt mit den staatlichen Behörden gekommen war. Der Theologe und Autor erzählte zunächst von einer heute öffentlich vorherrschenden ‚doppelten Erinnerung’ an die DDR, welche einerseits Repressionsthemen, Mauer und Stacheldraht zunehmend ausspart und andererseits von einer ostdeutschen Sonderidentität, der ‚wahren DDR’ ungeschadet der SED-Diktatur, spricht. Jene Mentalität der Sozial- und Alltagsgeschichte, herausgelöst aus dem Leben innerhalb der Mangelgesellschaft, ist oftmals die prägendere Erinnerung an die DDR. Des Weiteren hob Dr. Neubert, der 1989 zu den Gründern des Demokratischen Aufbruchs gehörte und an Sitzungen des Zentralen Runden Tisches teilnahm, das Alltagsverhalten der Menschen hervor, welches - gleich wohl welche Verbundenheit zum System man besaß – für jeden Einzelnen unter den selben Bedingungen stand: Mangel an Raum und Zeit, Mangel vor allem an materiellen, aber auch an geistigen Gütern wie Büchern oder freier Rede. Die massiv betriebene Entpolitisierung der Gesellschaft führte zur Trennung zwischen privater Distanziertheit und öffentlichem Auftreten als scheinbarer Teil des Systems und letztlich zu einer für den DDR-Bürger unerfüllbaren Alltagsidentität.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Erfurt, 7. März 2014