Einheit nur in Freiheit – Konrad Adenauer und die deutsche Frage

Ausstellungseröffnung

Zur Ausstellungseröffnung im Thüringer Landtag sprach unter anderem Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters über Konrad Adenauer, die deutsche Frage und die Westintegration.

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Christian Carius, Präsident des Thüringer Landtags, bei der Begrüßung

Christian Carius, Präsident des Thüringer Landtags, bei der Begrüßung

Am 30. Mai lud das Politische Bildungsforum Thüringen zur Eröffnung der Konrad-Adenauer-Ausstellung „Einheit nur in Freiheit – Konrad Adenauer und die deutsche Frage“ im Thüringer Landtag ein. Zentrum der Ausstellung ist Adenauers Wunsch nach der deutschen Wiedervereinigung und das Ziel der Westintegration, die Grundlage der heutigen europäischen Staatengemeinschaft und transatlantischer Bündnisse ist. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch Friederike Vollert auf der Blockflöte und Diego Gámez Chácon auf der Gitarre, beide Studenten der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.

Begrüßung durch Christian Carius (MdL) und Maja Eib

Zunächst begrüßte Christian Carius, Präsident des Thüringer Landtags, die Gäste. Er verwies in seiner Ansprache auf die noch immer vorherrschende Zwiespältigkeit der neuen Bundesländer gegenüber der Westintegration und auf die Aktualität des Themas Westintegration. Heutige Fragen betreffen etwa die Westintegration der Türkei, die einerseits ein relevanter sicherheitspolitischer Partner sei, aber andererseits auf moralischer Ebene eine gewisse Problematik auszeichnet. Auch, wie am NATO-Gipfel des vergangenen Wochenendes und den Aussagen der Kanzlerin deutlich wird, wird das Verhältnis zu den USA, beziehungsweise der Trump-Administration zunehmend schwieriger. In diesem Hinblick führte Carius an, dass es in beiden Fällen wichtig sei, für die Werte Freiheit und Demokratie, für die auch Adenauer stritt, zu streiten.

Maja Eib, Leiterin des Politischen Bildungsforums Thüringen, verwies in ihrer Begrüßung auf die Rolle Adenauers als Erneuerer des Landes, die ihm unter anderem auch durch Charles de Gaulle bestätigt wurde. Adenauer, so Eib, sei Pragmatiker, Realist und vor allem Visionär gewesen. Er sei auch ein Mann gewesen, der für seine Werte einstand. Sie betonte ferner, mit den Worten der Kanzlerin Angela Merkel, dass Adenauer mit seinem Wirken für die Entstehung freiheitlicher Demokratie Ermutigung und Auftrag zugleich sei.

Vortrag von Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters

Schließlich präsentierte Dr. Hanns Jürgen Küsters, Leiter der Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste und des Archivs für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., außerdem Adenauer-Experte und Herausgeber des aktuellen Buches "Konrad Adenauer - Der Vater, die Macht und das Erbe, Das Tagebuch des Monsignore Paul Adenauer 1961-1966" Einblicke in Adenauers Leben und dessen Bedeutung für die deutsche Einheit. Küsters stellt hier zunächst die Ausgangsproblematik dar vor der Adenauer in seinen politischen Zielen stand. Bezüglich der Wiedervereinigung sprach er der DDR die Legitimität ab und sagte aus, eine Wiedervereinigung sei nur unter der Bedingung freier Wahlen möglich. Gleichzeitig wollte Adenauer die Regierungsform garantiert wissen und strebte die Westintegration an.

Die Westintegration war hier ein mögliches politisches Projekt, aber auch eine grundsätzliche Bedingung für die Wiedervereinigung. Denn die Westbündnisse brachten der jungen Bundesrepublik Verbündete, die schließlich die Verhandlungsposition Deutschlands, besonders in Verhandlungen um die Wiedervereinigung stärkten. Somit war für Adenauer ohne die Westbindung eine Wiedervereinigung nicht möglich. Letztlich sah Adenauer, so führte Küsters an, die Wiedervereinigung auch an eine Schwächung beziehungsweise einen Zerfall der Sowjetunion gebunden. Somit wurde die Wiedervereinigung auch zu einem langfristigen Ziel, das nicht wie die Westintegration sofort umgesetzt werden konnte. Gleichzeitig sah Adenauer die einzige Chance zur Unterstützung der Bevölkerung der DDR in der Aufrechterhaltung der deutsch-sowjetischen Beziehungen.

Die Westintegration und transatlantische Partnerschaft, die Grundbedingung für Adenauer, dass die Deutschen bzw. ein Teil der Deutschen bis zu einer Wiedervereinigung in Freiheit leben konnten, erforderte jedoch auch von Adenauer Abstimmung und teilweise Anpassung an die US-Amerikanische Außenpolitik. Diese betrachtete in der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion nicht nur die Deutschlandfrage allein, sondern auch Konfliktfelder in Nahost und Asien, wodurch außenpolitische Entscheidungen der US-Regierung nicht immer mit Adenauers Vorstellungen übereinstimmten.

Im Bereich der europäischen Integration spiegeln sich auch heute die damaligen Probleme wieder. So hatten bereits zu Adenauers Zeiten die Briten ein Problem mit der Integration und der Autorität einer höheren, europäischen Instanz.

Abschließend betonte Küsters noch Adenauers Prinzipientreue, die vor allem der Bekämpfung des Nationalismus und Totalitarismus und der Aufrechterhaltung von Freiheit und Demokratie diente. Seine Prinzipientreue und seine Visionen könnten auch heute noch als Rat und Empfehlung gelten, denn ohne Adenauer und seine Federführung der deutschen Frage und Westintegration wäre Deutschland nicht zum international relevanten Akteur in der politischen Arena aufgestiegen.


Die Ausstellung „Einheit nur in Freiheit – Konrad Adenauer und die deutsche Frage“ ist noch bis zum 15. Juni im Thüringer Landtag von 8-18 Uhr (außer an Plenartagen) und am Wochenende nach telefonischer Vereinbarung bei Frau Erlekampf, Telefon: 0361-377 20 05, geöffnet. Wir bitten für den Zutritt einen Lichtbildausweis bereitzuhalten.

Rückmeldungen/Feedback: Anregungen, Lob und Kritik können Sie gerne an feedback-pb@kas.de richten.

Autoren

Daniel Braun, Annika von Berg

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Erfurt, 31. Mai 2017

Kontakt

Maja Eib

Landesbeauftragte für Thüringen und Leiterin des Politischen Bildungsforums Thüringen

Maja Eib
Tel. +49 361 65491-0
Fax +49 361 65491-11