Syrien. Flucht und Bürgerkrieg zwischen Assad und IS

Vortrag und Gespräch

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Daniel Braun bei der Begrüßung

Daniel Braun vom PBF Thüringen bei seiner Begrüßung.

Am 14.03.2016 um 19:00 Uhr fand vor 95 interessierten Bürgern im Kulturforum Haus Dacheröden in Erfurt ein Vortrag zum Thema „Syrien – Flucht und Bürgerkrieg zwischen Assad und IS“ statt. Nach einem kurzen Grußwort von Herrn Braun begann der Referent Heinrich Quaden, Oberst a.D. und ehemaliger Militärattaché in der Türkei, seinen Vortrag und gliederte diesen in die die Gründe und Ursachen des Konflikts in Syrien, handelnde Personen und mögliche Lösungsansätze. In Bezug auf die Gründe des Konflikts zeigte Quaden eine zeitliche Abfolge der Geschehnisse in Syrien auf, beginnend bei den Jugendrevolten 2011/2012 als Folge der sogenannten „Arabellion“, auf die der Präsident Assad mit ungewöhnlicher Härte reagiert habe. Als zentrale Punkte wurden hier die Grundbedürfnisse einer Bevölkerung innerhalb eines politischen Systems angesprochen, nach Freiheit, Würde und Arbeit. Da diese auch im Zusammenhang mit einer wirtschaftlich schwierigen Phase nicht erfüllt werden konnten, kam es zu sozialen Unruhen, die in einem Bürgerkrieg endeten. Im Verlauf des Vortrages wurden weiterhin der Eintritt der Hisbollah- Miliz 2013 erwähnt sowie des sogenannten „IS“ in den Konflikt 2014. Als weitere involvierte Gruppe wurden die Kurden genannt, die besonders im Hinblick auf den bewaffneten Kampf gegen den sogenannten „IS“ eine Schlüsselrolle einnähmen. Seit Mitte August 2015 tritt Russland als weiterer Akteur auf, durch Luftschläge auf der Seite Assads. Neben den Ursachen des Konflikts und den beteiligten Personen und Gruppierungen ging Quaden auf das Regierungssystem in Syrien ein und erläuterte die gesellschaftlichen Verhältnisse unter der Familie Assad. Diese sei dahingehend ungewöhnlich, als dass eine kleine Elite der alawitischen Glaubensgemeinschaft die Herrschaft über ein überwiegend sunnitisch geprägtes Land innehabe. Toleranz gegenüber religösen Minderheiten sei verbreitet gewesen, was sich im Zuge des Konflikts radikal geändert habe. Als Fazit in Bezug auf die Gründe die zu der Situation in Syrien führten und den Interessen die verfolgt werden würden benannte der Referent den Konflikt weniger als religiös motiviert sondern als Resultat konkurrierender Interessen um Macht und Einfluss in der gesamten Region sowie die Behauptung einer geostrategischen Position. In Bezug auf mögliche Lösungsansätze erklärte Quaden, dass eine Waffenruhe essenziell sei um humanitäre Hilfe leisten zu können und den Friedensprozess in Gang zu bringen. Strategisch sei es sinnvoll im Kampf gegen den sogenannten „IS“ die Versorgung mit Ressourcen zu unterbinden und wichtige Routen zu erobern. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass selbst nach Beendigung der Kampfhandlungen in Syrien der Wiederaufbau und humanitäre Hilfsleistungen eine Aufgabe für die Weltgemeinschaft darstellten. Abschließend wurde die Zahl von 13,5 Millionen hilfsbedürftigen genannt, die versorgt werden müssten. Im Rahmen der sich anschließenden Fragrunde machte Quaden gegenüber den Zuhörern deutlich, dass der Konflikt in Syrien durchaus das Potenzial zu einem Weltkrieg innehabe, sofern nicht eine alsbaldige Lösung gefunden werde, da der IS metastasierend sich auch auf andere Weltregionen ausbreite. Basierend auf persönlichen Erfahrungen aus dem Kosovo und der syrischen Stadt Kobane wurde betont, dass Kriegsflüchtlinge ein hohes Bestreben hätten in ihre Heimat zurückzukehren. Auch wenn die Flüchtlingspolitik nicht im Fokus der Veranstaltung stand, machte Herr Quade deutlich, dass Europa in dieser Frage nicht in Uneinigkeit zerfallen dürfe. Es wurde ebenfalls die völkerrechtliche Legitimation angesprochen, zum einen im Kontext der Verhandlungsführer bei den Friedensgesprächen aber auch im Hinblick auf militärische Interventionen von Seiten Russlands. Nach einem Schlusswort von KAS-Tagungsleiter Daniel Braun endete die Veranstaltung nach 2 Stunden.

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Veranstaltungsberichte

erschienen

Erfurt, 17. März 2016